Fortsetzungsroman „Schützenfest“ 11/14

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Geiselnahme???

Während der große Festzug in den Saal einmarschierte beginnen die Geschwister und einige Freunde und Nachbarn des Königspaares mit den dringend notwendig gewordenen Aufräumarbeiten. Fast 50 Personen, die alle noch mal schnell ins Bad wollten, sich in irgendeiner Art zurecht machen oder einfach nur in der Stube gesessen haben, auf den Rückmarsch wartend. Weitere 100 Schützenbrüder draußen auf der Straße oder in den Anlagen des eigenen bzw. der Nachbarhäuser, hinterlassen ihre Spuren. Gleichzeitig beginnen die Vorbereitungen für das nächtliche „Eieressen“. – Es ist Tradition, nach Beendigung der Feierlichkeiten das Königspaar nach Hause zu begleiten, dieses wiederum bedankt sich, indem es zum Spiegeleieressen einlädt.

Schließ die Schlafzimmertüren ab!“ werden noch Anweisungen gegeben um möglichen nächtlichen Irrläufern vorzubeugen.

Die meisten Flaschen sind ja nur angetrunken – schmeckt denen unser Bier etwa nicht?“ Für lange Diskussionen bleibt jetzt keine Zeit, schließlich wollen sie doch auch alle noch was vom Schützenfest haben, – ihren König feiern. Aber viele Hände schaffen auch viel und so kommen sie dann doch noch pünktlich zu den letzten Ehrentänzen.

Noch während der neue König die Glückwünsche unter der Stange entgegen nimmt, machen sich Adjudant und Nebenreiter auf den Weg zum Haus des jetzt ehemaligen Königs um die Fahne mit der aufgestickten Krone zum Haus seines Nachfolgers zu bringen. Nach fünfmaligem Klingeln geben sie auf.

„Wird wohl niemand da sein, – dabei hatten wir extra vorher gesagt, dass wir die Fahne abholen müssen.“

„Vielleicht hat er ja eine Leiter rausgestellt, dann kommen wir da ja wohl dran.“ und verschwindet hinter dem Haus. – Was dann passiert ist eine Kettenreaktion, die man so garantiert nachträglich nicht inszenieren kann:

Unser Adjudant geht durch die Pforte in den Innenhof des Hauses, erschrickt plötzlich laut schreiend als er den scheinbar leblosen Körper der Hausherrin vor sich in einer Hängematte findet, nur sehr dürftig bekleidet. Irritiert durch diesen markerschütternden Schrei wird der scheinbar leblose Körper plötzlich wach und reagiert gelinde gesagt „überrascht“ mit ähnlichem Geräusch, jedoch eine Oktave höher. – Ob der plötzlichen Wiederbelebung, noch nie zuvor hat ihn eine Leiche derart angeschrieen, ertönt erneut der Ruf dessen, der doch eigentlich nur eine Leiter holen wollte.

Das nebenan wohnende Rentnerehepaar hat für Schützenfest überhaupt keinen Sinn, ist daher an diesem Nachmittag zu Hause, sitzt im Garten bei Kaffee und Kuchen und hört nur von weitem die Blasmusik spielen. – Doch plötzlich, was war das??? Man hört ein Auto vorfahren und kurze Zeit später Schreie, – aus nächster Nähe, – während er sich die alte Schrotflinte von der Wand nimmt und zum Nachbargrundstück eilt, wählt sie die Nummer der Polizei.

„Nehm Deine dreckigen Flossen hoch, Bürschchen!“, ist unser Pensionär überrascht ob seiner Courage, weiß er doch genau, dass die Waffe, die eigentlich nur als Zierstück über seinem Herdfeuer hängt, nicht geladen ist und somit den Eindruck, der im ersten Moment vermittelt wird, sehr schnell wieder verlieren kann.

Beide reißen sie die Arme hoch, der fragende Blick der Sonnenanbeterin in Richtung „security“ bekommt ein zustimmendes Lächeln zur Antwort, er gestattet ihr, ihre Blöße mit einem Handtuch zu bedecken. Der nun eintreffende Rettungswagen sowie die auf drei Streifenwagen verteilten sechs Polizeibeamten bringen die neugierigen Blicke von Schaulustigen mit sich. Auch die örtliche Lokalpresse ist, eine sensationelle Headline schnuppernd, den Auspuffgasen der Streifenwagen gefolgt.

„Ist es nur einer? – Wieviele Geiseln hat er in seiner Gewalt? – Kennen Sie den Mörder? – Sind Sie der Fahrer des Fluchtautos?“ Bei der letzten Frage wird der als Sicherheitsposten vor dem Haus zurückgelassene Polizist plötzlich hellhörig, fummelt hastig an seinem Halfter und hat nach fast zwei Minuten dann auch schließlich seine Dienstwaffe gezückt, in der Hand, entsichert, zielgerichtet auf das Fahrzeug. Die umstehenden Passanten wundern sich ein wenig, wo doch in dem Fahrzeug niemand sitzt, fühlen sich aber gleichzeitig sicher, da die „wilde Fuchtelei“ des Verkehrspolizisten nicht auf irgendwelche lebenden Objekte gerichtet ist, – höchstens mal im Vorrübergehen…

 

 

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