Schneechaos und Pandemie – Der Krisenstab des Kreises Steinfurt zeigt sich gewappnet

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Mehr als 3.000 Helferinnen und Helfer der Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks, der Bundeswehr und der verschiedenen Hilfsorganisationen aus ganz Deutschland haben in und um Ochtrup geholfen, die Folgen des Schneechaos zu bewältigen. (Foto: Kreis Steinfurt)

Leichter Schneefall in den Morgenstunden, der im Laufe des 25. Novembers 2005 immer stärker wird und im Schneechaos endet. An den Freitag vor dem ersten Advent und die Tage danach können sich die Menschen im Kreis Steinfurt gut erinnern: kein Strom – teils tagelang, kein Telefon, kein Weiterkommen auf Straßen und Autobahnen, kein Schulunterricht.

Bei Schneechaos und Pandemie Krisenstabsleiter: Dr. Martin Sommer (Foto: Kreis Steinfurt)

Der damalige Landrat ruft abends den Katastrophenalarm aus. Zu diesem Zeitpunkt ist der Krisenstab schon in vollem Umfang arbeitsfähig. „Das war die erste Bewährungsprobe für den Krisenstab“, erinnert sich der heutige Landrat Dr. Martin Sommer, der schon damals Leiter des Krisenstabs war, am Jahrestag des Schneechaos. „Es ging darum, die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen und eine funktionierende Notstromversorgung für die nächsten Tage aufzubauen.  Notstromaggregate, Kraftstoff, Decken, Essen und Getränke. Alle verfügbaren Kräfte der Feuerwehren und Hilfsorganisationen im Kreis Steinfurt waren im Einsatz.“ Aber die ehrenamtlichen Unterstützer im besonders hart getroffenen Ochtrup reichen nicht aus, denn auch auf der Autobahn 31 sind sie gefordert. An der Anschlussstelle Gronau/Ochtrup hängt eine Hochspannungsleitung quer über der Fahrbahn, nachdem Strommasten durch die Last des Schnees umgeknickt waren. Der Verkehr steckt fest – und zwar bis zum nächsten Morgen. Die Menschen in den Autos müssen ebenfalls versorgt werden. Mehr als 3.000 Helferinnen und Helfer der Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks, der Bundeswehr und der verschiedenen Hilfsorganisationen aus ganz Deutschland haben uns in und um Ochtrup unterstützt“, blickt Sommer auf die Tage des heftigen Wintereinbruchs zurück und ergänzt: „Dafür bin ich heute noch dankbar.“ Die Ochtruper Stadthalle wird zum Mittelpunkt. Hier können die Menschen schlafen, essen oder sich aufwärmen.

Der Mittelpunkt des Krisenstabes ist während des Schneechaos die Kreisleitstelle in Rheine. Von hier aus koordiniert er die Einsätze. „Dass wir damals schon so gut aufgestellt waren, lag vor allem an der guten Ausbildung des Krisenstabes. Aber auch die Netzwerke des Kreises mit den Hilfsorganisationen sowie der Menschen, Familien und Nachbarschaften untereinander waren hilfreich.“

Die Menschlichkeit untereinander und die Hilfe bei Einkäufen und Besorgungen haben auch heute in Corona-Zeiten einen wichtigen Stellenwert, betont Sommer und lobt die Disziplin der Menschen im Kreis: „Der große Teil der Bevölkerung hält sich an die Corona-Schutzmaßnahmen. Das spiegeln mir die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der 24 Städte und Gemeinden sowie die Polizei wider. Das ist sehr wichtig für die Arbeit des Krisenstabs. Nur mit der Unterstützung aus der Bevölkerung ist es möglich, dass wir die Pandemie weiter unter Kontrolle behalten. Es geht darum, Infektionen zu vermeiden und entstandene Infektionsketten möglichst frühzeitig zu unterbrechen, um das Gesundheitssystem nicht zu überfordern.“ Dass der Krisenstab bislang vieles richtig gemacht hat bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie, führt Martin Sommer auch auf die regelmäßigen Krisenstabsübungen der letzten Jahre zurück: „Wir hatten für Corona keine Blaupause und haben mit der Bewältigung der Pandemie absolutes Neuland betreten, aber die unterschiedlichen Szenarien, die wir in den letzten Jahren geübt haben, haben definitiv unseren Blick in Krisenlagen geweitet und sind Grund dafür, dass wir fast immer „vor der Lage geblieben sind.“

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