Teenies haben keinen Bock auf Corona

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Bei Grundschülern können wir es noch unterbinden, dass sie sich zum Spielen treffen. Was aber ist den älteren Kids? Normalerweise beschäftigen sie sich nachmittags oft allein, treffen sich mit Freunden, gehen zum Fußball oder bummeln durch die Gegend. Ihnen beizupflichten, sie mögen bitte zu Hause bleiben, ist nicht selten ein Eigentor. (Foto: Joanna Puzik)

Wie bringe ich meinen heranwachsenden Kindern bei, dass es ernst ist?

Sonderferien klingen im ersten Moment klasse, keine Frage. Aber keiner hat von „Hausarrest“ gesprochen. Die Trennung von Freunden und Klassenkameraden ist für viele Jugendliche gar nicht so leicht. Da hängt schon mal der Haussegen schief oder sie ignorieren unsere Anweisungen komplett und treffen sich weiterhin, als wäre nichts gewesen. Dabei ist es gerade jetzt wichtig soziale Kontaktketten zu unterbrechen. Aber wie machen wir unseren Teens klar, dass Corona ernst ist?

Man kann unseren Heranwachsenden nicht verübeln, dass sie sich mit ihren Mädels, Kumpels, Buddies und Bro´s treffen wollen. Mit uns „Alten“ können sie ja nicht wirklich viel anfangen. Kinder und Jugendliche, selbst solche die schon recht erwachsen für ihr Alter wirken, haben ihre ganz eigenen Probleme. Da ist der Liebeskummer, der Lehrerstress, die Veränderungen am eigenen Körper und vieles mehr. Und jetzt sind auch noch alle Bolzplätze und sogar die Skateranlage gesperrt. Ihre Persönlichkeit entwickelt sich erst und da dreht sich nun mal alles um die eigene Achse. Wenn wir als Eltern da zusätzlich ankommen und ihnen eine Art „Hausarrest“ aufbrummen für etwas, dass sie noch nicht mal selbst verbrochen haben. Ja dann haben sie schlicht gesagt einfach keinen Bock drauf. – Also liebe Eltern nicht verzweifeln, sondern weiterversuchen. Mit strengen Verboten bewirken wir hier allerdings nur das Gegenteil. Wie ihr vorgehen könnt?

  • Sucht das Gespräch: Kündigt eurem Sohn oder der Tochter an, dass ihr gerne über die Situation mit ihnen sprechen möchtet. Vielleicht beim Abendessen, wenn alle beisammensitzen. Sprecht ruhig und erklärt, wieso es so wichtig ist soziale Kontakte zu reduzieren, denn auch wir könnten bereits das Virus in uns haben und übertragen es vielleicht unwissentlich. Hier dürft ihr ruhig konkret werden und euren Opa oder die liebe Tante, die soeben erst den Krebs bekämpft hat als „lebendiges Beispiel“ nennen.
  • Werdet konkret: Der Comedian Moritz Neumeier (selbst Vater) formuliert es in einem Facebookstatement ein wenig krass, aber anschaulich. Er appelliert an all die, die es immer noch auf die leichte Schulter nehmen und Witze reißen: „Wenn du es jetzt nicht geschissen bekommst, jetzt zu Hause zu bleiben, dann machst du dich mitschuldig an dem Tod von potenziell 100 Tausenden Menschen, allein in Deutschland. (…) Bleibt zu Hause, mach dich nicht mit schuldig. Das ist nicht so schwer zu kapieren.“
  • Bleibt fair: Autoritär oder beleidigend müssen wir aber nicht sein. Bietet euren Kids Kompromisse an. Vielleicht darf die Teenie Tochter das Festnetztelefon mit ins Zimmer nehmen, um mit ihren Freundinnen zu telefonieren oder bekommt 10 Euro Extra Guthaben für ihr Smartphone. Erlaubt ihnen Lan-Partys oder Videochats mit Freunden, auch wenn die Musik mal lauter wird. Das ist ein gutes Ventil, um mal den Frust über die ganze Situation abzulassen.
  • Nennt Beispiele: Stellt euren Kindern eine Liste mit YouTube Videos zusammen, in denen nicht etwa Politiker (mit denen können viele nicht viel anfangen), sondern wo Stars, wie Lena Meyer-Landrut erklären, wie man die Corona-Zeit besser nutzen kann: „(…) Andere beruhigen, Schwächeren und älteren helfen, puzzeln, Musik hören, Gedanken aufschreiben, Kleiderschrank ausmisten und Sachen spenden, meditieren, für einander da sein , keine Panik keinen Hass schüren  (…)“ (Posting bei Instagram).
  • Bietet Alternativen an: Fragt eure Jungs und Mädels, welches Projekt sie vielleicht in diesen Sonderferien anpacken möchten. Das ist laut der Dipl. Psychologin Sophie Appl derzeit die beste Strategie. Auf ihrer eigens wegen der Pandemie eingerichteten Website rät sie: „Du hast weniger Angst vor Corona, wenn du dich auf das Positive in deinem Leben konzentrierst und deine neu geschenkte Zeit für dich selbst optimal nutzt. Was wolltest du schon immer in deinem Leben tun? Was ist dir wirklich wichtig? Nimm dir zunächst ein sehr kleines und realistisches Projekt vor, dass du sofort umsetzen kannst und dass dir Spaß macht!“ (Beitrag am 19.03.20 auf coronaangsthilfe.de.)
    Auch traditionelle Brettspiele und Spieleabende mit den Eltern oder Geschwistern können ganz lustig werden, wenn sich eure Kinder einmal drauf einlassen.                                                                 (Foto: Joanna Puzik)

    Wollten eure jugendlichen Kinder vielleicht immer schon mal lernen, wie man näht, ein Baumhaus baut oder das Auto repariert? Solche gemeinsamen Projekte lassen nicht nur die Zeit verfliegen, sie tragen auch noch dazu bei, dass die Atmosphäre in der Familie nicht kippt. Denn wenn alle auf einander hocken kann es schon mal zu Konflikten kommen. Aber auch hier gilt: Tief Luft holen und durchhalten.

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