Internet-Dating – häufig ein Tritt in eine Falle

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(Foto: Rainer Holz)

Perfides Spiel mit Gefühlen

Es klingt zunächst so schön: Ein wohlhabender Amerikaner, gut ausgebildeter Arzt und fürsorglicher Vater ist auf Hilfsmission in Afghanistan im Einsatz. Im Internet sucht er auf einem Dating-Portal nach der großen Liebe – und wird fündig bei einer Frau aus Lengerich. Die 43-Jährige und der Arzt verstehen sich ungewöhnlich gut und schreiben sich lange Emails. Alles scheint perfekt zu passen. Schließlich will er sogar nach Deutschland kommen, um mit der Lengericherin ein neues Leben anzufangen. Am Ende verliert die Frau ihr gesamtes Erspartes – einen hohen fünfstelligen Eurobetrag. Weil sie ihm glaubte. Doch die ganze Geschichte des angeblichen Arztes war gelogen. Die 43-Jährige ist Opfer des sogenannten „Love-Scammings“ oder „Romance-Scammings“ geworden. Das sind die Fachbegriffe für eine perfide Betrugsmasche, die mit den Gefühlen von Menschen spielt. In Online-Partnerbörsen oder in sozialen Netzwerken suchen sich die „Scammer“ (englisch für „Betrüger“) ihre potenziellen Opfer. Sie stellen einen Kontakt her, bauen eine Bindung auf, überhäufen das Opfer mit Liebesbekundungen und Aufmerksamkeit – einzig und allein mit dem Ziel, ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dazu lassen sie sich Geschichten einfallen, auf die die Opfer anspringen. Sie täuschen vor, bei einer Geschäftsreise nach Westafrika in Geldnot geraten zu sein. Oder sie benötigen Geld für die Operation eines Kindes. Auch gestohlene Koffer und Pässe, unbezahlter Lohn oder eine unbezahlte Hotelrechnung sollen das ahnungslose Opfer dazu bringen, viel Geld zu überweisen. Oder – wie im Fall der Lengericherin – es soll angeblich eine Kiste mit einem hohen Bargeldbetrag nach Deutschland überführt werden, damit man hier gemeinsam ein neues Leben beginnen kann. Dafür zahlte die 43-jähige über mehrere Wochen mehrere Beträge im vier- und fünfstelligen Eurobetrag für angebliche Transportkosten, Steuern, den Zoll und die Verhinderung einer Haft an verschiedene Adressaten. Stets begleitet von der Hoffnung, ihre Internet-Liebe käme zu ihr nach Deutschland. Das Perfide: Zu diesem Zeitpunkt sind die Opfer von ihrem Internetpartner bereits emotional abhängig. Die Täter haben es dabei altersunabhängig insbesondere auf allein lebende Männer und Frauen abgesehen, die finanziell abgesichert sind. Ähnliche Fälle des hinterlistigen „Love-Scammings“ tauchen immer mal wieder im Kreis Steinfurt auf. So nahm die Polizei im November die Anzeige einer 53-jährigen Frau aus Rheine auf, die ebenfalls von einem Betrüger, den sie im Internet als Liebesbekanntschaft kennenlernte, getäuscht wurde. Auch sie verlor insgesamt einen hohen fünfstelligen Betrag. Die Polizei warnt dringend davor, Personen Geld zu überweisen, die man nur im Internet und nie persönlich kennen gelernt hat. Stattdessen sollte man den Kontakt sofort abbrechen. Hat bereits ein persönlicher Austausch begonnen, sollte man alle möglichen Beweise für einen Betrug – etwa E-Mails oder WhatsApp-Verläufe – sichern. Opfer sollten in jedem Fall Anzeige bei der Polizei erstatten. Dort können sie sich auch informieren, was bei „Love Scamming“ zu tun ist, wie man Beweise sichert und wie man Täter blockieren kann.

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