Fortsetzungsroman „Schützenfest“ 8/14

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…was soll ich bloß anziehen…

Oh mein Gott, was soll ich bloß anziehen??? Ich hab doch nie geglaubt, dass der das ernst meint.

Eure Majestät, wenn es Ihnen nicht zu gewöhnlich ist, dann könnte ich Ihnen was leihen.

Macht Euch nur lustig – meinst du, du hast was passendes für mich?

Wenn wir uns beeilen, dann können wir noch anprobieren und notfalls was anderes suchen.

Ich muss aber erst zu meinem Schatzi!“ kommen jetzt auch ihr die Tränen – in diesem Fall jedoch Freudentränen.

Inzwischen mit Schärpe und Kette ausgestattet, nimmt er die zahllosen Glückwünsche entgegen, – die Spielmannszüge bringen sich in Marschordnung, auf den Schultern seiner Mitaspiranten wird er nun in den Saal getragen, zum Königstisch.

Und Du holst morgen die Scheibe!“ lautet der erste Befehl in seiner Regierungszeit. Häuptling ‚der-vor-ihm-schoss‘ lächelt zwar angestrengt, ist aber sichtlich enttäuscht ob seiner eigenen Niederlage.

Nicht alle Mitglieder waren unter der Vogelstange, als es spannend wurde. Für die älteren unter ihnen ist im Saal extra ein Tisch reserviert. Ein Vorstandsmitglied ist nur mit der Betreuung der Senioren beauftragt.

Richtig gefeiert, so wie die jungen Leute von heute das tun, haben diese Herren vor 30, 40 oder gar 50 Jahren. Heute wird die weiße Hose nur für zwei, drei Stunden am Nachmittag aus dem Schrank geholt. – Nur weil man dabei sein muss? Tradition? – Irrtum, hier an diesem Tisch sitzt Schützenfesterfahrung pur, – Erinnerungen an schöne, aber auch nicht so schöne Schüttenbeers werden hier ausgetauscht. Festzustellen bleibt, dass sich seit damals eigentlich nicht wirklich viel geändert hat. Es ist einiges im Laufe der Zeit angepasst worden, um den jeweils aktuellen Ansprüchen Genüge zu tun. Nette Anekdoten werden erzählt wie z. B. dass der König beim Eier essen eingeschlafen ist oder die Königin, nicht wissend, dass einen dritten Schützenfesttag gibt, die Schärpen noch in der Nacht gebügelt und in den Schrank gehangen hat.

Datt sind Dinger, de vergätt m nich!

Oder wees noch, äss daomaols, irgendwann inne siemzieger mot dat wesst sien…“ wird diese spannende Unterhaltung unterbrochen als die Spielmannszüge, unabhängig der Zugehörigkeit durcheinander marschierend,  voran, der neue Jungmännerkönig, noch immer auf den Schultern seiner Mitstreiter sitzend. Auf der Bühne angekommen lässt der Major alles hochleben, was Rang und Namen hat.

Unser neuer Jungmännerkönig er soll leben, er lebe hoch, hoch, hoch…. der alte Jungmännerkönig, er soll leben, er lebe hoch, hoch, hoch….“ Zum Schluss kommt dann meist aus den Reihen der Spielmannszüge:

Unser Major er soll leben, er lebe vivat…..“ Die Hoch-Rufe und der intonierte Tusch erschallen ein weiteres Mal.

Jetzt, wo er da oben zwischen all den Leuten so einsam steht, wird ihm erst langsam bewusst, was wirklich passiert ist. Ein Jahr lang muss er nun seine Schützengesellschaft repränsentieren. An sämtlichen Vereinsveranstaltungen teilnehmen, Kassenstunden abhalten, Arbeitseinsätze leisten, er bekommt einen Bezirk zugeteilt, in welchem er Einladungen an Mitglieder zu verteilen hat und nicht zuletzt sind die jeweils amtierenden Könige ja auch für die Pflege der Kriegergedächtniskapelle zuständig.

„Was jetzt wohl zu Hause los ist, – ruf mal eben an, die sollen mir Sachen zurecht legen, dass ich gleich noch fix eben duschen kann.“ Erste Absprachen werden gehalten mit dem Vereinswirt und der zuständigen Kellnerin, wie die Bewirtung heute Abend beim Königsball am Königstisch ablaufen soll, der neue König hat seinen Bruder als Schatzmeister bestimmt.

Im Saal ist es recht lebhaft, – Kinder spielen, Mütter unterhalten sich beim Kaffee, Väter beim Pils an der Theke als plötzlich Menschenmassen durch jede zur Verfügung stehende Öffnung in den Saal geströmt kommen. Draußen hat es angefangen, wie aus Eimern zu regnen.

 

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