Verzweifelt hoffnungsvoll – die Lage in Erftstadt

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Die obere Kante, die im Hintergrund noch zu sehen ist, war ursprünglich das Niveau der durchgängigen Ackerfläche. Auf einer Fläche von ca. 250.000 m² und 8 m Tiefe wurde das gesamte Gelände weggespült. (Foto: Feuerwehr Emsdetten)

Noch sichtlich gezeichnet von den Eindrücken in Erftstadt, den enormen Anstrengungen die Willi Kemper mit seinen Kameraden am Wochenende beim Einsatz erfahren hat, gibt es, wie versprochen, das Gespräch mit AllesDetten.

Große Unbekannte bei dieser Aktion: Keiner weiß, wo das Wasser herkommt bzw. wo es bleibt. Ein Areal von ca. 500 x 500 Metern und ca. sieben bis acht Meter tief ist weggebrochen, auch diese Massen sind verschwunden. Anfängliche Befürchtungen, dass der Ortsteil Erftstadt-Blessem unterspült wird, konnten vorsichtig verneint werden, hier werden die ersten Begehungen wieder erlaubt.

Wir berichteten bereits über die Abfahrt und die Pläne/Aufgabenstellung vor Ort. 1.400 BigPacks gefüllt mit Erde sind mittlerweile zu einem Damm aufgebaut. Im drei-Minuten-Takt rattert ein Bundswehr-Hubschrauber über das Gelände und platziert neues Staumaterial. 20.000 Tonnen Erde (das sind 20.000.000 kg) sind bereits bewegt worden.
Mit kleineren Sandsäcken werden die Lücken geflickt. Acht große Pumpen sind dort aufgebaut, jede kann 50.000 Liter Wasser pro Minute fördern. Da hier ein Höhenunterschied von drei Metern überwunden werden muss, schätzt Kemper die tatsächliche Leistung auf 40.000 Liter pro Pumpe pro Minute ein.

Anders als ursprünglich geplant, sind im Moment nur noch neun Einsatzkräfte aus Emsdetten vor Ort. Diese Kameraden sind derzeit für die Überwachung des Pumpvorganges zuständig, müssen gegebenenfalls eingreifen. Morgen dann wird die Feuerwehr aus Oberhausen die Emsdettener Wehr ablösen, nach weiteren fünf Tagen kommt Minden, danach Hochsauerland-Kreis.

80 Bundeswehrsoldaten waren beim Aufbau des Systems behilflich. Die Pumpen wurden ins Wasser gelassen, die Module stehen in sicherer Entfernung. Schläuche wurden gelegt. Diese müssen bei jedem Hubschraubereinsatz beschwert werden, weil dieser sonst die „blauen Bänder“ ansaugen und in die Höhe ziehen würde. Die Beschwerung muss natürlich wieder entfernt werden, damit der Pumpprozeß fortgesetzt werden kann.

Die Erft ist ursprünglich vergleichbar mit dem Emsdettener Mühlenbach. Mittels der Dämme wird versucht, den Wasserabfluss zu regeln, zurück in den ursprünglichen Bachlauf zu bringen, der letztlich im Rhein mündet. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass der Einsatz der Pumpfahrzeuge nach 14 Tagen beendet sein wird.

Zur Bevölkerung dort bestand kein Kontakt. Lediglich bei der Durchfahrt standen Berge von Sperrmüll an den Straßen. „Das ist unglaublich, das kann man sich nicht vorstellen.“

Beim ersten Einsatz hatte die Emsdettener Wehr bereits ein Krankenhaus leer gepumpt, in dem das Wasser bis auf zwei Meter Höhe stand, wurde dann zu einer Tiefgarage gerufen. Die Kameraden vor Ort haben wegen des enormen Anstiegs entschieden, die Pumparbeiten einzustellen und sich auch um Menschenrettung gekümmert, konnten so 39 Personen von den Dächern oder aus den oberen Geschossen der Häuser bergen.

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