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Montag, Juli 20, 2026
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Scham als Schlüssel zum Verstehen – Impulse für Pädagogik und Alltag

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(Foto: kreisel e.V.)

Rund 100 Interessierte folgten am 9. Juli 2026 der Einladung des Kreisel e.V. in Stroetmanns Fabrik, um den Vortrag „Die harte Schule der Scham – Perspektiven auf eine tabuisierte Emotion“ von Almut Fuest-Bellendorf zu erleben. Die Diplom-Pädagogin und systemische Lehrtherapeutin näherte sich dabei einem Thema, das viele Menschen kennen – über das jedoch selten offen gesprochen wird. In ihrem Vortrag machte Fuest-Bellendorf deutlich, wie präsent Scham im Alltag ist: in Schule, Familie, Arbeitsleben und gesellschaftlichen Zusammenhängen. Sie zeigte auf, dass Scham nicht nur in offensichtlichen Momenten wie Rückzug oder Verunsicherung sichtbar wird, sondern sich häufig auch hinter Reaktionen wie Wut, Trotz oder Ablehnung verbirgt.

Konflikte, so eine zentrale These, seien nicht selten auch Ausdruck von Scham oder deren Abwehr. Dabei gelang es der Referentin, das inhaltlich anspruchsvolle und emotional herausfordernde Thema auf eine zugleich fachlich fundierte und zugängliche Weise zu vermitteln. Trotz der Schwere des Themas schuf sie immer wieder Raum für humorvolle Momente und ein gemeinsames Schmunzeln – ein Zugang, der es den Teilnehmenden erleichterte, sich auch persönlichen Bezügen anzunähern. Im Mittelpunkt standen grundlegende Fragen: Was ist Scham eigentlich? Worin unterscheidet sie sich von Beschämung? Und welche Funktion erfüllt sie für das menschliche Zusammenleben? Fuest-Bellendorf beschrieb Scham als eine Emotion, die eng mit den Grundbedürfnissen des Menschen verbunden ist – etwa nach Zugehörigkeit, Anerkennung und Würde. Wird eines dieser Bedürfnisse verletzt, kann Scham entstehen. Gleichzeitig betonte sie auch die oft übersehene „produktive“ Seite der Scham: Als soziales Regulativ könne sie helfen, Grenzen wahrzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und Beziehungen zu gestalten. Entscheidend sei daher nicht, Scham vermeiden zu wollen, sondern einen bewussten und reflektierten Umgang mit ihr zu entwickeln. Ein weiterer Fokus lag auf den unterschiedlichen Erscheinungsformen von Scham sowie auf sogenannten Schamabwehrmechanismen. Diese können sich beispielsweise in Angriff, Rückzug, Anpassung oder Schuldzuweisungen äußern – Verhaltensweisen, die insbesondere in pädagogischen Kontexten eine wichtige Rolle spielen.

Deutlich wurde im Verlauf des Abends auch, welche Dynamiken entstehen können, wenn Scham und Beschämung in Konflikten wirksam werden. Anhand anschaulicher Beispiele zeigte Fuest-Bellendorf, wie sich Beschämungserfahrungen fortsetzen und in sozialen Systemen weitergegeben werden können. Der Vortrag bildete zugleich den Auftakt für ein vertiefendes Seminar am Folgetag in den Räumen des Kreisel e.V., in dem Fachkräfte die Möglichkeit hatten, die Impulse weiter zu reflektieren und auf ihre berufliche Praxis zu übertragen. Für den Kreisel e.V., der in den Bereichen Offener Ganztag, Beratung und sozialpädagogische Begleitung tätig ist, stellt die Auseinandersetzung mit Scham ein zentrales Thema dar. Ein sensibler Umgang mit dieser oft verborgenen Emotion kann dazu beitragen, Konflikte besser zu verstehen und insbesondere Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu stärken. Weitere Informationen zur Arbeit des Kreisel e.V. finden Sie unter www.kreisel-emsdetten.de.

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