Der Wähler hat entschieden – AllesDetten kommentiert!

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Es kommentiert für Sie: Manfred Schwegmann

(Foto: Chr. Drab)

Die Wähler haben sich für ein „Weiter so“ statt „Chefsache“ entschieden. Nach dem unerwarteten Gewinn aller Wahlkreise und somit 19 Direktmandaten wäre der Bürgermeistertitel für die CDU das Häubchen auf der Sahnetorte gewesen, so aber musste die Partei und insbesondere Daniel Hellwig persönlich eine bittere Niederlage einstecken. Dass man hier „auf die falschen Themen gesetzt“ hat kann man so nicht stehen lassen. Die CDU hat einen derart engagierten Wahlkampf geführt, wie wahrscheinlich nie zuvor. Auch thematisch sind praktisch alle Bereiche abgedeckt worden. Und wenn man es dann doch auf die Themen schieben möchte, dann waren es die Inhalte, bei denen die beiden Kandidaten zuletzt durchaus kontrovers unterwegs waren.

Das Wahlergebnis muss jetzt analysiert werden. War das möglicherweise nicht trotz sondern wegen des Wahlkampfes? Vielleicht war der Wahlkampf der CDU zu sehr auf Demontage des Amtsinhabers ausgerichtet. Viele Dinge wurden schlechtgeredet, obwohl man sie doch bei den vielen einstimmigen Entscheidungen mitgetragen hat. Bei den Wählern kam der Eindruck an, dass die propagierte Ehrlichkeit äußerst wacklig ist. Statt offen und ehrlich etwas zuzugeben, wurde drumherum geredet.

Vielleicht war der sicherlich kräftezehrende Wahlkampf too much – man muss nicht auf jeder Hochzeit tanzen. Vielleicht war es das persönliche Auftreten, der politische Alltag oder auch der Umstand, dass versucht wurde bzw. man den Versuch zugelassen hat, von Außen manipulativ Einfluss zu nehmen. Irgendwie hatte man immer den Eindruck, die CDU will dem Wähler jetzt einhämmern, was er gefälligst zu wählen hat.
Wie auch immer, die CDU muss jetzt eingestehen, dass in dem ehemals schwarzen Emsdetten sich jetzt zum zweiten Male der eigene Bürgermeisterkandidat nicht durchsetzen konnte. Der Parteivorstand rund um den Ortsvorsitzenden Hanno Moers wird das selbstkritisch aufarbeiten müssen.

Für Daniel Hellwig persönlich ist das ein schwieriger Moment und ihm gehört unser voller Respekt, sich überhaupt für die Wahl zur Verfügung gestellt zu haben, auch das hat Emsdetten gut getan. Demokratie lebt vom politischen Diskurs. Hellwig, der ja zuvor das Direktmandat aus dem Wahlbezirk 19 „Kiek in“ gewinnen konnte, ist natürlich weiterhin Ratsmitglied, strebt an, seine politische Arbeit als Vorsitzender der CDU-Fraktion fortzusetzen, – die Wiederwahl dürfte reine Formsache sein.

Fairer Handschlag nach Auszählung aller Stimmbezirke.
(Foto: Drab)

Bei der Kommunalwahl 2020 hat man viel zu lange den Fehler woanders gesucht, ließ jede Eigenreflexion vermissen, diesen Fehler darf man nicht nochmal machen.

Auch darf die CDU jetzt nicht den Fehler machen, den Bürgermeister ärgern zu wollen. Der Wähler hat ganz bewußt mit dem Wissen, dass die CDU mit 19 Sitzen die stärkste Fraktion stellt, dem Gremium einen grünen Bürgermeister vorangestellt. Zusammenarbeit ist jetzt das Gebot der Stunde. Kooperation statt Konfrontation. Zusammenarbeit zum Wohle der Stadt Emsdetten, und das nicht scheinheilig sondern ehrlich.

Der Wahlkampf von Oliver Kellner hingegen war inhaltlich thematisch ganz auf das ausgelegt, was er in den schwierigen Zeiten seit seinem Amtsantritt im November 2020 bewältigen musste und bewältigt hat. Kellner war zuversichtlich, dass die Bürger seine Arbeit schätzen und hat alles auf eine Karte gesetzt, wäre er heute nicht erfolgreich gewesen, hätte er auch sein Ratsmandat verloren.
Kellner muss jetzt aber auch liefern. Er hatte fünf Jahre Zeit, die übernommenen Altlasten seines Vorgängers auszuräumen. Seine von (von außen einwirkenden) krisengeprägte Probezeit ist vorbei. Jetzt muss er gestalten und das mit einem Rat, wo er die stärkste  Fraktion (bislang Die Grünen) nicht mehr im Rücken hat, sondern wo die neue stärkste Fraktion (CDU) erklärt hat, ihn (vorsichtig formuliert) genau zu beobachten.

Der neue Rat hat eine nie dagewesene Größe erreicht. Das ist zunächst mal ein immenser Kostenfaktor, den Emsdetten in den kommenden fünf Jahren Jahr für Jahr in der sowieso schon schwierigen finanziellen Lage mitschleppen muss.

Das Team von AllesDetten und ich persönlich gratulieren allen gewählten Ratsmitgliedern und dem Bürgermeister. Wir bedanken uns bei allen, die sich zur Wahl gestellt haben.
Allen, die sich in den kommenden fünf Jahren der Verantwortung für unsere Stadt stellen, gehört der Respekt der Bürgerschaft gezollt, sie sollten sich aber auch allesamt bewusst sein, dass man diesen Respekt schnell wieder verlieren kann. Wir werden die politischen Sitzungen begleiten, beobachten und darüber berichten.

Manfred Schwegmann

3 Kommentare

  1. Sehr gut auf den Punkt gebracht!
    Nicht der, der alles zur „Chefsache“ macht, kann heute punkten, sondern eher jemand, der den Mitarbeitern kollegial vertraut und den Menschen ehrlich gegenübertritt! Ganz herzlichen Glückwunsch an Oliver Kellner!

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