Der Kreis Steinfurt möchte die Kinder auch während des Lockdown geschützt wissen

0
301
Anja Tewes (rechts) und Sylvia Egelkamp sind gerne ansprechbar für die Bürgerinnen und Bürger im Kreis. (Foto: Dorothea Böing)

„Corona ist auch ein Brennglas.“ Anja Tewes, Sachgebietsleiterin Sozialpädagogische Dienste im Kreisjugendamt Steinfurt, und Sylvia Egelkamp, Pädagogische Leitung der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland, meinen hiermit beispielsweise Probleme in Familien, die sich durch die Lockdowns verschärft haben. „Ebenso treten bei all den durch Corona erhöhten Einschränkungen für Familien Belastungen an die Oberfläche, die schon lange schwelten“, sagt Sylvia Egelkamp. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen, die nachts und am Wochenende im Krisendienst für den Kreis Steinfurt arbeiten, denken zum Beispiel an Mütter oder Väter, die durch Corona mit finanziellen Sorgen konfrontiert sind, die Betreuung ihrer Kinder zuhause sicherstellen und den Schulalltag auffangen müssen.

Der Druck der dabei entsteht, ist nicht selten groß, so die Einschätzung von Anja Tewes. Die Familien verbringen aufgrund des Lockdowns in vielen Fällen deutlich mehr Zeit als sonst miteinander und das manchmal auch auf engem Raum: „Nicht jede Familie hat ein Haus mit Garten – auch nicht im ländlichen Kreis Steinfurt“, bringt es Egelkamp auf den Punkt.

Auch im Kreisjugendamt wird Corona als gesellschaftliche Herausforderung angesehen: Anja Tewes berichtet, dass sie im vergangenen Jahr einen leichten Anstieg der gemeldeten Fälle im Kinderschutz beobachtet hat. Auffällig sei, dass das Meldeverhalten wellenförmig war und mit den Lockdowns jeweils zurückging. Ein scheinbarer Widerspruch, denn: „Gerade in den Zeiten der Lockdowns, mit zum Teil geschlossenen Schulen und Einrichtungen der Kindertagesbetreuung, war die Belastung in den Familien ja besonders hoch“, sagt die Sachgebietsleiterin des Kreisjugendamtes. Sie und Sylvia Egelkamp von der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland haben sich im vergangenen Jahr mit ihren Kolleginnen und Kollegen dafür stark gemacht, dass Kinder, Jugendliche und Familien ihre Ansprechpersonen nicht verlieren. Vorteilhaft ist hier die enge Verbundenheit zu den Kooperationspartnern, Kitas, Kindertagespflegen und Schulen im Kreisgebiet, so Tewes. Diese Institutionen gehören zu den wichtigsten Pfeilern im Kinderschutz, da sie die Kinder und Jugendlichen regelmäßig sehen.

„Deshalb: Bitte lieber einmal zu viel als einmal zu wenig bei uns anrufen!“, appelliert Tewes auch an die Bürgerinnen und Bürger im Kreisgebiet. „Wir halten alle unsere Angebote aufrecht und sind da, wenn jemand Unterstützung benötigt.“ Das müsse auch nicht immer der Notfall sein, denn es gebe viele Möglichkeiten, Unterstützung und Beratung anzubieten. Beispielhaft benennt Anja Tewes, dass die Beratungsstellen auch im Lockdown ihre Angebote vorhalten und mit Video- und Telefonkontakten sowie Spaziergängen neue Wege gehen. „Darüber hinaus haben wir auch über Weihnachten und den Jahreswechsel eine telefonische Beratung angeboten“, so Tewes. Menschen, die selbst Unterstützung benötigen oder aber sich Sorgen um andere machen, können sich an das Kreisjugendamt unter der Telefonnummer 0 25 51 / 69 – 23 05 wenden.

Auch wenn Corona eines Tages Geschichte sein sollte, werden die Folgen dieser besonderen, herausfordernden Zeit in den Familien noch länger sichtbar sein, sind Anja Tewes und Sylvia Egelkamp überzeugt: „Die Kinder haben dann für anderthalb oder vielleicht sogar zwei Jahre eine andere Entwicklung gemacht als sonst“, meinen beide. Ihnen fehle beispielsweise auch die Zeit in Sportvereinen und in Angeboten der offenen Kinder- und Jugendarbeit und das nicht nur wegen der körperlichen Fitness, sondern auch wegen der sozialen Kontakte. „Aufgrund des Lockdowns sind die Familien sehr viel in ihrem Zuhause – wir müssen schauen, dass sie später hier auch wieder rauskommen und in ihren vorherigen Alltag zurückfinden“, sagt Egelkamp. Aktuell gebe es bereits erste Überlegungen, welche Angebote Kinder, Jugendliche und Familien benötigen, um bald auch den persönlichen Lockdown zu beenden und wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein