Die Sensation war zum Greifen nahe

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(Foto: Thorsten Fisseler)

Mit 22:23 unterliegt der TV Emsdetten im Heimspiel dem VfL Gummersbach, – dabei hatte es über 55 Minuten nach einer Sensation ausgesehen.

Anfangs konnten die Gäste aus dem Bergischen Land in Führung gehen, 1:0, 2:1, 3:2, doch das war es dann auch schon. Es muss sich für die ganz in blau spielenden Gummersbacher angefühlt haben wie eine Zahn-OP ohne jegliche Narkose. Entweder scheiterten sie am Aluminum oder aber ein überragender Oliver Krechel im Tor des TVE zog ihnen ein ums andere Mal den Zahn. Im gleichem Atemzug gelang den Emsdettenern vorne fast alles. Die Halle tobte. 1.502 Zuschauer, darunter auch ein lautstarker Tross VfL-Fans spürten, dass heute etwas ganz großes passieren könnte: Der fast-Absteiger der letzten Saison stiehlt dem unangefochtenen Tabellenführer und Aufstiegskandidaten in die erste Liga zwei Punkte. Das war den fünf Gegnern zuvor in dieser Saison nicht gelungen.

Anton Runarsson gelingt kurz vor Halbzeitpfiff mit seinem Treffer zum 12:7 die Fünf-Tore-Führung. Die Gummersbacher werden nervös, Hektik kommt auf, ihnen unterlaufen zunehmend überhastete Abschlüsse. Dennoch geht es mit einem 12:8 in die Kabinen. Gäste-Trainer Sigurdsson gesteht später: „Es macht Spaß, wieder vor Zuschauern zu spielen und gerade in dieser Halle hat das Publikum einen enormen Einfluss. Ich musste immer wieder versuchen, Ruhe in meine Mannschaft zu bringen, wir waren in vielen Phasen zu hektisch.“

Nach dem Pausentee ging es dann ähnlich weiter: die ersten Minuten gehörten wieder den Gästen, nur noch 12:10 für die Grün-Weißen. Doch dann kann Gabor Langhans drei Mal einlochen. Kolk, Schliedermann und Schwabe sorgen darüber hinaus mit ihren Treffern dazu, dass der TVE beim 18:12 mit sechs Treffern vorne liegt.

Torhüter Oliver Krechel gelingt es immer wieder, Chancen der Gummersbacher zu vereiteln, jedoch ist auch er kein Übermensch. Das Pech, welches die Gummersbacher, die mit Janko Bozovic einen ehemaligen TVE-Spieler in ihren Reihen hatten, in der ersten Halbzeit mit Pfosten und Latte hatten, war abgeschüttelt, sie konnten immer häufiger verwandeln.

Beim TVE kamen dann einige individuelle Fehler dazu, welche möglicherweise auch auf die schwindenden Kräfte zurückzuführen sind. Es war ein körperbetontes, schnelles Spiel. „Wir wollten den Gegner über 60 Minuten unter Druck setzen.“ So TVE-Trainer Sascha Bertow in einer Stellungnahme im Anschluss an das Top-Spiel.

Plötzlich stand es 19:19, 20:20, 21:21 und 22:22, – die Nerven lagen blank! In der 58. Minute bekommt der TVE dann einen Siebenmeter zugesprochen. Der turnusmäßige Schütze, Dirk Holzner, hatte zuvor bereits verworfen, tritt in so einem Falle kein zweites Mal an. Anton Runarsson nimmt sich die Kugel, versucht es mit einem Lupfer – dieser geht leider nicht nur über den Torwart sondern auch über das Tor. Ein Raunen geht durch die Halle, Unverständnis – „Wie kann man in einer solchen Situation so leichtsinnig mit dem Ball umgehen?“. Wieder wechseln die Angriffe. Ausgerechnet Janko Bozovic kann das Leder dann 8 Sekunden vor Schluß noch einlochen. Führung für den VfL Gummersbach. Der TVE versucht dann bereits nach ertönter Schlußsirene durch Freiwurf nochmal den Ausgleich zu erzwingen, doch das Unterfangen versiegt hoffnungslos.

Spielerisch sicherlich ein Glanzpunkt in dieser Saison. Herausragende Leistungen von Oliver Krechel, Robin Jansen, Jakob Schwabe (!). Die gesamte Mannschaft bot eine sehenswerte Leistung. Dass es so spannend werden könnte, damit hatte im Vorfeld wohl niemand gerechnet. Das lässt aber für künftige Spiele hoffen.

Gudjon Valur Sigurdsson, Trainer des VfL Gummersbach in einer anschließenden Stellungnahme: „Wir sind der glückliche Gewinner einer erwartet schweren Partie. In der ersten Halbzeit hat unser Angriff eine katastrophale Leistung geboten. Uns gelang es zu keiner Zeit, Robin Jansen in den Griff zu bekommen. Mit den zwei Punkten sind wir natürlich sehr zufrieden. Auch, wenn der Sieg für uns eigentlich nicht verdient war. Ein Kompliment an meine Mannschaft, dass sie bis zum Schluss so hoch motiviert war und am Ende das Ding noch drehen konnte.“

Sascha Bertow zeigte sich dann doch enttäuscht, dass es nicht wenigstens zu einem Punkt gekommen ist.

Torhüter Oliver Krechel brachte es auf insgesamt 14 Paraden
Yannick Terhaer blieb bei seinen Einsätzen leider torlos
Darko Dimitrievski ebenfalls ohne Treffer
Jakob Schwabe   6 Tore, 1 Gelbe Karte
Paul Kolk   1 Tor, 1 Zeitstrafe
Marcel Schliedermann   1 Tor
Dirk Holzner   1 Tor
Robin Jansen   7 Tore, 1 Zeitstrafe
Rene Mihaljevic   1 Tor
Anton Runarsson   1 Tor
Gabor Langhans   4 Tore, 2 Zeitstrafen
Maximilian Nowatzki   ohne Treffer, 1 Zeitstrafe

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