Verkehrsunfallentwicklung im Kreis Steinfurt und in Emsdetten/Greven 2021

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(Foto: Joanna Puzik)

 Auswertung der Unfallstatistik 2021 abgeschlossen

Jörg Siepert (Direktionsleiter der Direktion Verkehr), Dr. Martin Sommer (Landrat), Jörg Voigt (leitender Polizeidirektor) stellten den aktuellen Bericht zur Verkehrsentwicklung 2021 vor. (Foto: Joanna Puzik)

Nach der Auswertung der Kreispolizeibehörde stehen nun die Zahlen fest, wie sich die Verkehrsunfallstatistik im Vergleich zum Vorjahr und den vergangenen zehn Jahren verändert hat. Dr. Martin Sommer eröffnete als Abteilungsleiter der Kreispolizei die Pressekonferenz und verkündete, dass die Verkehrsunfälle in Relation zum Jahr 2019 gesunken seien.

Mit 12.346 Unfällen waren es 112 weniger als 2019. Das sei ein Wert, der im Zeitfenster der letzten zehn Jahren seit 2017 nicht unterschritten wurde. Ausnahme ist 2020, welches als sog. Corona-Jahr aus dem Rahmen falle. Maßgebend für die niedrigen Verkehrsunfallzahlen von 11.222 im Jahr 2020 seien die höheren Homeofficequoten gewesen. Weniger Verkehr, weniger Unfälle. Demzuvolge ist für den Vergleichszeitraum 2020 eine Steigerung von 10,02 % zu verbuchen mit erheblichen epidemischen Einschränkungen.

Im Polizeibereich Emsdetten/Greven wurden für 2021 mit 3.116 Verkehrsunfällen insgesamt 559 mehr Unfälle dokumentiert als im Vorjahr (2020 = 2.557). Das ergibt eine Zunahme um 21,86%.

Die Verkehrsentwicklungsstatistik unterscheidet Verkehrsunfälle in mehrere Kategorien

  1. Verkehrsunfall mit Toten
  2. Verkehrsunfall mit schwerverletzten Personen (mit stationärer Aufnahme im Krankenhaus)
  3. Verkehrsunfälle mit leicht Verletzten.
  4. Verkehrsunfälle mit Sachschäden (wo das Fahrzeug nicht mehr fahrfähig sei)
  5. Verkehrsunfall mit Sachschäden (wo die Polizei am Unfallort den Unfallhergang klärt und die Betroffenen ggf. weiterfahren können)

 Verkehrsunfälle mit Personenschäden (Kategorie 1- 3)

Was Personenschäden betrifft gibt es im Kreis Steinfurt einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Bei 1.393 Verkehrsunfällen sind insgesamt 1.752 (1.814) Menschen verunglückt (-3,42 % zum Vorjahr). Dabei gab es 1.234 schwer und leicht verletzte Personen. Im Zehnjahresvergleich liege der Kreis somit unter dem Tiefstand des Jahres 2013. Zudem gab es 2021 insgesamt -3,73 % weniger Verletzte insgesamt im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Schwerverletzten sogar um -11 % (in Zahlen -51 Schwerverletzte weniger), berichtet Siepert.

Von insgesamt 1.734 (2020= 1.801) verletzten Personen im Kreis fallen 419 (2020 = 429) Personen auf den Einsatzbezirk Emsdetten/Greven. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 2021 10 Personen weniger verletzt als im Jahr 2020, das macht einen positiven Rückgang um -2,33% aus. Tote im Straßenverkehr gab es 2021 in Emsdetten keine.

Dabei sind mit schwerverletzten Personen solche Verkehrsteilnehmer gemeint, die stationär (wenn auch nur einen Tag) im Krankenhaus behandelt werden müssen – da trifft es sich gut, dass der Kreis fünf neue Rettungswagen in den Einsatz genommen hat, die für eine bessere Versorgung vor Ort sorgen können.

Todesfälle im Straßenverkehr 2021

Während in 2020 ein Rückgang an Verkehrstoten zu verzeichnen gewesen ist, muss die Kreisbehörde für 2021 18 Tote beklagen. Das sind fünf Menschenleben mehr als im Vorjahr (2020 = 13; 2019 = 19). Der Landrat Dr. Sommer betonte, bereits zu Beginn, „dass jeder Tote, einer zu viel ist (…).“

Auf die 18 im Jahr 2021 tödlich verletzten oder nach dem Umfall verstorbenen Verkehrsteilnehmer entfallen:

  • 11 Senioren (ab 65 Jahren)
  • 6 Erwachsene
  • 1 junger Erwachsener (18- 24 Jahre)
  • Keine Jugendlichen oder Kinder

Unter den 11 verstorbenen Senioren befanden sich auch drei Fahrer von Krankenfahrstühlen. Eine seltene Erscheinung, die in der Statistik nicht separat aufgeführt wird.

 Risikogruppen: Wer ist am meisten gefährdet?

Zur sogenannten Risikogruppe gehören insbesondere Rad- & Pedelec-Fahrer, sowie gefährdete Personengruppen, wie etwa Kinder, junge Erwachsene und Senioren. Wie dies sich im Einzelnem darstellt, wird im Folgenden erläutert.

Zum Personenkreis, der bei Verkehrsunfällen die größten Schäden davonträgt, gehören:

Kinder gehören im Straßenverkehr zur besonders gefährdeten Personengruppe (Foto: Joanna Puzik)
  • Kinder: Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 131 Unfälle registriert, an denen 139 (2020=140) Kinder aktiv, wie passiv als Beifahrer beteiligt und verletzt worden sind.

Insgesamt sind 88 Kinder als aktive Verkehrsteilnehmer verunglückt, davon waren

  • 73 mit dem Fahrrad unterwegs
  • eines mit dem Pedelec
  • 11 Fußgänger
  • und drei andere Verkehrsteilnehmer mit Sport- und Spielgeräten

44 Kinder waren passiv am Unfallgeschehen, z.B. als Mitfahrende beteiligt und verletzt worden, das sind 6 Kinder mehr als im Vorjahr.

Kinder sind 2021 keine ums Leben gekommen, jedoch gab es 12 schwer verletzte Fälle und 119 leicht verletzte Kinder, das sind mit 131 insgesamt 3,15 % mehr als 2020 (127), im Vergleich mit den letzten Jahren ist jedoch ein Abwärtstrend (17,09 % im Zehnjahresvergleich) bemerkbar, was laut Jörg Siepert, dem Direktionsleiter Verkehr auf die Präventionsmaßnahmen, wie die Straßenbegehungen und Fahrradübungen in Grundschulen und Kitas zurückzuführen seien. 

Zudem wurde von der Polizei Steinfurt eine Initiative ins Leben gerufen, die sich um Kinder nach einem Verkehrsunfall kümmert, um ihnen die nötige Selbstsicherheit im Straßenverkehr wiederzugeben (Teil der Opferschutzmaßnahmen – AD berichtete). Die geschulten Polizisten geben den Kindern auch Tipps, wie sie gefährliche Situationen im Straßenverkehr zukünftig vermeiden können.

  • Junge Erwachsene

2021 waren insgesamt 625 junge Erwachsene im Alter von 18 – 24 Jahren an Verkehrsunfällen beteiligt. Davon sind 284 verunglückt. Im Vorjahresvergleich waren es 31 Personen weniger (2020= 315/ -9,84%). Damit liegt der Kreis unter dem Tiefstand im 10 Jahres-Vergleich aus dem Jahr 2014. 

Der rückläufige Trend zeige, dass die präventiven Maßnahmen greifen. Durch begleitetes Fahren und Crash- Kursveranstaltungen werden junge Fahrer und Fahrerinnen auf Gefahren und die möglichen Unfallfolgen hin sensibilisiert. Unter anderem wird hier eng mit Seelsorgern und auch Unfallbeteiligten, die von ihren Erfahrungen berichten gearbeitet. Das zeige Wirkung, so Siepert. Unter den Verunglückten waren 2021 28 junge PKW-Fahrer schwer- (-24%,32%) und 112 (-4,27%) leicht verletzt. Gegenüber 2020 ist der Anteil leicht zurückgegangen. Da die Altersgruppe jedoch nur etwa 8% der Gesamtbevölkerung im Kreis ausmacht, sei der Wert mit 16,21 % weiterhin überdurchschnittlich hoch, folgert der Direktionsleiter Verkehr.

  • Senioren

In 2021 waren 642 Senioren (65 Jahre und älter) im Kreis Steinfurt an 273 meldepflichtigen Verkehrsunfällen aktiv beteiligt. Insgesamt waren dies 67 (-9,44%) Personen und 33 Unfälle weniger (-10,78%) als im Vorjahr (306).

Es gab 80 (103) schwer Verletzte in 2021, sowie 11 tödlich verunglückte, bzw. im Folgendem verstorbene Senioren. Da Senioren 15,586% der Verunglückten ausmachen, zählen sie zu einer Schwerpunkt- bzw. Risikogruppe. Ihre Altersgruppe macht einen Bevölkerungsanteil von 20,39% aus.

Von den 11 tödlich verunglückten Senioren waren:

  • 5 PKW-Fahrer/Fahrerinnen
  • 1 Pedelec Fahrer
  • 2 Fußgänger
  • 3 Krankenfahrtfahrer

Die TOP-Unfallgründe

  1. Nichtbeachten der Vorfahrtsregeln
  2. Fehler beim Abbiegen & Wenden
  3. Alkohol beim Fahrzeugfahrer

Handlungsbedarf: Jeder vierte Unfall ist ein Wildunfall

Aus der vorliegenden Statistik geht hervor, dass auch die Unfälle mit Wild angestiegen sind. Von 1.237 (+13,17%) Unfällen der Kategorie 5 „Sonstiger Sachschadensunfall“ gehen 521 auf Wildunfälle zurück, berichtet Jörg Siepert als Sprecher der Direktion Verkehr. Das seien nahezu die Hälfte der Unfälle (42,12%). Mit Blick auf das Gesamtaufkommen von 12.346 Unfällen im Kreis Steinfurt beträgt der Wert 23,98 % bei 2960 Verkehrsunfällen mit Wildbeteiligung. Das heißt: „Jeder vierte Unfall im Kreis Steinfurt ist ein Wildunfall“, folgert Siepert.

Wildunfälle häufen sich gefühlt, so der Landrat Dr. Sommer. (Foto: pixabay)

Deshalb suche man auch in Zusammenarbeit mit dem Land Nordrhein-Westfalen nach Lösungen. Wildunfälle standen schon letztes Jahr auf der Agenda, das Thema ist nicht neu, werde aber fortgesetzt, so Dr. Sommer. Die Fallzahlen machen ein Handeln erforderlich, rein polizeilich sei das Problem nicht zu lösen, „daher bringen wir unterschiedliche Akteure an einen Tisch, um ein und dasselbe Problem von verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten“, erläutert der Verkehrs-Direktionsleiter Siepert den speziell gegründeten Arbeitskreis „Wildunfallprävention“.

Mitwirkend in dem Netzwerk sind unter anderen die Kreisbehörde mit dem Landrat als Schirmherr, der Jägerbeirat, die Kreispolizeibehörde, die Kreisjägerschaft und weitere. Da Wildunfälle ein latentes Problem seien werden auch im folgenden Jahr Gelder für den Arbeitskreis zur Verfügung gestellt.

Die Form der Netzwerkarbeit und das herausgearbeitete Konzept werden mittlerweile von allen Kreisbehörden übernommen, berichtet Jörg Siepert (links) zufriedenstellend und sagt: „Wir haben damit eine Benchmark [einen Maßstab] gesetzt und hoffen, dass weiterhin positive Entwicklungen stattfinden.“ (rechts: Landrat Dr. Sommer); (Foto: Joanna Puzik)
Auch das Klima nehme seinen Anteil an den Wildunfällen. Das durch die Erderwärmung verursachte Waldsterben gibt Grünflächen frei und begünstige so, dass Gestrüpp und Sträucher wachsen, die vor allem für Rehe und Kleintiere zum Nisten genutzt werden und die Wildpopulation steigen lassen. Gefühlt sehe man derzeit überall tote Wildtiere, sagt der Landrat ergänzend. Deshalb arbeite man Ideen aus, wie man nicht nur die Tiere von der Straße fernhält (z.B. mit Reflektoren), sondern auch die Autofahrer auf die erhöhte Gefahr aufmerksam machen könne. Beispielsweis mit saisonalen Klappschildern, Kampagnen, Schutzzäunen, sowie Fortbildungen für die Jägerschaft.

Fazit zur Verkehrsunfallentwicklung 2021

Abschließend ist zur örtlichen Unfallentwicklung zu sagen, dass das Risiko bei einem Verkehrsunfall getötet oder verletzt zu werden im Kreis Steinfurt 2021 eine Verunglücktenhäufigkeitszahl (VHZ) von 390,9 pro 100.00 Einwohner auf das Jahr betrachtet ergibt. Das ist im Vergleich zu 2020 ein positiver Rückgang. 2020 lag die VHZ bei 404.

Der Landrat Dr. Sommer (rechts; links: Jörg Siepert, Direktionsleiter Verkehr) wagt einen Ausblick auf 2022 und sagt abschließend: „Im Blick auf 2022 wünsche ich mir auf Grund der präventiven und regressiven Maßnahmen einen positiven Rückgang.“

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