Kommen die Trinkbrunnen wieder?

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(Foto: pixabay)

Bereits 2011 hat es in Emsdettens Innenstadt zwei Trinkbrunnen gegeben, aus denen man sich gerade in den heißen Sommern erfrischen kann. Diese wurden 2015 wieder abgebaut. 2018 haben Die Grünen im Rat der Stadt Emsdetten dann beantragt, eben diese Brunnen wieder zu aktivieren. Der ANtrag wurde 2019 zunächst zurückgestellt. „Wir beantragen nun, auch und gerade in Erinnerung an den vergangenen Sommer und angesichts der Klimakrise, endlich (wieder) Trinkwasser-Zapfstellen in der Innenstadt zu installieren.“, so Christian Sorge, Fraktionssprecher im Rat der Stadt Emsdetten gegenüber AllesDetten.

Sorge hat für seine Partei folgenden Antrag an die Stadt Emsdetten gestellt:

„…für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beantrage ich, der Rat möge beschließen:
„Die Stadt Emsdetten errichtet an einer oder mehreren Stellen Trinkwasserbrunnen.“

Begründung:

Zur bekannten Vorgeschichte kurz zusammengefasst: 2011 waren bereits zwei Trinkwasserbrunnen in der Innenstadt installiert. Diese wurden 2015 abgebaut. Ein Antrag unserer Fraktion auf Wiederinbetriebnahme dieser Brunnen vom 31.07.2018 wurde nach Beratung im Fachausschuss aus verschiedenen Gründen 2019 zurückgestellt (s. Protokoll der Sitzung des Ausschusses für Infrastruktur vom 24.01.2019 und Drucksache VL 03/2019). Vorrangig wurden der Wartungs- und Kostenaufwand, aber auch hygienische Bedenken thematisiert. Alternativ wurde auf ein Netzwerk mit freiwilliger Teilnahme verwiesen – „Refill Deutschland“.

Die langjährigen Erfahrungen haben nun gezeigt, dass zwar in anderen Orten, beispielsweise in unserer Kreisstadt Steinfurt, dieses Netzwerk zu funktionieren scheint, allerdings in Emsdetten aktuell lediglich vier teils dezentral liegende Teilnehmende zu finden sind1: Die Alternative „Refill“ konnte sich in den vergangenen dreieinhalb Jahren also offensichtlich nicht etablieren.

Nachteilig ist dabei auch, dass Refill-Stationen nur zu den Öffnungszeiten der Geschäfte und Institutionen verfügbar sind, die sich beteiligen, und niemals außerhalb dieser Zeiten.

Was hat sich in den letzten Jahren geändert?

Der Rat hat am 11.07.2019 die Klimakrise als solche benannt. 2022 war erneut einer der sonnigsten, heißesten und trockensten Sommer mit wochenlanger Dürre. Wollen wir die Innenstadt attraktiv gestalten und den Menschen – Einheimischen wie Gästen – den Aufenthalt angenehmer machen, dann gehört dazu auch das Angebot kostenlosen Trinkwassers.

  • Wiederverwendbare Trinkflaschen sind für viele Menschen inzwischen zu täglichen Begleitern geworden. Sie leisten einen Beitrag, (Plastik-)Müll zu vermeiden und ein wichtiges Lebensmittel kostenlos verfügbar zu machen.
  • In vielen Städten werden immer mehr Trinkwasserbrunnen und Trinkwasser-Zapfstellen aufgestellt – die Hygiene kann also wohl kein Hinderungsgrund mehr sein.
  • In den letzten Monaten gab es durch die Bundesregierung[1] ebenso wie durch die Landesregierung Aufforderungen zur Installation von Trinkbrunnen und Zapfstellen. Diese sollen zukünftig zur öffentlichen Wasserversorgung gezählt werden und für Städte und Gemeinden verpflichtend sein. Ebenso gab es und soll es Förderprogramme auf Landesebene geben, die die Einrichtung bezuschussen[2]. Dies sollte auch die Finanzierung erleichtern.
  • Zudem ist die Auswahl hinsichtlich der Materialien/Gestaltung gewachsen, technische Funktionen wurden weiter entwickelt und Erfahrungen im laufenden Betrieb haben sich in anderen Orten ergeben, von denen wir profitieren können: es ist eine Vielzahl auch kombinierter Systeme für Flaschenfüllung und direktes Trinken am Markt, ebenso barrierefreie Modelle.

 Fazit:

Seit der Zurückstellung unseres Antrag auf Aufstellung von Trinkbrunnen 2019 hat sich hinsichtlich der potenziellen Nachfrage der Bevölkerung, hinsichtlich der Bedenken gegen einen unhygienischen Betrieb und mit Blick auf den finanziellen Aufwand von Trink- und Zapfstellen die Lage insoweit verändert, dass wir dies – auch als Investition im Sinne der Klimafolgenbewältigung, mit Blick auf die Menschen – wieder zur Abstimmung stellen möchten.

Anregen möchten wir, dass nun neben den beiden „Alt“-Standorten von 2011 (Bahnhofstraße und Straße Am Brink) auch Möglichkeiten am Bahnhof als zentraler Mobilitätsstation geprüft werden, und ebenso der neu zu gestaltende Sanduferplatz, dessen erste Entwurfsplanung gerade in der Beratung ist, in den Blick genommen wird.

Im Zuge der Prüfung aller Möglichkeiten regen wir als „Bonus“ an, auch kombinierte Modelle aus Wasser-Zapfstelle und Wasservernebler zu betrachten. Solche Wasservernebler kühlen aktiv dadurch, dass auf Anforderung Wasser nebelfein verteilt wird und Menschen an heißen Tagen die Verdunstungkälte zur körperlichen Erfrischung in der Stadt nutzen können

[1] Gesetzentwurf im Bundeskabinett am 10.08.2022 beschlossen: Im ersten Schritt 1.000 weitere Trinkbrunnen in Deutschland!

[2] Das Land NRW hat 2020 ein Landesprogramm zur Unterstützung der Klimaanpassung in Kommunen angeboten. Hierüber konnte eine Landesförderung für rund 110 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 12,5 Mio. Euro bewilligt werden, darunter auch Trinkwasserbrunnen. Das Umweltministerium hat in Aussicht gestellt, zukünftig Kommunen bei der Aufstellung von Trinkbrunnen zu unterstützen (RP v. 20.08.2022).

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