Die Stadtbibliothek steht unter neuer Leitung

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(Foto: Stadt Emsdetten)

Seit August 2020 hat die Stadtbibliothek Emsdetten einen neuen Leiter. Es ist der 41-Jährige Christoph Höwekamp aus Georgsmarienhütte. Der Bibliothekar war zuletzt für einen Dachverband tätig und beriet öffentliche Büchereien in ganz Deutschland. Erfahrungen als Leiter einer Stadtbibliothek sammelte er in Georgsmarienhütte. In einem Interview mit Laura Hartmann von der Stadt Emsdetten spricht er über seine beruflichen Erfahrungen und seine Zukunftspläne für die Emsdettener Stadtbibliothek.

Herr Höwekamp, was hat Sie persönlich dazu bewegt, Bibliothekar zu werden?
Ich habe schon als Jugendlicher ehrenamtlich in einer Bücherei gearbeitet. Es ist ein wunderbar abwechslungsreicher Beruf mit vielen Aufgaben und Begegnungen. Auch lese ich privat, vor allem im Urlaub, sehr gerne. Ich mag es, wenn man sich für ein Buch richtig Zeit nehmen kann. In der Regel sind es dann Romane oder Krimis. Durch meine drei Kinder bin ich aber auch zu einem Viel-Vorleser geworden.

Wie ist Ihr bisheriger Bildungsweg: Was haben Sie studiert?
Ich habe in Halle an der Saale Lehramt für Germanistik und Geschichte, anschließend Bibliotheksmanagement in Potsdam studiert.

Gibt es Projekte oder Initiativen, die Sie durch Ihr privates Engagement initiiert oder vorangetrieben haben?
Ja, ich bin vielfältig ehrenamtlich engagiert. Unter anderem ist auf diese Weise ein Kinderstadtplan und ein Buch für Kinder zur Stadtgeschichte von Georgsmarienhütte entstanden.

Stichwort Emsdetten: Was hat Sie dazu bewegt, die Stelle als Leiter der örtlichen Stadtbibliothek anzutreten?
Wir sind als Familie nach Emsdetten gefahren und waren begeistert von der schönen Innenstadt. Die Bibliothek ist ebenfalls in einem tollen Gebäude untergebracht. Insgesamt war es dann eine leichte Entscheidung, mich hier zu bewerben.

Was ist Ihre Erfahrung: Gibt es viele Menschen, die sich lieber ein Medium ausleihen als es zu kaufen?
Das Grundprinzip einer Stadtbibliothek ist, dass man allen Menschen – unabhängig von ihrem Einkommen – Zugang zu Medien und Wissen ermöglichen möchte. Nicht alles muss man also käuflich erwerben, insbesondere, wenn man es vielleicht nur einmal nutzen möchte. Auch leihen Menschen aus Gründen der Nachhaltigkeit oft lieber aus.

Wodurch kennzeichnet sich eine gute Stadtbibliothek aus Ihrer Sicht?
Eine gute Stadtbibliothek fördert Lesefreude, bietet eine hohe Aufenthaltsqualität und Veranstaltungsbreite. Moderne öffentliche Bibliotheken erfüllen vier Funktionen. Sie bieten Raum für Anregungen (z.B. Ausstellungen, wechselnde Bestände), Lernraum (z.B. Einzel- und flexible Gruppenplätze). Sie sind Treffpunkt (z.B. im Lesecafé) und performativer Raum (u.a. Makerspace). Die Stadtbibliothek ermöglicht auch digital Zugang zu vielfältigen Angeboten. Von einer guten Bibliothek mit einem aktuellen Bestand profitieren daher alle Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt.

Welche Rolle spielt Digitalisierung im Rahmen Ihrer Arbeit und welche Zukunft hat das gedruckte Buch angesichts der steigenden medialen Angebote?
Digitalisierung spielt im Hintergrund der Bibliotheksarbeit schon länger eine große Rolle. Es sind jedoch laufend Investitionen in Technik und Software nötig. Gegenwärtig steht der schon länger geplante Umzug des gesamten Bibliothekssystems in die „Cloud“ an – ein großes Unterfangen. Es gibt aber auch immer noch Situationen, in denen das gedruckte Buch Vorteile gegenüber der digitalen Version hat: Zum Beispiel beim Vorlesen für Kinder. Man kann viel unmittelbarer in die Geschichte eintauchen, begreifen, anfassen, vor- und zurückblättern und Dinge entdecken. Ebenso bevorzugen auch viele Erwachsene gedruckte Bücher – zum Beispiel aufgrund ihrer Haptik.

Was bedeutet es für Sie, als Institution auch in den Sozialen Medien vertreten zu sein?
Die Bibliothek muss immer dort sein, wo sie ihre gegenwärtigen oder zukünftigen Leserinnen und Leser erreichen kann. Gerade in den Sozialen Medien kann man auf die vielfältigen digitalen Angebote der Bibliothek aufmerksam machen. Neben der Onleihe mit eBooks und eAudios, gibt es Angebote für digitale Zeitschriften, Filme und Wissensdatenbanken.

Was können die Bibliotheksbesucher und Mitarbeitenden der Stadtbibliothek von ihrer neuen Leitung erwarten?
Zunächst sind wir leider noch an einige Auflagen der Coronaschutzverordnung gebunden. Hierzu gehört die Registrierung beim Einlass, der Ausfall fast aller Veranstaltungen und die Sperrung einiger Bibliotheks-Bereiche sowie des Lesecafés. Was die Planung von zukünftigen oder die Wiederaufnahme von Veranstaltungen angeht, gibt es leider nach wie vor viel Unsicherheit. Dennoch haben sich die Mitarbeitenden in den letzten Monaten mit viel Kreativität und Engagement für eine frühzeitige Wiedereröffnung der Bibliothek eingesetzt. Sie können sich auf eine kollegiale Zusammenarbeit freuen. So werden wir gemeinsam sehr sach- und lösungsorientiert arbeiten und die Bibliotheksarbeit in Emsdetten weiter vorausschauend gestalten. Ich freue mich natürlich, dass wir aktuell auch die Möglichkeit haben, eine Stelle nachzubesetzen. Interessierte können sich noch bis zum 30. August 2020 online um eine Stelle als Fachangestellte bzw. Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste bewerben.

Wird es zukünftig Veränderungen in der Stadtbibliothek geben?
Wir hoffen, dass wir in der nächsten Zeit einige bauliche Verbesserungen erreichen können. Dies betrifft mitunter den Eingangsbereich, der im Moment noch nicht zu 100 Prozent barrierefrei ist. Hier ist eine Lösung mit Schiebetüren in Planung. Beim Glasanbau löst sich seit einiger Zeit die Sonnenschutzfolie, hier sind Rollos angedacht. Ganz grundsätzlich ist eine Bibliothek ein sehr lebendiger Ort, an dem es immer wieder zu Veränderungen kommt. So werden wir uns im Bereich der Kinderbibliothek sicher überlegen, wie wir diese noch farbenfroher und kindgerechter gestalten können.

Haben Sie konkrete Projekte im Blick, die Sie für die Stadtbibliothek Emsdetten realisieren möchten?
Ja. Für ganz kleine Kinder ist das Vorlesen unglaublich wichtig zur Sprachentwicklung. Hier kann ich mir noch ergänzende Angebote zum sehr erfolgreichen Format „Vorlesen für die Allerkleinsten“ vorstellen. Auch die Zusammenarbeit mit den Kindergärten und Schulen möchte ich gerne stärken. Für Jugendliche wollen wir den Makerspace weiter ausbauen und perspektivisch den Lernhilfenbereich umgestalten. Und schließlich werden auch Erwachsene nicht zu kurz kommen. Da Lesungen das „Salz in der Suppe“ sind, dürfen sie sich wieder auf entsprechende Veranstaltungen freuen.

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