Mehrgenerationen-Demo ohne Schulausfall

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Fridays vor Future in Emsdetten, noch relativ frisch gegründet. Um die rund 25 Aktiven  haben sich gestern in Summe etwa 250 Gesinnungsgenossen gescharrt. Dabei waren das keinesfalls nur Schüler, im Gegenteil, der Anteil Schüler war überraschend gering. „Schule ist für keinen hier ausgefallen“, so Versammlungsleiterin Sara Abelmann, der aufgrund der Unterrichtsausfälle während der Lockdowns die Situation sehr wohl bewusst ist. Von einem Lehrer des Gymnasiums Martinum wurde im Gespräch mit AllesDetten bestätigt: „Unsere Oberstufe, von denen vielleicht auch gerne welche hier gewesen wären, hat bis 15:30 Uhr  Unterricht, die sitzen in ihren Klassen.“

Auch sind es nicht „die Jugendlichen“ sondern nur ein Kreis derer, die sich engagieren, genauso, wie damals nicht „die Jugendlichen“ Häuser besetzt haben.

Die Polizei hatte zunächst noch vermutet „Vielleicht können wir die ‚Hand voll‘ (Anm. d. Red.: die es 15 Minuten vor Beginn noch waren) auch über die Gehwege leiten“ dann müssten keine Straßenzüge temporär gesperrt werden. Diese Annahme stellte sich dann aber zunehmend als falsch heraus.

Um 15 Uhr dann einige Verhaltensregeln bezüglich Sicherheitsabstand oder Tragen der Masken und dann schlängelte sich der Tross durch die Innenstadt vom Rathausplatz vorbei am Morgentaubrunnen, Bahnhof, Post, Stadtbibliothek über die Mühlenstraße zum Kreisel „Emsdetten Tor“ wieder hoch zum Bahnhof, durch die Innenstadt auf Deitmars Hof.

Ein Rettunswagen-Einsatz sorgte dafür, dass der Berkemeyer-Kreisel, um den sich gerade der Zug schlängelte, im Bruchteil einer Sekunde geräumt war. Vorbildlich, diszipliniert. Anders ein Fahrzeug in Höhe des St.-Josef-Stiftes auf der Gegenfahrbahn provozierend mit aufheulendem Motor und mehrfach Gas gebend.

Unterwegs machten sie lautstark auf sich aufmerksam, ob der Masse blieben die Passanten auch so am Straßenrand stehen, teilweise applaudierend, anderen lächelten.

Als Redner auf der abschließenden Kundgebung waren Bürgermeister Oliver Kellner, der ehemalige Kreisdezernet für Umwelt Ulrich Ahlke und Dr. Joachim Kamp eingeladen und auf der Bühne. Thea und Klara hatten zuvor ihre Träume, Visionen, Wünsche dargestellt, die sie schwinden sahen.

Auch die Redner zeigten sich freudig überrascht, dass das hier keine Schüler-Demo war sondern dass hier überwiegend Menschen aus der Generation anwesend waren, die es ja eigentlich „verbockt“ haben.

„Als ich Kind war, wurden Schuhe noch zum Schuster gebracht und repariert, – heute werden sie weggeschmissen und neu gekauft. Möbel wurden so gebaut, dass sie über Jahrzehnte halten, heute stellt man bereits beim Aufbau fest, dass man die am liebsten gleich wieder wegschmeißen würde.“

Nachhaltigkeit ist das Stichwort, welches mehr und mehr in den Vordergrund treten sollte. Den Schülern und Jugendlichen heute kann man ihr Verhalten nicht zum Vorwurf machen, es wird ihnen ja vorgelebt. Fridays for Future hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf diese Mißstände hinzuweisen.

„Als vor über 30 Jahren die Mauer fiel, war das auch ein Ergebnis der friedlichen Revolution auf den Straßen, nicht der Politik.“ so Ahlke in seinen Ausführungen. So sollen auch diese Hinweise gemachte Fehler ins Bewusstsein holen und dazu animieren, etwas zu ändern, noch sei Zeit, den derzeitigen Prozeß aufzuhalten.

Aus den Orga-Kreisen der Fridays-For-Future Bewegung in Emsdetten wurden weitere Aktivitäten angekündigt, wie diese aber letztlich aussehen werden, damit wollen sie zu gegebener Zeit an die Öffentlichkeit. Mit der unerwartet hohen Beteiligung bei dieser ersten Demo zeigten sie sich jedoch überaus zufrieden.

(Fotos: Thorsten Fisseler / Manfred Schwegmann)

 

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