Vortrag von Helmuth Schäckel, Leiter des Fachdienstes 63, Gebäudemanagement und Bauaufsicht, anläßlich der Eröffnung der Ausstellung „50 Jahre Rathaus Emsdetten“. – Die Ausstellung kann noch bis zum 06. August 2026 im 1. OG des Rathauses besucht werden.
Schäckel: „Dazu kommen wenige einfache, aber schöne Details wie z.B. die Ausbildung der Schalterzonen, die in die Schalung eingelassen worden sind. Mit einer einfachen Dreikantleiste ging das schlicht, aber wirkungsvoll zu gestalten.
Die aus Holz mit Eschefurnier hergestellten mobilen Trennwände bilden den warmen und weichen Gegensatz zum harten und grauen Beton. Die Oberlichter vermitteln den Wänden eine gewisse Transparenz ohne direkte Einblicke in die Büros zu geben. Die in den Haupttragachsen mit einer deutlichen Fuge unterteilten, herausstehenden Einbauschränke bilden ein plastisches und funktional erstklassiges Bauelement. Es ist wohltuend, nicht einfach eine eindimensionale einfallslose Rigipswand vor sich zu sehen, sondern – wie bei der Außenfassade – eine geschichtete, in sich gegliederte in gewisser Weise dreidimensional anmutende Wand. Dass diese Wandelemente dazu noch mobil gestaltet waren, machte sie umso wertvoller. Bereits damals ist der Gedanke der Wiederverwertbarkeit von Bauelementen par excellence umgesetzt. Das hat uns schon viele Vorteile in der variablen Raumnutzung gebracht.
Im Gegensatz zu den schallharten Beton,- Glas- und Holzflächen – aber trotzdem wunderbar ergänzend – steht der Teppichboden. Bis auf die Räume des Versorgungskerns und der Bodenflächen im Eingangsgeschoss ist Teppich verlegt. Büros, Treppenläufe, Vorzonen, Freiflächen – alles ist mit Teppich bedeckt. Ursprünglich war eine dunkelbraune, leicht langflorige Ware ausgelegt – es war ein Produkt der heimischen Industrie!
„Unser Rathaus ist für mich ein kleines Juwel.“, so Schäckel in seinen Ausführungen. „Seine Tragstruktur ist eindeutig und langlebig, sein Stahlbetonskelett mit den Kassettendecken flexibel und räumlich vielseitig nutzbar. Die Raumunterteilungen sind mobil gehalten, die Materialien einfach aber wirkungsvoll in der Gesamterscheinung. Das Gebäude ist unterhaltungsfreundlich, großflächige Anstriche insbesondere der Betonflächen nicht nötig, ja sogar verbotswürdig, die Fassade langlebig und ebenfalls wartungsarm. Lediglich die Technik ist zu warten und zu unterhalten. Es ist immer wieder erstaunlich, wie kompromisslos einfach und zeitlos dieses Gebäude ist. Im Laufe der Jahre hat es sich äußerlich nicht verändert. Die Fassade ist einmal eins zu eins getauscht worden. So erscheint es noch heute für mich genauso modern wie früher.
Ja, es stimmt: Es entstand ein sechsgeschossiges, quaderförmiges Gebäude mit einer Kantenlänge von 32 m, das in fast reinem Weiß und gelben Segeln mitten in der neu gestalteten Innenstadt von Emsdetten erstrahlte und dennoch wie ein Fremdkörper daherkam. Als ich im Februar 1993 ein erstes Mal das Rathaus sah und vergeblich versuchte, während des dort in diesem Moment im Foyer stattfindenden Prinzenfrühstücks hineinzugelangen, staunte ich nicht schlecht über das äußerst moderne Outfit des Rathauses und dachte: Da haben aber einige richtig Mut und Weitblick bewiesen, ein solches Gebäude mitten in die Innenstadt zu setzen. Diese Auffassung habe ich bis heute nicht geändert. Dieses Gebäude ist ein architektonischer Glücksfall für Emsdetten. Es ist modern, äußerst funktional, zukunftsfest, zeitlos, wirtschaftlich, mit einem Wort: einfach gut!
Möge es so einzigartig bleiben. Wir werden wohl in den kommenden Jahren Änderungen und Anpassungen vornehmen müssen. Diese werden sich in erster Linie auf gebäudetechnische und funktionale Aspekte beziehen. Ich wünsche jedem, der sich mit dieser Aufgabe beschäftigen darf, ein glückliches wirtschaftliches, funktionales und gestalterisches Händchen. Unser Rathaus mit seiner hohen architektonischen Qualität, die letztlich aus seiner zur Schau gestellten, bestechenden Einfachheit erwächst, ist es jederzeit wert, mit aller uns zu Gebote stehenden gestaltenden Aufmerksamkeit in die Zukunft geführt zu werden.“
Hier endet der Vortrag von Helmuth Schäckel und unsere kleine Serie über das Emsdettener Rathaus. Wer sich darüber hinaus noch informieren möchrem dass der Rathausbau mit damals Gesamtkosten in Höhe von 11 Mio DM – aus heutiger Sicht quasi ein Schnäppchen waren oder das der Bau von Beginn an daraus ausgerichtet war (und auch heute noch könnte) um ein Geschoss erweitert zu werden, der ist herzlich eingeladen. die Ausstellung im ersten Obergeschoss des Rathauses (barrierefrei erreichbar) zu besuchen. Bis zum 06. August 2026 sind die von Stadtarchivarin Annelie Niethmann zusammengetragenen Exponate noch zu besichrigen.
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Bericht über die Ausstellungseröffnung – H I E R




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