Niedrige Grundwasserstände: Kreis sucht mit Betroffenen aus Land- und Forstwirtschaft nach Lösungen

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Nach zwei Dürreperioden in den Sommern 2018 und 2019, bereitet sich der Kreis Steinfurt auf eine mögliche weitere vor. Die niederschlagsarmen Sommer haben zu niedrigen Grundwasserständen und ausgetrockneten Fließgewässern geführt. Seit Jahresbeginn stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde in engem Kontakt mit Vertretern der Land- und Forstwirtschaft, die durch ausbleibende Niederschläge besonders betroffen sind. Gemeinsam suchen sie nach Lösungen.

Den Weltwassertag am 22. März mit dem diesjährigen Thema „Wasser und Klimawandel“, den die UN 1993 erstmals ausgerufen hat, nimmt Heiner Bücker, Leiter des Umwelt- und Planungsamtes, zum Anlass, um über den aktuellen Stand der Dinge im Kreis Steinfurt zu berichten: „Der Fokus unserer Lösungsansätze liegt auf der Ressource Wasser. Da nicht absehbar ist, wie sich das Grundwasser in den kommenden Jahren entwickeln wird, muss es unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Folgen für alle Akteure bestmöglich geschützt werden.“ Das bedeute für die Landwirtschaft, die in Dürrephasen für die Nahrungsmittelproduktion auf Grundwasser angewiesen ist, den Wasserverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren. Auch Wasserspeicherung in niederschlagsreichen Monaten solle durch die Landwirtschaft vermehrt umgesetzt werden, erklärt Bücker die gemeinsamen Überlegungen: „Jeder hier aufgefangene Liter an Niederschlagswasser führt zur Schonung des Grundwassers. Solche Maßnahmen können auch im kleinen Maßstab bei privaten Haushalten zur Gartenbewässerung umgesetzt werden.“ Mit Blick auf die Grundwasserbeobachtungen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) wird die Notwendigkeit solcher Schritte einmal mehr deutlich. Daraus geht hervor, dass im September 2019 insgesamt 37 Prozent der landesweiten Messstellen die tiefsten jemals im September gemessenen Grundwasserstände zeigten. Nicht einmal die Niederschläge der vergangenen Monate konnten diesen Trend umkehren, berichtet das LANUV. Ein quantitatives Defizit sei immer noch in den Grundwasserkörpern vorhanden.

Das Problem wird aber auch über die Grenzen des Kreises hinaus diskutiert. Im vergangenen Herbst haben sich Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen, der Wasserversorger, Fachleute des LANUV, der EnergieAgentur.NRW und der Bezirksregierung Münster getroffen, um über Chancen und Grenzen der Trinkwassernutzung in Dürrephasen zu sprechen. Auch gab es auf Einladung des Kreises Borken in Kooperation mit der grenzüberschreitenden Plattform für regionale Wasserwirtschaft (GPRW) einen deutsch-niederländischen Austausch. Zusammen mit Partnern aus dem Münsterland, Niedersachsen und den Niederlanden wurden länderübergreifende Ansätze erörtert, wie Hochwasser- und Trockenheitslagen gemeinschaftlich bewältigt werden können.

Dauerhaft ausbleibende Niederschläge mit ihren negativen Auswirkungen auf Land- und Forstwirtschaft, Natur und Artenvielfalt wie niedrige Wasserstände, rasante Vermehrung von Schädlingen (Borkenkäfer und Eichenprozessionsspinner) sowie Gefahren von Wald- und Flächenbränden sind eine Seite des Klimawandels, eine andere sind Starkregenereignisse. Auch auf diese Fälle bereitet sich der Kreis Steinfurt vor, erklärt Heiner Bücker: „Starkregen und langanhaltende Regenphasen können zu Hochwasser und Überflutungen führen. Gemeinsam mit den 24 Städten und Gemeinden erarbeiten wir Hochwasserschutzkonzepte. Das sind sowohl technische Maßnahmen als auch Renaturierungen im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtlinie. So werden Fließgewässer beispielsweise in ihren ursprünglichen Verlauf zurückversetzt. Das wirkt nicht nur dem Hochwasser entgegen, sondern bringt hochwertige Lebensräume für heimische Tier- und Pflanzenarten.“

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