Rettung aus der Luft: Hegering zeigt die Arbeit der „Kitzretter“ im Film

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(Foto: pixabay)

Wenn im Frühjahr die Grasschnitt-Saison beginnt, beginnt für die Jägerschaft in Emsdetten die Zeit der kurzen Nächte. Ein neuer Kurzfilm des Hegeringes gibt nun emotionale Einblicke in eine Arbeit, die meist im Verborgenen stattfindet – und zeigt, wie moderne Technik Leben rettet.

Es sind Szenen, die berühren: Ein winziges Rehkitz drückt sich tief ins hohe Gras. Was in der Natur ein perfekter Schutz vor Feinden ist, wird zur tödlichen Falle, wenn die großen Mähwerke der Landwirte anrücken. „Die Natur hat nicht mit den scharfen Messern der Erntemaschinen gerechnet“, heißt es in der neuen Dokumentation des Hegeringes Emsdetten.

Über 1000 Stunden für den Tierschutz

Alleine im Frühjahr 2025 retteten die Emsdettener Jägerinnen und Jäger vor Sonnenaufgang über 300 Wildtiere. Hinter dieser Zahl stehen mehr als 1000 Stunden ehrenamtliche Arbeit. Oft klingelt der Wecker bereits um drei Uhr morgens, denn die eingesetzten Wärmebilddrohnen funktionieren nur, solange der Boden noch kalt ist. Sobald die ersten Sonnenstrahlen das Gras erwärmen, lassen sich die Tiere über die Wärmesignatur kaum noch finden.

Der Film von Michel Lohmann, selbst Mitglied im Hegering und Profi-Filmer, zeigt diesen logistischen Kraftakt. Er begleitete Akteure wie Boris Feldmann, der als Landwirt und Jäger die Doppelrolle kennt. Feldmann weiß um die Gefahren: „Wenn tote Tiere ins Futter gelangen, können Krankheiten wie Botulismus den gesamten Viehbestand gefährden.“ Die Rettungsaktion ist somit gelebter Tierschutz und wirtschaftliche Vorsorge zugleich.

Vom Gummistiefel in den Business-Anzug Besonders eindrucksvoll schildert der Film den Übergang zwischen Ehrenamt und Alltag. Jäger Philipp Bücker koordiniert die Einsätze, bevor es für das Team nach einer heißen Dusche direkt in den „normalen“ Job geht – oft in Hemd und Krawatte. Auch die junge Jägerin Jula berichtet von den Herausforderungen: Die Kitze dürfen nur mit Handschuhen und viel Gras angefasst werden, damit die Muttertiere sie später wieder annehmen.

Appell an die Öffentlichkeit Neben den Erfolgen – im Film wird sogar ein Gelege mit neun Enteneiern vor den Mähwerken gerettet – enthält die Dokumentation eine wichtige Bitte an Spaziergänger: Wer ein Kitz im Gras findet, sollte Ruhe bewahren und es auf keinen Fall anfassen. Meist ist die Ricke (das Muttertier) in der Nähe und wartet nur darauf, dass die Luft wieder rein ist.

„Der Film ist nicht für uns Jäger gedacht, sondern für die breite Öffentlichkeit“, betont Michel Lohmann. Man wolle zeigen, dass Jagd heute viel mehr ist als das Erlegen von Wild – es ist aktiver Artenschutz und eine enge Partnerschaft mit der heimischen Landwirtschaft.


Der rund sechsminütige Film „Wildtierrettung Emsdetten | Hegering Doku“ ist ab sofort auf dem YouTube-Kanal und auf der Homepage des Hegering zu finden.

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