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Die Fusion der Emsdettener Pfarrgemeinden (2012) zur Stadtgemeinde St. Pankratius, - der größten Pfarrei im Bistum Münster (Foto: Manfred Schwegmann)

Lesezeit 5 Minuten Zu Weihnachten waren die Gottesdienste in den Kirchen naturgemäß wieder übermäßig gefüllt. Häufig von Bläsergruppen, Chören und Songgruppen begleitet, ein feierliches Zeremoniell, für die anwesende Gemeinde immer wieder ein Erlebnis.

Über’s Jahr gesehen aber zeigt der Kirchenbesuch eine drastisch abnehmende Tendenz, was das Bistum Münster dazu veranlasst, in Emsdetten voraussichtlich drei Kirchen schließen zu wollen. Mögliche Kandidaten einer solchen Profanierung sind Heilig-Geist, St. Josef und St. Marien. Im Herbst 2019 wurde in Gemeindeversammlungen über den aktuellen Sachstand informiert. Anders formuliert: man hat die jeweils aktiven Gemeindemitglieder schonend auf einen bevorstehenden Wandel vorbereitet. Und das rhetorisch nicht einmal ungeschickt: Zunächst das bestehende Engagement gelobt, die Vielseitigkeit gepriesen, hat gar die Kirchenhäuser mit Bundesligastadien verglichen und festgestellt, dass die Kirchen besser da stehen als die „Fußballtempel“ – was genau die Basis dieses „Besserseins“ bildet, wurde nicht klar (die Zahl der Vereinsaustritte muss wohl noch gravierender sein als die Anzahl der Kirchenaustritte). Der aktuelle Trend, dass die Zahl der derzeitigen Kirchenaustritte schon nicht mehr so hoch ist als in den vergangenen Krisenjahren, wird gar als positive Tendenz ausgelegt, dabei ist sie tatsächlich nur nicht mehr ganz so negativ. Der derzeitige Altersdurchschnitt der Kirchenbesucher liegt bei 70 Jahren und älter. Somit, so brutal das jetzt auch klingen mag, sind diese in 10 – 15 Jahren auch ‚abgängig‘. Wenn diesen gläubigen Christen aber jetzt die Möglichkeit genommen wird, wohnortnah an Gottesdiensten teilzunehmen, die Kirche zu besuchen, zu der eine persönliche Bindung besteht, weil vielleicht sogar selber am Aufbau beteiligt, weil über Jahrzehnte engagiert am Gemeindeleben beteiligt, dann werden die Besucherzahlen noch schneller sinken als derzeit nur spekuliert. Lieber schauen die alteingesessenen Paohlbürger dann am Sonntagmorgen den Gottesdienst im heimischen TV an, als in eine fremde Gemeinde zu gehen, – abgesehen vom logistischen Problem, der Erreichbarkeit.

Den aktiven Chören, der vielfach funktionierenden Jugendarbeit, den Seniorentagen, der Frauengemeinschaft, den Büchereien, den Gruppen, die die Basare vorbereiten, Kirchweihfeste, all denen wird die Basis genommen. Das Argument, diese Kräfte dann an einer Stelle zu bündeln, heißt nichts anderes als wir filtern die Elite und lassen die schwächeren fallen.

Anstatt sich selber zu hinterfragen, warum treten die Leute aus der Kirche aus, wie kann man dem entgegenwirken, wie kann man diese säumigen Schäfchen zurück gewinnen, was ja ureigenste Aufgabe des Priestertums ist, wird hier nur verwaltet, bürokratisch abgewickelt, was ökonomisch nicht mehr tragbar ist. Möglicherweise stehen tatsächlich nicht ausreichend Priester zur Verfügung um alle Pfarreien so zu besetzen, dass ein Fortbestand gesichert ist, aber dann muss man diesem Trend entgegenwirken.

Jesus hat seine Jünger ausgeschickt um die Menschen vom christlichen Glauben zu überzeugen, zu taufen und damit der Kirche zugehörig zu machen. Die katholische Kirche ist mehr und mehr zu einem institutionellen Wesen verkommen, ein Wirtschaftsbetrieb. Der christlich gelebte Glaube in der ehrenamtlichen Basis ist vielfach lobenswert. Die Führungsetage hingegen lässt dahingehend wenig erkennen. Immer mehr Skandale lassen die Kirche und ihre Würdenträger in einem schlechten Licht dastehen. Missstände werden bewusst verheimlicht, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Das ist jetzt hier keine Pauschalverurteilung des Berufsstandes, vielmehr ein Anprangern, dass ‚Ausrutscher‘ legitimiert werden.

Ähnlich, wie 2012 die Fusionierung (siehe Titelbild) sämtlicher Emsdettener Pfarrgemeinden zu einer Stadtgemeinde (der größten im Bistum Münster)  in einer großen Zeremonie gefeiert wurde, wird es für die bevorstehenden Profanierungen (Entweihung eines Kirchengebäudes) auch Rituale geben, die theatralisch in Szene gesetzt werden, als seien sie ein jahrtausende altes Zeremoniell, dabei ist es eher ein absolutes Armutszeugnis, Beleg dafür, dass die zuständigen Stellen ihren Job, Menschen vom Christentum zu überzeugen, nicht gut gemacht haben. Sollte sich die oben angesprochene Personalsituation mal wieder bessern, sollten wieder mehr Menschen den Zugang zum christlichen Glauben und zur katholischen Kirche finden, eine ‚Reanimation‘ einer entweihten Kirche (das Gebäude dürfte dann mittlerweile einer anderen Nutzung unterliegen) ist ja bislang nicht vorgesehen. Krisenzeiten muss man anders begegnen, – Resignation ist ein schlechter Ratgeber.

Das Bistum Münster hat sich im Jahre 2018 ein neues Logo zugelegt. Die Bibel spricht ja gerne in Gleichnissen und Symbolen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt, dass in diesem Logo das Kreuz nicht vollständig sichtbar ist, der Eindruck entsteht, als sei ein Querbalken bereits abmontiert. Zeichen dafür, dass die Kirche sich abbaut? Opfer sind, wie so oft, die kleinen aktiven Gemeindemitglieder, während sich die, die durch ihre Stellung an den entscheidenden Positionen, also eigentlich die, die für das Desaster verantwortlich sind, in sicherem Fahrwaser befinden.

Es wird dringend Zeit, dass die Kirche sich dem aktuellen Zeitgeist anpasst, loslässt von altbackenen Formeln, hin zu mehr Individualität. Und wenn die Menschen nicht in die Kirche kommen, dann muss die Kirche zu den Menschen, die Gemeindemitglieder ansprechen, sie ‚abholen‘. Das muss nicht, wie einst im Mittelalter, mit brutalen Kreuzzügen geschehen, da gibt es mittlerweile vielfältige andere Möglichkeiten. Die engagierte, kreative Basis hat diese Möglichkeiten vielfach bereits erkannt.

 

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