Mixed-Comedy-Show diesmal outdoor

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(Fotos: Joanna Puzik)

„Mutter, wo ich bin? Bin hier im Park, mit Baustelle drum herum – echt schön….Wo? In Emsdetten, EMS DETTEN… ach Mama das ist irgendwo im Norden!“, brüllt eine unscheinbar wirkende Frau mittleren Alters in weißer Bluse und beigem Rock in ihr Telefon. Wer
das ist? Keine geringere als die mit derben und frechen Sprüchen um sich werfende und dennoch charmante Schauspielerin und Kabarettistin Hildegart Scholten.

Hildegart Scholten – Eine Frau mit Power, spitzer Zunge und Stretchrock

Wer sie mal googelt, der stellt fest, dass diese Powerfrau echt häufig im TV, Kino und in großen Comedy-Shows zu sehen war. Ursprünglich stammt Maria Luise Winkendick, wie sie mit wahrem Namen heißt aus Haltern am See, doch auf der Bühne mimt sie eine wahre kölsche Maid. Herrlich frech und direkt, aber immer mit einer Prise Herz. Vor allem für den einen Herren in der ersten Reihe: Der Thomas „Ach wenn der bloß nicht so spitz wäre“… flirtete sie durchgehend mit ihrem Lieblingszuschauer.

Als würde sie die Zuschauer gar nicht bemerken, telefoniert sie mit ihrer Mutter und zieht mit immer lauterer werdender Stimme und den zotigen Sprüchen die Aufmerksamkeit der Leute auf sich.

Für ihr Publikum hier im Park von Deitmars Hof hat sie sich extra in einen schicken „Stretchrock“ gezwängt, weil man damit eine gute Figur mache, wie sie ihrer Mutter ins Telefon brüllt. Dabei hätte sie auch in einem zitronengelben Frotteeschlafanzug einen grandiosen Auftritt hingelegt. Die Bilder, ihrer lebhaft erzählten und akustisch untermalten Geschichten brennen sich in die Hirnrinde des Publikums. Ja selbst ein lautes Hühner Gegacker und der ein oder andere aggressive Ausraster brachte die Stimmung zum Kochen.

Oliver Thom – Der Vater der Mixed Comedy-Show in Emsdetten

Oliver Thom prüfte vor der Show, ob auch die Technik stimmt. Verwundert und amüsiert, mit einem Mikro in Aklfolie habe er noch nie moderiert.

Und genau das hatte Oliver Thom, der Moderator und Organisator der „Mixed Comedy-Show“ beabsichtigt, als er das Comedy-Team für diesen Abend engagierte. Als Joschy Wolters von Stroetmanns Fabrik ihn drauf ansprach, ob er Lust habe eine Show für das Aktionswochenende „Ab nach Draußen“ zusammenzustellen, da war der Steinfurter direkt dabei. Neben Hildegart Scholten, der Frau mit mega Power, wie er sagt holte er an diesem Abend im Park außerdem den Jungspunt Jan Preuß und Urgestein Achim Leufker auf die Bühne der Konzertmuschel.

Achim Leufker – Der Mann, der das Älterwerden in den Boden slammt

Als würde er aus seinem Tagebuch lesen, rezitiert er poesiehafte Zeilen mit so viel Wortgewandtheit und ohne Atempause, dass einem schon beim Zuhören die Spucke wegblieb.

Urgestein ist hier keineswegs negativ gemeint, denn der aus Mesum stammende Comedy Star nahm sich und sein Alter an diesem Abend mehr als einmal auf die Schippe, schließlich sei er jetzt in einem Alter zwischen gepflegt aussehen und gepflegt werden.
Während er früher vor dem Fitnessstudio noch joggen ging, so macht er heute noch ein Nickerchen, bevor er ins Bett geht. Ja und was sich früher anhörte wie ein Orgasmus, das könnte heute ein Bandscheibenvorfall sein.

Das Thema trifft genau den Nerv der anwesenden Zuschauer, die sich zur Auftaktveranstaltung im Park des Hof Deitmar zusammengefunden haben. Vor der Bühne wurden sieben Reihen weißer Gartenstühle aufgebaut, 96 an der Zahl. Akkurat, jeder mit einem Anwesenheitszettel versehen, damit die Corona-Auflagen eingehalten werden können und eine Nachvollziehbarkeit, der Gäste möglich ist. Damit nicht erneut ein Logdown und die Schließung von Schulen und Kindergärten folgt. Womit wir beim dritten Comediangast des Abends angekommen sind.

Jan Preuß – Ein Erzieher mit (SC)Herz

Der sechsundzwanzigjährige Single aus Köln (in Selbstangabe) lockt regelmäßig zahlreiche Zuschauer in die Hörsäle und moderiert mehrere Comedyformate, ursprünglich sei er aber gelernter Erzieher. „Ohne Sch…, ja wirklich“, wie er sagt. Und genau so lässig, wie er daherkommt, mit zerrissenen Jeans und der Hand in der Hosentasche, gibt er auch seine Erziehungstipps zum Besten. Wobei er selbst dem Credo treu bleibt, dass Erzieher IMMER gute Laune haben müssen… und Fingerspitzengefühl, starke Nerven und viel viel Hoffnung in die Zukunft der Kinder. Schließlich können man Eltern heutzutage nicht einfach sagen, ihr Kind sei dumm. Wer „nämlich“ mit H schreibt ist dämlich, hieß es früher. Heute müsse man stolz sein, dass das Kind es geschafft hat ein Wort mit sieben Buchstaben zu schreiben und sogar die Stifthaltung beherrscht. Man muss dem Ganzen mit Humor begegnen.

Sein Tipp an Kevins Eltern: „Geben sie ihn weg und
fangen sie neu an!“ Klar darf man das so nicht sagen,
aber dem ein oder anderen Kind täte ein Jahr Kindergarten ganz gut. Natürlich nur um ihr volles Potenzial
entfalten zu können. Also Eltern aufgepasst, hier
könnte was dran sein.

Und genau diesen bewies er gestern Abend mehrfach, unter anderem als er bei seiner zweiten Runde sämtliche Kinderserien durch den Kakao zog – z.B. Feuerwehrmann Sam, der sich pädagogisch erstmal bei allen vorstellt und seelenruhig erklärt, warum man nicht mit Feuer spielen darf, während drüben die Hütte wegfackelt. Oder Bibi Bloxberg. Wer die Osterfolge kennt, der krümmt sich auch auf dem Boden und kann nicht mehr, als es heißt: „Schnief, schnief, oh man das klappt einfach nicht…blasen Bibi nicht pusten…also ich finde die Eierpampe steht dir gut.“ WAS? Oh Mann also zum Glück hören unsere Kinder auch nur wirklich das, was sie hören sollen.

Fazit: Ein cooler Abend mit Wiederholungspotenzial

Vor der Show versammelte sich das Comedy-Team am
Rande der Bühne und erwartete mit Spannung, was der
Abend bringen werde. Eine lustige Truppe ohne Starallüren, mit ganz viel Bock auf die Show.

Auch wenn Oliver Thom mit gemischten Gefühlen in den Abend ging, wie er gestand. Ob denn eine Open-Air Lokation für die Comedy Show das Richtige sei, so war er am Ende froh, denn von der Stimmung ging nichts verloren. Selbst als bei Einbruch der Dunkelheit die über den Park fliegenden Dohlen versucht haben die Comedians akustisch durch ihr Krähen zu übertönen. Ein Glück kam da nichts von denen runter, sagte Thom.
Und falls es geregnet hätte, so war das Team der Stroetmannsfabrik auf alle Eventualitäten vorbereitet und hatte im Vorfeld schon mal den Bürgersaal herrichten lassen. Aber zum Glück blieb es trocken, zumindest das Wetter, denn die Tränen flossen vor Lachen dennoch. Ob es nun an der kneipenähnlichen Bewirtung des Caterings lag oder an den krassen Sprüchen der Kabarettisten sei dahingestellt. Jedenfalls mussten einige die Show mittendrin verlassen, um das sog. „Bierentsorgungshäuschen“ aufzusuchen. Die Schlange davor war jedoch das Einzige, was wahrlich nicht zum Lachen war. Denn die Show ging ohne Pause weiter, um die Gäste nicht zu spät nach Hause zu schicken.
Mit je zwei Runden pro Comedian bot sich somit ein gemischtes Programm, bei dem für jeden was dabei war. Sei es die Geschichte von der angeblichen Ex-Freundin, die genau das Level an Frau war, die Jan Preuß bedienen konnte oder die erfahrene Ehefrau von Achim Leufker, die mehr Schminktiegel in ihrem Badezimmer hat, als Rossmann und DM zusammen. Eines haben alle Comedians gemeinsam, sie kommen so unscheinbar daher, wie Hildegart Scholtens beiger Rock, aber haben es alle Faust dick hinter den Ohren.

Am Ende des Abends traten alle noch einmal gemeinsam auf die Pavillonbühne – mit einem dollen Applaus vom Publikum.

Um 22:15 war dann Schluss und bereits alles zappenduster. Jeder Comedian wurde zum Schluss auf die Bühne gerufen und unter
lautem Applaus verabschiedet. Ein Dank ging auch an die Presse, im Besonderen auch an die AllesDetten. Denn wir sind immer vor
Ort, wenn es um erlebnisreiche Eventreportagen und Geschichten aus Emsdetten für euch geht. Auch wenn meine Wenigkeit selbst
aus Borghorst kommt. Emsdetten rockt. Denn neben einer belebten Innenstadt, die durch Aktionen, wie das kommende „Heimatshoppen“ unterstützt wird, geht es auch trotz Corona auch auf kulutreller Ebene wieder aufwärts. Der Pavillion im Park an der Stroetmannsfabrik wir an diesem Wochenende nicht nur zur Commedy-Bühne, sondern wir an diesem „Ab nach Draußen“- Wochenende
auch für ein Weltmusikkonzert mit syrischem Fingerfood und sonntags für ein Kindertheater zur Verfügung stehen.
Zum Schluss gibt es von uns noch paar im Bild festgehaltene Momente des Abends. Viel Freude damit und bis zum nächsten Lachmuskelanfall.

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