Verkehrsunfallentwicklung im Kreis Steinfurt und in Emsdetten/Greven 2021 – Teil II

0
313

Damit die Unfallstatistik in den kommenden Jahren weiterhin eine rückläufige Tendenz erkennen lässt, legt die Kreispolizei besonders viel Wert auf unfallvorbeugende Maßnahmen. Dazu gehört nicht nur Elementararbeit in Kitas und Grundschulen, sondern auch so genannte Crash-Kurs-Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene, die überwiegend an weiterblidenden Schulen und Berufskollegen durchgeführt werden.  Und selbst während Corona wurde versucht den Präsenzbetrieb durch Online-Veranstaltungen auszugleichen. Neben regelmäßigen Lichtkontrollen auf Schulwegen engagiert sich die Polizei beispielsweise auch mit Fahrrad-Trainings und Pedelec-Simulatoren in Seniorencentren.

Präventionsmaßnahmen für Motoradfahrer – Biker unter sich

„Ein besonderes Augenmerk falle auf die Gruppe der Motoradfahrer und -fahrerinnen“ berichtet Landrat Dr. Martin Sommer. Im Kreis Steinfurt gibt es zahlreiche Strecken, die bei Bikern sehr beliebt seien. Insgesamt waren Motoradfahrende an 83 Unfällen beteiligt, damit ist die Zahl im Zehnjahresvergleich gesunken, was der Leiter der Polizeibehörde Dr. Sommer den gegriffenen Präventionsmaßnahmen und der guten Arbeit der Polizeibeamten zuschreibt.

Die Polizei möchte mit Bikern ins gespräch kommen. (Foto: pixabay)

Um Gefahrenpunkte zu entschärfen hat die Direktion zahlreiche Präventionsmaßnahmen in Angriff genommen, dazu gehören auch Verkehrskontrollen und Gespräche mit Motorradfahrern. Kontrollstellen werden dazu stationär an frequentierten Stellen aufgebaut. Ergänzend sind mobile Kontrollen unterwegs. Die Kollegen werden speziell geschult und man bemühe sich erfahrene Biker auf die Straße zu schicken. Denn wie sich gezeigt hat, herrsche dadurch eine Kommunikation auf Augenhöhe. Man wolle nicht nur sanktionieren, sondern ins Gespräch kommen.

Das Stimmungsbild sei den Aussagen von Kollegen zur Folge recht gut, weiß Jörg Siepert, Leiter der Direktion Verkehr der KPB Steinfurt (links; rechts: Landrat Dr. Martin Sommer) zu berichten. Am 27.03.2022 soll es eine große Auftaktkontrolle geben, bei welcher der seit Oktober auf seinem Posten befindliche Direktionsleiter erstmalig mitbegleiten wird. (Foto: Joanna Puzik)

Aufklärung und Übungsmöglichkeiten für Senioren, die auf Pedelec umsteigen

Im Zehnjahresvergleich ist bei den Unfallbeteiligten mit Fahrrad eine Abnahme von 21,65 % zum Tief 2013 festzustellen. In 2021 wurde ein Radfahrer tödlich verletzt. Bei 380 verunglückten Radfahrenden, sind es im Vergleich zu vor Corona 158 Unfälle weniger (2019 = 538; 2020 = 405). Hier sei demnach ein positiver Trend sichtbar. Jedoch sei eine deutliche Umkehr vom Rad auf das Motorbetriebene Pedelec sichtbar, sagt der Direktionsleiter Verkehr.

Trend Senioren wechseln das Rad gegen ein Pedelec (Foto: pixabay)

Das sei schon allein an den Umsatzzahlen sichtbar, 80% der verkauften Fahrräder in 2021 sind Pedelecs. Immer mehr Leute nutzen nun Pedelecs, „sie ermöglichen Mobilität ins hohe Alter und kompensieren körperliche Schwäche“, aber „diese Dinger haben wirklich Leistung und Kraft“, was auch gewisse Gefahren im Straßenverkehr mit sich bringe, sagt Jörg Siepert. Deshalb sei die Direktion Verkehr mit Präventionsmaßnahmen dran, um die Neu Pedelec Fahrenden zu sensibilisieren. In Rheine gibt es beispielsweise ein Senioren-Kino, wo Interessierte das Fahren auf einem Pedelec Simulator üben können. Damit will die Polizei auf die Gefahren, die im Straßenverkehr drohen und wie sich Pedelecs grundsätzlich – auch in der Wahrnehmung der Autofahrer – vom normalen Fahrrad unterscheiden.

Von 2019 bis 2020 ist bei den Unfällen mit verunglückten Pedelec Fahrenden eine Steigerung auf 56,12%% dokumentiert. Die Unfallzahlen stiegen von 139 (2919) auf 217 (2020 – das Jahr des Lock Down) und 252 in 2021. Das macht eine negative Zunahme von 16,13 Prozent um 35 auf 252. Drei Pedelec Fahrende wurden 2021 tödlich verletz. Positiv sei jedoch, dass mit 60 weniger Personen schwer verletzt wurden (-16,67%) im Vergleich zum Vorjahr und 189 (+30,34%) mit leichten Verletzungen davonkamen

Pedelec-Fahrer aufgepasst: Apell des Landrats

Der Landrat äußerte sich zu dem Thema Pedelec mit einem deutlichen Appell an die Betreffenden:

  1. Tragen Sie bitte nach Möglichkeit einen Helm. Denn auch bei leichten Zusammenstößen kann man sich schnell, schwer am Kopf verletzen.
  2. Machen Sie sich sichtbar (z.B. mit gelben Westen oder Reflektoren)
  3. Denken Sie an die eigene Geschwindigkeit, insbesondere bei Einmündungen und Kreuzungen. Es ist besser auf die eigene Vorfahrt zu verzichten, da man bei einem Zusammenstoß weniger geschützt sei.

PKWs und Pedelecs seien noch in der Eingewöhnungsphase. Viele Autofahrer können die höhere Geschwindigkeit der Pedelec Fahrer im Vergleich zu Radfahrern nicht richtig einschätzen, mahnt der Landrat.

 Tipp von der Direktion Verkehr:

Um sich langsam an das Fahren mit dem neuen Gefährt zu gewöhnen, können Angehörige Senioren anfangs begleiten oder schon vor dem Kauf Übungsfahrten auf dem Verkehrsübungsplatz vorzunehmen, um zu sehen, ob die betreffende Person damit umgehen kann und wo es noch Baustellen gibt.

Jedoch sind nicht alle Pedelec Fahrer für Ratschläge offen: „Sie müssen dicke Löcher bohren, aber die Kollegen sind erfinderisch (…) das ist die Brücke, die wir bauen müssen, um in das Gespräch zu kommen“, kommentiert Siepert. „Die Hemmschwelle ist unbegründet, wir wollen den Leuten helfen, mit Rat und Tat zur Seite stehen!“

Kommentieren Sie den Artikel

Kommentare ohne Hinweis auf den Verfasser (vollständiger Klarname) oder gar mit vorsätzlich falscher E-Mail-Adresse werden nicht veröffentlicht!

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein