Forum Rauchfrei erwirkt Einsicht beim Bundespräsidenten

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Die Philip Morris Stiftung des Tabakkonzerns Philip Morris soll aus dem Stifterverband des Zukunftspreises zum Ende des Jahres 2023 ausscheiden. Die zunächst bis 2029 vereinbarte Zusammenarbeit wird vorzeitig beendet. Der Deutsche Zukunftspreis wird seit vielen Jahren einmal im Jahr publikumswirksam an wissenschaftliche Exzellenz vergeben.

Der Sprecher des Forum Rauchfrei, Dr. Joachim Kamp aus Emsdetten, hat die Preisverleihung live im ZDF gesehen: „Als ich den Bundespräsidenten sah, wie er gemeinsam mit der Wissenschafsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim den Zukunftspreis an die Kandidaten übergab, währen gleichzeitig immer wieder das Markenzeichen des Tabakkonzerns im Bild zu sehen war, war ich geschockt. Ich bin Hausarzt und Palliativarzt und muss viel meiner Patienten, die den Tabakkonzernen zum Opfer fallen, bis zu ihrem traurigen Ende begleiten.“

Dr, Joachim Kamp im Gespräch mit AllesDetten

Kamp bat Ärztekollegen um Unterstützung, so dass sich auch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V., deren Mitglieder ebenfalls tagtäglich mit den Folgen des Tabakkonsums zu zun haben, an den Bundespräsidenten wandte, ebenso der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit e.V., was schließlich zu dem Erfolg führte.

Das Forum Rauchfrei ist über die Beendigung der Zusammenarbeit hoch erfreut, denn bei deren Engagement beim Deutschen Zukunftspreis handelt es sich um eine spezielle Form des Tabak-Marketings. Der Tabakkonzern will sich als sozial verantwortlich, als Wohltäter der Gesellschaft darstellen und so sein angeschlagenes Image aufpolieren. Deshalb verlang die Weltgesundheitsorganisation ausdrücklich eine strenge Trennung und die Ablehnung aller Partnerschaften mit der Tabakindustrie (Tabakrahmenübereinkommen der Weltgesundheitsorganisation FCTC Art. 5.1). „Ich habe mich lange dafür eingesetzt, dass die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation eingehalten werden. Wir müssen alle staatlichen Stellen bis hinauf zum Bundespräsidenten für die Einflussnahme der Tabakindustrie sensibilisieren. Jetzt sind wir wieder einen kleinen Schritt auf dem ziemlich mühsamen Weg zu einer rauchfreien Gesellschaft vorangekommen“, freut sich Johannes Spatz, weiterer Sprechder des Forum Rauchfrei.

Demgegenüber meint das Bundespräsidialamt, zwischen dem Tabakkonzer Philip Morris International und der Philip Morris Stiftung unterscheiden zu können. Was bedeuten würde, der Bundespräsident mache nicht gemeinsame Sache mit dem Tabakkonzern, sondern mit einer eigenständigen Stiftung. Hiergegen protestiert Kamp: „Auch wenn die Philip Morris Stiftung nicht mit dem Tabakkonzern rechtlich identisch ist, kommt es darauf an, wie sie im Zusammenhang mit dem Zukunftspreis und der Vergabe durch den Bundespräsidenten wahrgenommen wird. Die Stiftung verwendet nicht nur den gleichen Namen wie der Zigarettenkonzern, sie tritt auch mit dem gleichen Markenzeichen auf. Eine normale Person, die nicht über besondere Kenntnisse verfügt, wird den Tabakkonzern und die Stiftung selbstverständlich miteinander identifizieren. Und dies ist schließlich auch beabsichtigt.“

So wird die Freude ein wenig getrübt, weil sich der Bundespräsident mit seiner im Ganzen ausgesprochen erfreulichen Entscheidung trotz allem – wenigstens mit einem Bein – auf die Seite des Tabakkonzerns Philip Morris stellt. „Steinmeier müsste die Zusammenarbeit sofort, nicht erst zum Jahresende beenden.“ fordert Spatz. Die Tabakindustrie ist mit ihrer Strategie erfolgreich, ihr Einfluss auf die Politik ist immer noch riesengroß, aber es geht Schritt für Schritt voran.

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1 Kommentar

  1. Dieser Beitrag zeigt, dass sich Dinge ändert können, wenn sich Menschen dafür einsetzen. Sogar der Bundespräsident hat sich überzeugen lassen. Warum bleiben so viele Betroffene sprachlos? Ich habe als Kind mit dem Rauchen begonnen und vor über zwanzig Jahren die letzte Zigarette geraucht. Trotzdem habe ich Probleme beim Atmen. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass Kinder nicht zu neuen Kunden der Tabakkonzerne werden.

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