Fußgängerzone: „Werden Verstöße belohnt statt bestraft?“

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(Grafik: Stadt Emsdetten)

Da besucht uns gestern ein Bürger, der extra den weiten Weg aus der Innenstadt bis zu uns in die Redaktion auf sich genommen hat. Er hielt uns eine Brötchentüte unter die Nase, drinnen war eine frische Brezel. Bedruckt war die Tüte mit dem Logo der Stadt Emsdetten, dem Hinweis, von wann bis wann die Fußgängerzone in der Innenstadt mit dem Rad befahren werden darf und wann eben nicht. Auf der Rückseite mit ausführlichen Erklärungen.

„Die wurden heute in der Stadt verteilt!“ war seine Feststellung. „Den Sportvereinen werden die Gelder gekürzt, und hier wird das Geld mit beiden Händen ausgegeben.“, zeigte der Herr kein Verständnis für diese Aktion. – Die sollten lieber abkassieren statt mit einem Frühstück zu belohnen.

Tatsächlich bleibt die aktuelle Regelung umstritten, weil häufig dagegen verstoßen wird, aber nicht oder nur wenig kontrolliert und dann sanktioniert wird. Am vergangenen Samstag während der „Langen Nacht“, wurde beispielsweise die Kirchstraße sogar trotz der vielen Menschen die sich dort befanden, rücksichtslos mehrfach durch E-Scooter befahren, die dort grundsätzlich verboten sind. Radfahrer dürfen ab 19 Uhr lediglich in Schrittgeschwindigkeit fahren.

Ein Umdenken scheint mittlerweile bei der EMSIG stattgefunden zu haben. Die nämlich hatte ursprünglich sogar den Antrag gestellt, die Fußgängerzone gänzlich zur fahrradfreien Zone zu erklären. Nach einer neuerlichen Umfrage unter den Händlern würden die es aber wohl begrüßen, wenn die Konsequenz aus dem eigenen Antrag wieder rückgängig gemacht würde.

Nachdem uns der Bürger von dieser „Brezel-Aktion“ berichtet hatte, haben wir bei der Stadtverwaltung angefragt und um Aufklärung gebeten. Gestern Abend im Ausschuss für Klima, Umwelt und Mobilität (AKUM) die Erklärung durch Thorsten Rösch, Mitarbeiter des Fachdienstes 61 (Stadtentwicklung und Umwelt). Die Stadt Emsdetten führt derzeit eine Brötchentüten-Aktion durch, bei der Bürgerinnen und Bürger in der Fußgängerzone noch einmal gezielt auf das Verhalten in der Fußgängerzone angesprochen und sensibilisiert werden sollen. Dabei würden sowohl Passanten kontaktiert, die sich an die Vorgaben halten, als auch solche, bei denen in dem Moment ein Verstoß festgestellt wird.

In einer Mail erhielten wir zuvor eine Antwort auf unsere Anfrage:

„…die Stadt führt jedes Jahr Verkehrssicherheitsaktionen durch. Diese sind Teil der Verkehrssicherheitsstrategie, die am 03. Juli 2025 vom Rat der Stadt Emsdetten beschlossen wurde. Allerdings führt die Stadt bereits seit vielen Jahren jährliche Verkehrssicherheitsaktionen durch, die durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNV) im Rahmen der Zuwendungen zur Durchführung örtlicher Verkehrssicherheitsaktionen gefördert werden. …

…Das Thema Radfahren in der Fußgängerzone spielte auch bei der 2025 durchgeführten Online-Befragung eine große Rolle. Viele Bürgerinnen und Bürger wünschten eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit. Dem sollte durch diese Aktion Rechnung getragen werden. Das Verteilen von Flyern erfolgte bereits im letzten Jahr. Zusätzlich zu dieser eher klassischen Methode der Öffentlichkeitsarbeit wurde für dieses Jahr eine etwas kreativere Methode gewählt, um möglichst viele Menschen zu erreichen.  

Die Verteilung von Brötchentüten in der Fußgängerzone inklusive Brezel war lediglich eine Ergänzung zu den verteilten Brötchentüten an die Bäckereien und sollte für die Aktion eine gewisse Aufmerksamkeit schaffen und die Personen in der Fußgängerzone für die Thematik nochmals sensibilisieren. Bis heute halten sich viele Emsdettenerinnen und Emsdettener noch nicht an die neue Regelung, so dass die Verwaltung zusätzlich zu den Kontrollen der Polizei und den dabei verhängten Bußgeldern entsprechende Aktionen durchführt…

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