Es ist unglaublich – noch am Morgen kursieren in den Nachrichtendiensten des Fan-Clubs Hinweise, „bei einem Debakel nicht vorzeitig die Halle verlassen“ – auch bei einer Niederlage wolle man der Mannschaft Respekt zollen und sie feiern. – Doch dann kam alles anders – an „Halle verlassen“ – hat niemand mehr gedacht als es fünf Minuten vor Schluss 36:29 für Emsdetten stand. Sieben Tore vorne, damit hatte absolut niemand selbst in kühnsten Träumen auch nur annähernd rechnen können.
Der Favorit aus der 1. Handball-Bundesliga, ThSV Eisenach, wurde mit 36:33 (16:15) aus der Halle gefegt.
Oliver Krechel hat sich einmal mehr zum Helden gekrönt, pariert drei Siebenmeter!!! – Weltklasse – macht insgesamt elf Paraden – Paul Dreyer kommt für die Schlussminuten ins Spiel – macht auch noch drei akrobatische Paraden, auch er kann einen Siebenmeter zunächst abwehren, muss dann aber, wie zuletzt zweimal in Hagen, den Nachwurf wieder aus dem Netz fischen. – Parallelen zum Hagen-Spiel auch bei Robin Jansen – bereits wenige Sekunden nach seiner Einwechslung sieht er wieder den roten Karton, darf duschen gehen, ohne, dass er so richtig ins Schwitzen geraten ist. Später gesteht er ein, dass die Karte auch aus seiner Sicht berechtigt war.

Tobeler war mit acht Toren erfolgreichster Werfer auf Emsdettener Seite, Budelmann konnte fünf Bälle versenken, war insgesamt der quirlige Unruhefaktor, der immer wieder einen Weg durch die Eisenacher Deckung fand. Kluwe mit fünf Treffern. Meuser kam erst spät ins Spiel, 39. Minute, doch was der anpackte, wurde zu Gold, setzte vier Bälle unhaltbar ins Netz. Träger und Terhaer mit jeweils zwei Treffern, Damböck dreimal erfolgreich und Gorpishin und Timm stehen jeweils mit einem Zähler in der Torschützenliste. Beekmann und Dörtelmann bekamen ihre Zeit auf dem Spielfeld und halfen in wichtigen Momenten, waren Teil einer geschlossenen, erfolgreichen Mannschaftsleistung.

Entscheidend für den Sieg dürfte die Disziplin in der Mannschaft gewesen sein, die erkennbare Ruhe, keine überhasteten Aktionen. Ganz anders Eisenach. Zu Beginn der zweiten Halbzeit konnten sie das Blatt nochmal kurz wenden, witterten ihre Chance. In diesem Moment haben wohl auch die 1.699 Zuschauer in der EMS-Halle gedacht, dass der TVE jetzt von der Eisenacher Lok überrollt wird. Aber es kam anders. Das 18:19 in der 36. Minute war die letztmalige Führung der Gäste aus Thüringen. Dann locht Budelmann zum Ausgleich ein, Damböck bringt die Hausherren in Führung und wieder Budelmann baut die Führung auf 21:19 aus. Meuser zum 22:19, Krechel hält den dritten Siebenmeter und Tobeler bringt Emsdetten erstmals mit vier Toren in Führung. Jetzt kommt es Schlag auf Schlag, innerhalb weniger Sekunden: Eisenach verkürzt auf 23:20 und Emsdetten geht über 24:20 auf 25:20. Die Fans lassen das Hallendach wackeln. Eisenach hat sich von dem fünf-Tore-Lauf der Emsdettener kurz zuvor nie wieder so richtig erholt. Bereits 15 Minuten vor Schluss nimmt der Eisenacher Trainer seine letzte Auszeit. Eisenach geht in die offene Manndeckung über. Die stellt Emsdetten zunächst vor Probleme, doch Lingener reagiert, nimmt den Torwart raus und bringt einen siebten Feldspieler – damit ist auf Emsdettener Seite immer ein Akteur frei anspielbar und wird somit zur Gefahr für den Gastverein.
In der 47. Minute bringt Meuser seinen Club erstmals mit sieben Toren in Führung, es steht 29:22. Nach einigen Zwischenstopps ist es wieder Andre Meuser, der beim 31:24 die sieben-Tore-Führung wiederherstellt. Später ist es dann zweimal Marius Kluwe, der mit dem 35:28 und 36:29 die sieben-Tore-Distanz aufrecht hält. Dann sind irgendwann nur noch drei Minuten zu spielen, zwei Minuten, eine Minute 30 Sekunden, Lingener nimmt eine Auszeit, fordert zur Gelassenheit auf, hier kann jetzt nichts mehr anbrennen. Und richtig, der Schlusspfiff ertönt beim Spielstand von 36:33, ist im Jubel der Halle und der Spieler im grünen Trikot kaum zu hören – Enttäuschung bei den Gästen, die hatten sich hier mehr ausgerechnet. Die rund vierstündige Rückfahrt ins Thüringische Eisenach wird wohl sehr schweigsam werden.
Am Samstag darf der TVE gespannt sein, welcher Gegner ihm für das Achtelfinale zugelost wird. Ein namhafter Verein aus der ersten Liga wäre sicherlich ein gern gesehener Gast in der EMS-Halle. Am Sonntag wird dann schon wieder in der Liga gespielt. Der 5. Spieltag steht an. Der VfL Lübeck-Schwartau möchte seine Visitenkarte in der EMS-Halle abgeben…. und vielleicht auch zwei Punkte….?!




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