Hey, ich bin Jacky und nehme euch regelmäßig mit in meinen Garten. Im Spätsommer gibt es dort nicht nur jede Menge zu ernten – jetzt beginnt für mich auch die Zeit, schon ein bisschen an das nächste Gartenjahr zu denken.
Saatgut aus dem eigenen Garten gewinnen – so einfach geht’s
Im August und September reifen in unseren Gärten unzählige Samen heran. Statt verblühte Pflanzen direkt abzuschneiden und zu entsorgen, lohnt es sich deshalb, einmal genauer hinzuschauen. Denn von vielen Blumen, Kräutern und Gemüsepflanzen lässt sich ganz einfach eigenes Saatgut gewinnen. Das kostet nichts, macht Spaß und ist gleichzeitig eine schöne Möglichkeit, Lieblingspflanzen im nächsten Jahr wieder im Garten zu haben.

Woran erkenne ich reifes Saatgut?
Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend. Bei vielen Blumen sollte man warten, bis die Blüte vollständig verblüht und der Samenstand trocken und meist bräunlich geworden ist. Lassen sich die Samen leicht herauslösen, sind sie in der Regel bereit für die Ernte.
Am besten sammelt man an einem trockenen, möglichst sonnigen Tag. Morgens kann noch viel Feuchtigkeit auf den Pflanzen liegen, deshalb warte ich lieber bis zum späten Vormittag oder Nachmittag.
Wer unsicher ist, kann einen einfachen Test machen: Einen Samenstand vorsichtig zwischen den Fingern öffnen. Sind die Samen noch sehr weich oder hell und lassen sich kaum lösen, brauchen sie meistens noch etwas Zeit.
Welche Pflanzen eignen sich?
Besonders einfach ist die Saatgutgewinnung bei vielen Sommerblumen. Ringelblumen, Sonnenblumen, Cosmeen, Tagetes oder Kapuzinerkresse sind tolle Pflanzen für den Einstieg. Ihre Samen sind relativ groß beziehungsweise gut zu erkennen und lassen sich einfach sammeln.
Auch bei Gemüse lohnt sich das Ausprobieren. Bohnen und Erbsen kann man beispielsweise so lange an der Pflanze lassen, bis die Hülsen trocken werden. Bei Tomaten ist es etwas aufwendiger: Hier werden die Samen aus einer vollständig reifen Frucht entnommen, vom Fruchtfleisch befreit und anschließend gründlich getrocknet.
Auch einige Kräuter liefern reichlich Saatgut. Dill, Koriander oder Schnittlauch dürfen dafür einfach ausblühen und Samen bilden.

Achtung bei F1-Sorten
Wer Saatgut sammeln möchte, sollte einen Begriff kennen: samenfest. Bei samenfesten Sorten haben die Pflanzen im nächsten Jahr in der Regel ähnliche Eigenschaften wie ihre Elternpflanzen.
Anders sieht es bei sogenannten F1-Hybriden aus. Natürlich kann man auch deren Samen aussäen. Allerdings können die daraus entstehenden Pflanzen ganz andere Eigenschaften entwickeln. Farbe, Größe, Geschmack oder Ertrag können sich unterscheiden. Wer eine bestimmte Sorte erhalten möchte, greift deshalb am besten auf samenfeste Pflanzen zurück.

Erst trocknen, dann einpacken
Nach dem Sammeln sollte das Saatgut nicht sofort luftdicht verpackt werden. Ich breite die Samen zunächst auf Papier aus und lasse sie einige Tage an einem trockenen und luftigen Ort nachtrocknen. Restfeuchtigkeit kann später nämlich dazu führen, dass das Saatgut schimmelt.
Danach kommen die Samen beispielsweise in kleine Papiertüten, Briefumschläge oder andere geeignete Behälter.
Und ein Schritt ist besonders wichtig: Beschriften! Pflanzenname oder Sorte und Erntejahr sollten unbedingt auf die Verpackung. Man glaubt zwar beim Sammeln, dass man sich die verschiedenen Samen merken wird – spätestens im Frühjahr sehen die kleinen Tütchen dann aber erstaunlich ähnlich aus.
Bis zur Aussaat wird das Saatgut trocken, dunkel und möglichst kühl aufbewahrt.
Nicht jeden Samen mitnehmen
So verlockend das Sammeln auch ist: Ich ernte bewusst nicht alle Samenstände ab. Viele dürfen im Beet stehen bleiben.
Sie sorgen im Herbst und Winter für Struktur, einige dienen Vögeln als natürliche Nahrungsquelle und in hohlen Pflanzenstängeln können kleine Gartenbewohner Unterschlupf finden. Manche Blumen säen sich außerdem ganz von selbst wieder aus und überraschen uns im nächsten Jahr an einer völlig neuen Stelle, wie z.B. patagonisches Eisenkraut oder auch die wilde Möhre.
Genau das mag ich am Gärtnern besonders: Nicht alles muss kontrolliert werden.
Wer jetzt ein paar kleine Tütchen oder Dosen mit Saatgut füllt, bewahrt also ein kleines Stück des diesjährigen Gartens für die nächste Saison auf. Und spätestens, wenn im Frühjahr aus den selbst gesammelten Samen die ersten grünen Spitzen hervorschauen, hat sich die kleine Mühe im Spätsommer gelohnt.












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