Fortsetzungsroman „Schützenfest“ 13/14

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Freibier

Dass Du überhaupt den Mut hast vor so vielen Leuten zu singen, – also ich könnte das nicht.“ Eigentlich war vorgesehen, dasss die Tanzband in dieser halben Stunde vorne in der Gastwirtschaft etwas Essen geht, der durch die Textpanne bei den Schützenbrüdern aber an Sympathie reicher gewordene Pechvogel hat sich entschuldigt.

Ich brauch erst frische Luft, – hab auch gar keinen Hunger.“ und war auch schon verschwunden.

Vom Saal her klang die Musik der Spielmannszüge, die den Königen und Jubelkönigen gratulieren, gleizeitig aber damit auch ihre eigene Kasse etwas aufbessern. Es war eine sternenklare Nacht, der Mond reflektierte das Sonnenlicht und es schien, als wolle jemand dort oben im All genau diese eine Baumgruppe ausleuchten, in welcher zwei Pechvögel zu Turteltäubchen werden, – sie schauten sich tief in die Augen und beiden war klar, was jetzt geschehen würde.

Ist die jetzt völlig abgedreht??? Euch ist hoffentlich klar, dass das ihr erster und letzter Gig mit uns war!!“ der Schlagzeuger ist außer sich vor Wut, überlegt, bei welchem Stück man auf die Frontfrau verzichten kann und sagt dann an:

Drafi Deutscher, Marmor, Stein und Eisen…. Eins, zwei, eins zwei drei… Weine nicht wenn der Regen fällt…

Vom Kassierer des Vereins wird ihnen vor Beginn der letzten Tanzrunde eine klasse Show bescheinigt.

Super, die Idee und Umsetzung nach der Tanzpause, – plötzlich taucht das Mädel mitten auf der Tanzfläche auf und macht die Kerle verrückt. Jetzt mal ehrlich, der Patzer mit dem vergessenen Text vorher, das war doch gespielt oder?“ Der Drummer weiß nicht so recht, was er sagen soll, lächelt etwas verlegen, unsicher.

Ich hab den Job also morgen auch noch?“ Mehr eine Feststellung als eine Frage, dreht sie sich zum Mikro und zum Finale noch einmal so richtig auf. Vier Zugaben wird sie später noch geben müssen, bevor letztlich der Festwirt den Strom abdreht und der Major verkündet:

In ca. 5 1/2 Stunden ist Antreten zum Ausholen des noch amtierenden Scheibenkönigs und jetzt lasst uns mal schauen, ob der neue Jungmännerkönig noch ein paar Spiegeleier in der Pfanne hat.

Die Kaisers aus Berlin liegen sich in den Armen und singen noch immer das Lied von der unzerbrechlichen Liebe.

Jranit und Beton, det bricht och so schnelle nich.

Woher weeste denn det?

Weil ick bei dir immer uff Jranit beißen tu.“ schallendes Gelächter um sie herum, wird doch zu diesem Zeitpunkt jeder noch so flache Witz zum Brüller schlechthin.

Mensch Rainer, kiek mal uff n Tacho, Du musst uffstehn, inner halben Stunde is Antreten, die werden nich up Dir warten!!!

Ick hab Urlaub, die Butze bleibt heute jeschlossen.

Eben drum, – Du wolltest det Schützenfest erleben, nich icke.“ Wie von einer Tarantel gestochen, plötzlich realisierend, wo er sich denn befindet, springt Rainer auf – um sich aber sofort schmerzverzerrten Gesichtes wieder fallen zu lassen.

Warum haste mir jeschlajen?

Ick hab Dir nich mal anjekiekt, werd mich hüten, so wie du jerade uut de Wäsche drüppels.

Mir hat aber jemand vor’n Kopp jehaun.

Mach hin, dat de unner die Brause kimmst, sonst zieh’n die ohne Dich los.

Ick hoffe, du hast Fotos jeschossen, – ich will wissen, wat jestern abend allet passiert is.

Schön war et, – wir haben jeschwooft, wie in alten Zeiten.

Dann verjess dat mit die Fotos.“ und kurze Zeit später ertönt aus dem Bad:

Mir hat aber jemand vor’n Kopp jehaun…

Dat liegt wohl eher an den Fusel, den Du Dir in den Kopp jehaun has….

Nee nee, der jing runter wie Öl, der tat nicht weh.

Haben die die Mauer wieder aufgebaut, hast kein Visum bekommen, oder warum bist Du so spät?“ Der Frühschoppen hatte längst begonnen als Rainer um die Ecke schlich. Er wusste genau, jeder Ansatz einer Ausrede würde seine Lage nicht wirklich verbessern und so ergriff er die Flucht nach vorne:

OK, ihr habt jewonnen. Die nächste Runde jeht uff meinen Deckel.

Dat kaas sachte säggen, wenn’t Friebeer giff…“ Wieder großes Gelächter, – woher sollte er auch wissen, dass beim Frühschoppen des zweiten Schützenfesttages Freibier ausgeschenkt wird.

 

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