Zurück ins Berufsleben mit ISGA – Erfolgreiche Maßnahme von Lernen fördern

0
434
Das Lernen fördern ISGA-Team in Rheine: Yvonne Ludwig (päd. Fachkraft), Dr. Katja Nierhoff-Lüttmann (Arbeitsmedizinerin), Nicole Chomiak (Psychologin), Axel Rogowski (Einrichtungsleiter) (Foto: Lernen fördern)

Menschen, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, haben ein deutlich erhöhtes Gesundheitsrisiko, so das Ergebnis zahlreicher wissenschaftlicher Studien. Das weiß auch Laura Ehling, Arbeitsvermittlerin des jobcenters Kreis Steinfurt: „Viele unserer Kundinnen und Kunden, die schon lange arbeitslos sind, haben psychische und physische Probleme.“ Dabei gilt: Je länger Menschen ohne Beschäftigung sind, desto größer das Risiko funktionaler, emotionaler oder physischer Störungen.

Für diese Menschen setzt das Jobcenter auf die Maßnahme „Individuelle Stabilisierung von Gesundheit und Arbeit“ (ISGA) vom Bildungsträger Lernen fördern. Sie zielt darauf ab, Männer und Frauen mit gesundheitlichen Einschränkungen wieder an den Arbeitsmarkt heranzuführen. Zehn Kundinnen und Kunden des Jobcenters nehmen daran teil. Sie werden von einem multifunktionellen Team bestehend aus Pädagogen, Psychologen und Arbeitsmediziner unterstützt. ISGA findet in den Standorten Ibbenbüren, Rheine und Steinfurt des Lernen fördern statt. „Die Warteliste für diese Maßnahme ist lang“, weiß Ehling. Viele Kundinnen und Kunden möchten mitmachen. Denn anders als andere Maßnahmen setzt ISGA allein auf die Motivation der Teilnehmenden. „Sie müssen etwas an ihrer Situation ändern wollen, sich aktiv einbringen“, ergänzt Axel Rogowski, Leiter von Lernen fördern am Standort Rheine.

Yvonne Ludwig (päd. Fachkraft) berät und unterstützt Teilnehmende. (Foto: Lernen fördern)

Susanne B.* (*Name geändert) war eine der ersten Teilnehmerinnen, der im Februar vergangenen Jahres gestarteten Maßnahme. In der Einstiegsphase konnte sie erstmal unverbindlich teilnehmen, sich ein Bild über den Aufbau und die gegebenen Inhalte machen, bevor sie sich für eine aktive Teilnahme entschied. In den nächsten Wochen wurde gemeinsam mit ihr und nach Rücksprache mit dem Jobcenter ein individueller Gesundheits- und Berufswegefahrplan erstellt, der Susanne B. Schritt für Schritt ins Leben zurückbringen sollte. In den Gesundheits- und Berufswegefahrplan fließen die Erkenntnisse der Ärztin, der Psychologen und der Sozialpädagogin ein. Mit den dort gewonnenen Erkenntnissen sucht das Team von Lernen fördern gemeinsam mit Susanne B. nach einem geeigneten Betrieb für die Arbeitserprobung. „Aufgrund ihres freundlichen Wesens und ihrer Tierliebe hat sie sich auf eine ausgeschriebene Stelle im Verkauf eines Tierfutterbetriebes beworben“, so Yvonne Ludwig, Projektleitung der Maßnahme. „Wir helfen beim Schreiben der Bewerbungen und proben die Vorstellungsgespräche, um den Teilnehmenden die nötige Sicherheit mitzugeben.“ In Susanne B.s Fall hat Ludwig sie auf das Gespräch vorbereitet. Mit Erfolg. Im anschließenden Vorstellungsgespräch wurde mit dem Betriebsleiter eine Arbeitserprobung vereinbart, um eine Einarbeitung vorzubereiten. Nach drei Monaten im Betrieb konnte Susanne B. in Teilzeit eingestellt werden. Die ganze Zeit über stand Ludwig mit dem Betrieb und ihr im engen Austausch. „Wir sind eng eingebunden, um Problemen, die auftreten können, sofort entgegenzuwirken und auszuräumen“, erklärt Rogowski die Vorgehensweise.

Auch der Übergang in die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wird von den Mitarbeitenden von Lernen fördern begleitet. So steht das gesamt Lernen fördern Team in den kommenden sechs Monaten im Rahmen von ISGA weiterhin für den Betrieb und Susanne B. zur Verfügung, um einen reibungslosen Übergang in dauerhafte Beschäftigung zu gewährleisten.

„Für mich hat sich einiges verändert, ich bin seit der Maßnahme viel mutiger geworden“, sagt Susanne B. über ihre Teilnahme. Auch für die Mitarbeiter und Laura Ehling vom Jobcenter war es erfreulich, ihren Werdegang zu begleiten und die Entwicklung zu beobachten. „Für uns ist es besonders wichtig, eine Arbeit für die Teilnehmenden zu finden, die sie auch tatsächlich ausführen können“, so Rogowski, denn alles andere führe zu Frust und verfestige bei den Betroffenen das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit.

Zur Wahrheit gehört auch, dass ISGA nicht für jeden Teilnehmenden in einer Beschäftigung endet. „Es hängt von vielen Faktoren ab, wie beispielsweise der Eigenmotivation oder der Schwere der vorhandenen gesundheitlichen Einschränkungen“, führt Rogowski aus. In einigen Fällen ist es sinnvoll, sich zunächst ausschließlich auf die gesundheitlichen Probleme zu konzentrieren und diese zu beheben. „Nachdem die Gesundheit wiederhergestellt ist, können wir dann den nächsten Schritt gehen, eine Arbeit aufzunehmen“, erklärt Ehling.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein