„Operation Bambi“ Kitz-Rettung am frühen Morgen

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(Foto: Schwegmann)

Es ist noch früh, noch vor fünf Uhr, als auch AllesDetten am Hof Meinert in Austum eintrifft. „Eigentlich beginnen diese Einsätze bereits um drei Uhr!“ Ingo Breulmann und Philipp Bücker sind bereits vor Ort. Auch Bürgermeister Oliver Kellner ist heute bei der „Operation Bambi“ dabei. So nach und nach finden sich weitere Helfer, sogenannte Läufer, ein. Was aber ist „Operation Bambi“?

(Foto: Schwegmann)

Am Vortag haben sich Landwirte, die heute ihre Wiesen in Ahlintel, Austum und Sinningen mähen möchten, beim Hegering gemeldet. Bevor hier jedoch schweres Gerät mit Mähwerk auffahren kann, muss das Gelände untersucht werden. Es muss sichergestellt sein, dass sich in dem hohen Gras keine Tiere befinden, die der großen Maschine zum Opfer fallen könnten. Hasen, Rehe, Vögel… Das heißt jetzt für Philipp Bücker, den Drohnenbeauftragten des Hegerings, dass er sich ganz spontan für den nächsten Morgen einen Trupp zusammenstellen muss, Freiwillige, die bereit sind, ehrenamtlich weit vor Beginn ihres eigenen Arbeitstages im Dienste der Tierrettung tätig zu werden.

(Foto: Schwegmann)

In Ahlintel und Austum werden die Einsätze zeitgleich gefahren, der Hegering besitzt mittlerweile zwei Drohnen. Sinningen wird im Anschluss „beflogen“.

Systematisch wird das Gelände abgeflogen, das Areal vorher einprogrammiert, die Drohne ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet, scannt das Gelände sukzessive ab. Wichtig, dass die Aktion beendet ist, bevor die Sonne aufgeht und die Wiesen erwärmt, dann nämlich erkennt die Kamera keinen Unterschied mehr. Die „Läufer“ schwärmen aus in die Wiese, bilden eine Linie. Ihnen voran fliegt die Drohne den einprogrammierten Bereich ab. An der Basis können auf einem Display die Aufnahmen verfolgt werden. Erst wenn etwas gesichtet wird, wird die Drohne manuell weiter geführt. Die normale Flughöhe beträgt 40 Meter. Sobald ein Wärmepunkt entdeckt wird, geht man runter. Über Funk werden die Läufer an die Stelle geführt, wo sich möglicherweise ein Kitz befinden könnte.

(Foto: Schwegmann)

Die Läufer sind mit Kescher, Körben und Stangen ausgestattet. – Und, ganz wichtig!, Handschuhe. Wenn die jungen Tiere mit der bloßen Hand angefasst werden, würden sie vom Muttertier abgestoßen werden. Sobald also ein Kitz gefunden wird, reißen die Helfer Grasbüschel aus, mit dem sie den Fund dann anfassen dürfen.

(Foto: Schwegmann)

Aus Ahlintel kommt zwischendurch die Meldung: Ein Kitz und fünf Junghasen! In Austum hat man zu dem Zeitpunkt zwei Junghasen. Die werden aufgenommen und mit einem Korb an den Feldrand gebracht, wo sie festgesetzt werden, bis die Mahd erledigt ist. Danach werden sie wieder freigelassen und das Muttertier wird sie finden und wieder aufnehmen.

(Foto: Schwegmann)

Um 07:32 Uhr ist es dann auch in Austum soweit. Nachdem bis dahin unzählige Hasen abgesprungen sind, Fasanenhennen aufgeschreckt wurden, Mäuse und auch Nutrias durch’s Bild huschten, entdeckt die Drohne das erste Rehkitz im hohen, nassen Gras. Das kleine, zarte, hilflose Etwas liegt gut versteckt im Gras, bewegt sich nicht, um bloß keine Aufmerksamkeit zu erregen. Ohne Drohne wäre das noch junge Wesen sicher nicht entdeckt worden, dem Mähwerk zum Opfer gefallen.

(Foto: Schwegmann)

Vorsichtig kommt es in den Korb. Nur wenige Meter weiter findet sich ein weiteres Kitz. „Das sind Zwillinge!“ – und dann wird uns erklärt, dass Mehrfachgeburten tatsächlich in jüngster Vergangenheit häufiger vorkommen. „Das hängt damit zusammen, dass die Tiere hier ausreichend Nahrung finden.“ Das Zwillingspärchen wurde gerade am Feldrand in einem Korb in Sicherheit gebracht, da markiert die Drohne den Weg zu Kitz Nr. 3.

(Foto: Schwegmann)

Sobald die Mäharbeiten vorbei sind, werden die drei Winzlinge frei gelassen, das Muttertier, die Ricke, die das ganze Geschehen mit einigem Sicherheitsabstand beobachtet haben dürfte, wird sie finden und wieder an sich nehmen. Man wird ein neues Versteck finden.

In Sinningen konnten zwar einige Wärmepunkte ausgemacht werden, die waren jedoch in der Böschung, welche von den Mäharbeiten nicht betroffen ist, also außerhalb des „Gefahrenbereiches“. Die Tiere bleiben unberührt.

„Im vergangenen Jahr haben wir auf diese Weise in Emsdetten 300 Wildtiere vor dem qualvollen Tod durch das Mähwerk retten können.“ 85 Kitze, Junghasen, Gelege von Brachvögeln, Enten und Fasanen. In den Fällen werden die Eier entnommen, ausgebrütet und später die Vögel wieder freigelassen.

Der Hegering gibt  H I E R  mit einem kurzen Film Einblick in die Kitz-Rettung.

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