Die Ratsmitglieder Helmi Dünow und Stefan Knabe sind erstmals im September 2025 in dieses Gremium gewählt worden. Als Neulinge in dieser Tätigkeit ist ihnen ziemlich schnell etwas aufgefallen:
„Wer eine Ratssitzung besucht, kann eine merkwürdige Beobachtung machen: Es wird viel gesprochen, aber wenig geredet. Jede Fraktion trägt ihre vorbereitete Position vor, die Argumente der anderen werden zur Kenntnis genommen, selten aufgegriffen. Am Ende wird abgestimmt, und jeder geht mit dem Gefühl nach Hause, recht gehabt zu haben. Ob Emsdetten dadurch klüger entschieden hat, fragt kaum jemand.
Wir schreiben diesen Beitrag nicht, um mit dem Finger auf andere zu zeigen. Wir nehmen uns selbst nicht aus. Auch wir haben in Sitzungen schon mehr an unsere nächste Wortmeldung gedacht als an das, was gerade gesagt wurde. Genau deshalb glauben wir: Uns allen ist etwas verloren gegangen, das wir dringend zurückgewinnen müssen, nämlich die Fähigkeit, einander zuzuhören und respektvoll zu streiten.
Das gilt nicht nur für den Rat selbst. Auch zwischen Verwaltung und Politik fehlt oft der Austausch. Informationen kommen spät, Vorlagen landen fertig auf dem Tisch, Rückfragen werden als Misstrauen verstanden. Dabei sitzen auf beiden Seiten Menschen, die dasselbe wollen: dass diese Stadt gut funktioniert. Wenn sie nur noch in formellen Formaten miteinander sprechen, verschenken wir Wissen, Zeit und Vertrauen.
Warum ist das gerade jetzt so wichtig? Weil die Haushaltslage ernst ist. Die kommenden Jahre werden von schwierigen Entscheidungen geprägt sein. Es wird ums Kürzen, Verschieben und Priorisieren gehen. Solche Entscheidungen lassen sich nur tragen, wenn Vertrauen da ist. Ohne Gespräch wird jede Sparrunde zum Grabenkampf, in dem jeder seinen Besitzstand verteidigt. Mit Gespräch kann sie zu einer gemeinsamen Anstrengung werden, die man der Bürgerschaft auch erklären kann.
Hinzu kommen die großen Veränderungen, die auf uns zukommen: Klimaanpassung, Digitalisierung, eine älter werdende Gesellschaft. Keine dieser Aufgaben löst eine Fraktion allein, und keine löst die Verwaltung ohne die Politik.
Der Historiker Yuval Noah Harari hat einmal beschrieben, worin das Erfolgsgeheimnis der Menschheit liegt: in der Fähigkeit, mit vielen anderen flexibel zusammenzuarbeiten. Möglich wird das durch Sprache, durch Austausch, durch gemeinsame Geschichten. Demokratie ist in diesem Sinne nichts anderes als ein großes, fortlaufendes Gespräch. Wenn dieses Gespräch verstummt oder nur noch aus Monologen besteht, gerät mehr in Gefahr als ein einzelner Haushaltsplan.
Und noch etwas sollten wir uns ehrlich fragen: Wenn schon wir im Rat, die wir uns regelmäßig sehen und gemeinsam Verantwortung tragen, nicht mehr gut miteinander reden, mit welchem Recht erwarten wir das dann von den Bürgerinnen und Bürgern? Gesellschaftlicher Zusammenhalt beginnt nicht bei den anderen. Die Politik hat hier eine Vorbildrolle, ob sie will oder nicht.
Dabei geht es uns nicht um Harmonie um jeden Preis. Demokratie lebt vom Streit, von unterschiedlichen Interessen und Überzeugungen. Wer zuhört, muss nicht zustimmen. Aber er nimmt den anderen ernst und lässt sich die Möglichkeit offen, dass in dessen Argument etwas Richtiges steckt. Respekt heißt nicht, die eigene Position aufzugeben, sondern im Gegenüber einen Mitstreiter für dieselbe Stadt zu sehen, keinen Gegner, den es zu besiegen gilt. Gute Kommunikation ist deshalb keine Frage der Höflichkeit, sondern eine Frage der Qualität unserer Entscheidungen.
Wir wissen, dass ein Zeitungsbeitrag keine Kultur verändert. Aber irgendwo muss man anfangen. Wir fangen bei uns an. Und wir laden alle Kolleginnen und Kollegen im Rat, die Verwaltung und auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, ein, mitzumachen. Emsdetten hat genug Herausforderungen. Sprachlosigkeit sollte nicht dazugehören.“




Dem sollte doch jeder nur zustimmen.
Über Grenzen hinweg gemeinsam der Sache dienen.
Das Dilemma fängt oft schon in der Familie und im Freundeskreis an, geht über Vereine weiter und gerade in der Politik geht es schon längst nicht mehr darum das Beste für die Bevölkerung zu erreichen, sondern darum, wie hole ich das Meiste für mein Klientel heraus. Das hauen und Stechen, die Spaltung in der Politik – potenziert durch Medien – überträgt sich auf die gesamte Gesellschaft.
Kein Wunder, dass es in vielen Bereichen so ist, wie es zur Zeit ist.
Danke für Ihre Nachricht. Wir werden diese schnellst möglich bearbeiten.