Fortsetzungsroman „Schützenfest“ 14/14

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Die Besatzung der Tanzband fährt direkt in den inzwischen menschenleeren Innenhof der Gaststätte, parkt den Anhänger gleich neben dem Hinterausgang des Festsaales, damit in der Nacht sofort das komplette Equipment eingeladen werden kann. – Hier ist sie ihm am Vorabend zum ersten Mal direkt in die Arme gelaufen, hier hatten sie sich in der Tanzpause getroffen und von hier aus waren sie für einen Moment… sie kann ein Lächeln nur kaum unterdrücken.

Hier warst Du also gestern Abend.“ Der Schlagzeuger hat ihr den Aussetzer und das ‚Fernbleiben von der Truppe‘ noch immer nicht verziehen.

Wir müssen noch nen Sound-Check machen – die werden bald hier sein!“ Sie hatten gerade alle Instrumente gestimmt, einige Gesangsproben gemacht, die Tonleiter hoch und runter geträllert, als ihr beim ‚a‘ plötzlich alles im Halse zu gefrieren scheint, der Mund bleibt weit offen stehen, die Augen werden immer größer, das neue Scheibenkönigspaar marschiert ein, der Mann, der sie noch vor nicht einmal ganz 20 Stunden auf ’seinen Thron‘ gehieft hatte. Er fürchtete ihren Blick, suchte verzweifelt auf der anderen Seite nach bekannten Gesichtern, Freunden oder Nachbarn, die sich einen Gruß von der neuen Majestät erhofften. Trotz der Spielmannszüge und des Blasorchesters war ihr Schlucken zu hören und er war sich sicher, ihm würde gnadenlose Rache widerfahren, – die anfängliche Freude über das Königsein bekam nun einen jähen Dämpfer, – hoffentlich ist dieses Schützenfest bald vorbei…

Der Vorstand und mit ihm die Gäste aus Berlin, treffen am Königstisch ein und überbringen ihr Präsent.

Das ist meine Chance!„, denkt sich die Betrogene – oder die, mit der betrogen wurde? War sie jetzt in der Täter- oder Opferrolle?

Hier, das hast Du gestern vergessen!“ und hielt ihm eine angebrochene Schachtel, deren Inhalt eigentlich dem Schutz dient, – also friedlichen Zwecken, – unter die Nase. – Das hatte gesessen. Mit einem Schlag war es mucksmäuschenstill am Tisch. Der was-hat-das-zu-bedeuten-Blick der Königin kreuzte sich mit dem ich-kann-dir-das-erklären des Scheibenkönigs, wenngleich er keinen blassen Schimmer hatte, wie diese Erklärung aussehen sollte. – Und, als ob der erste Treffer direkt vor den Bug noch nicht gereicht hätte, flog sie einen zweiten Angriff:

Du solltest übrigens die Marke wechseln, die hier waren viel zu groß.“ und warf das Korpus Delikti nun endgültig auf den Tisch.

Na wenn se Dir nich passen, denn kann icke die ja wohl bekommen…. oh, da fehlen ja mindestens drei Stück drinne – habter jleich mehrmals?

Häuptling der-vor-ihm-schoss mit dem es-ist-nicht-so-wie-du-denkst Blick wurde zu ich-kann-dir-das-erklären-nur-wie? Wie war es denn tatsächlich? Was kann bei dieser Beweislage tatsächlich anders sein als jeder hier am Tisch dachte, dass es so war? Er war mindestens genauso gespannt auf seine Erklärung wie seine Verlobte, die gerade ihren Partner an den Ärmeln nach draußen zog.

Der Vorfall wurde eigentlich nur von den Gästen am Königstisch wirklich wahrgenommen, alle anderen waren mit sich oder dem jeweiligen Gegenüber beschäftigt oder ließen einfach ihrer guten Laune freien Lauf.

Es waren kaum 20 Minuten vergangen, da kam der frisch gekürte Scheibenkönig wieder in den Saal, nahm Jacke und Handtasche seiner Freundin und verschwand auch gleich wieder.

Sagt einfach, dass wir wegen einem dringenden Grund weg mussten.“ Schon für die Gratulanten, die zwischenzeitlich gerne ihren Glückwunsch dem Königspaar ausgesprochen hätten, musste etwas wie ‚Die brauchen mal kurz Frischluft‘ erfunden werden.

Rainer hatte noch immer die angebrochene Schachtel in den Händen:

Den Grund kenn ick!“ ließ er leise seine hellseherischen Fähigkeiten verlauten.

Hier, vielleicht brochste die doch noch!“ wollte er ihm den eigentlichen Auslöser dieser angespannten Situation noch hinterher bringen doch Marianne hielt ihn zurück:

Lass juut sein, die ham‘ jetzt andere Sorjen!

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