Erfolgreicher Startschuss in Richtung Klimaneutraliltät im Kreis Steinfurt bi 2040

0
171
(Foto: Dorothea Böing, Kreis Steinfurt)

Das Ziel ist klar: Klimaneutralität im Kreis Steinfurt bis zum Jahr 2040. Ihren Willen haben die Städte und Gemeinden gestern beim Klimaschutzsymposium des Kreises Steinfurt im Ballenlager Greven deutlich gemacht und ihrerseits Ideen formuliert. Damit ist der Startschuss für den gemeinsamen Weg gefallen.

Auch ist damit der Wunsch des Landrats erfüllt. Er sagte, dass dieses Ziel und die anstehenden Aufgaben nur mit den Kommunen, allen Entscheidungsträgern, regionalen Akteuren und den Menschen im Kreis erreicht werden kann: „Nur, wenn wir das Ziel als Gemeinschaftsaufgabe verstehen, kann es uns gelingen. Daher möchten wir die Kooperation mit allen Akteuren, insbesondere unseren Städten und Gemeinden, noch weiter vertiefen.“ Der Herausforderung für alle Beteiligten war er sich bewusst: „Ich weiß, der Weg ist weit, aber das Ziel ist nicht unerreichbar.“ Auch motivierende Worte, gab er den Anwesenden mit auf den Weg: „Gemeinsam sind wir stark. Packen wir es an.“

Im Anschluss schrieben die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Klimaschutzbeauftragte ihre Ideen nieder, die von energieautarken Wohngebieten und klimaneutralen Quartierskonzepten über kostengünstigen und klimaneutralen ÖPNV bis hin zu Energie-Innovationsparks und einer 100-prozentigen Stromversorgung durch Photovoltaik reichten. Angemerkt wurde auch, dass künftige Generationen gut vorbereitet werden sollen und alle Menschen mitgenommen werden müssen.

Alle Menschen, die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Steinfurt, sind mehrmals beim Symposium genannt worden. Sie seien die Schlüsselfaktoren, betonten die drei Referenten des Symposiums. Zwar seien seit den 1990er Jahren CO2-Emissionen eingespart worden, sagte Prof. Dr. Christof Wetter von der FH Münster, der den Masterplan Klimaschutz 2.0 des Kreises vorstellte, aber man sei noch nicht so weit wie erhofft: „Wir haben Nachholbedarf bei den Haushalten Wir müssen jeden einzelnen mitnehmen. Wir brauchen jeden auf dem Weg.“ Das könne beispielsweise durch kostenlosen ÖPNV möglich sein, der seiner Überzeugung nach machbar sei. So könnten die Menschen zum Umsteigen vom motorisierten Individualverkehr gewonnen werden.

Dass jeder Mensch seinen Beitrag leisten muss, unterstrich mit Blick auf die CO2-Emissionen auch der renommierte Klimafolgenforscher Prof. Dr. Stefan Rahmstorf: „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie. Die gute ist, die Treibhausgas-Emissionen sinken. Die schlechte ist, sie sinken zu langsam.“ Vom Jahr 2005 bis 2018 sei Deutschland bei der Veränderung der CO2-Emissionen ins Mittelfeld abgerutscht, so Rahmstorf weiter. Nach Erläuterungen, wie Dürren, Waldbrände, Eisschmelze, Überschwemmungen und Katastrophen im Ahrtal entstehen, lautete sein Zwischenfazit: „Der Klimawandel ist real und zweifelsfrei durch fossile Energienutzung sowie Entwaldung verursacht.“ Kurz gesagt: Die globale Erwärmung ist komplett durch den Menschen gemacht. Doch er ist auch optimistisch: „Physikalisch kann man das 1,5 Grad Ziel des Klimavertrags von Paris noch schaffen. Es gibt Kipppunkte in der Politik, wie der Fall der Mauer gezeigt hat. Insofern habe ich noch Hoffnung.“ Zu den Anwesenden aus der Lokalpolitik sagte Rahmstorf, dass viele Entscheidungen in ihren Händen lägen, wie Installation von Photovoltaikanlagen und Windrädern sowie Veränderungen in der Verkehrsmobilität.

Anzeige

Die Richtung im Kreis Steinfurt stimmt seit langem. Schon im Jahr 2010 hat sich der Kreis – noch vor Bund und Land – das Ziel zur Klimaneutralität bis 2050 gesetzt. Seither hat er viele Projekte angestoßen unter anderem im Bereich Wind- und Solarenergie, Energie aus Biogasanlagen, Begrünung von Dächern, Elektromobilität, energetische Gebäudesanierungen, grüner Wasserstoff etc. Das sei nicht selbstverständlich, dass sich Kommunen und Kreis gemeinschaftlich und noch vor Bund und Land auf den Weg machen, sagte Tina Völker, Referatsleiterin für Klimaschutzpolitik und kommunalen Klimaschutz im NRW-Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie anerkennend. Sie wies auf die Vorbild- und Multiplikatorenfunktion der Kommunen hin und appellierte, dass Klimanetzwerke die möglichen Förderungen nutzen sollten. Auch wenn das mit Bürokratie verbunden ist: „Ich weiß, dass Anträge für EFRE-Mittel Schweißperlen auf die Stirn treiben können. Mein Referat ist da gerne behilflich.“ Auch der Kritik aus dem Publikum zu komplizierten Antragstellungen und der Rahmenbedingungen für Förderungen nahm sie sich an: „Wir sind an das Förderrecht gebunden. Wir wissen um das Problem, haben aber noch nicht die Lösung.“

Die Lösung für den Kreis Steinfurt steht jedenfalls: Der Masterplan Klimaschutz 2.0. Er führt auf, welche konkreten Maßnahmen es bis zur Zielerreichung braucht. Das größte Potenzial schlummert dabei in den Sektoren Strom und Wärme. Gemeinsam mit allen Akteuren wird sich der Kreis Steinfurt damit auf den Weg zur Klimaneutralität machen.

Kommentieren Sie den Artikel

Kommentare ohne Hinweis auf den Verfasser (vollständiger Klarname) oder gar mit vorsätzlich falscher E-Mail-Adresse werden nicht veröffentlicht!

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein