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Samstag, Juli 18, 2026
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Das ist Wagenbaukunst in höchster Vollendung

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Dieser Piepmatz ist Symbol des Oldenzaaler Stadtprinzen (Foto: Schwegmann)

Westumer Karnevalisten besuchen befreundeten niederländischen Karnevalsverein in Oldenzaal und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus

Wenn es Karneval auch auf einem anderen Planeten gibt, dann haben Detti und Kasematuckel auf alle Fälle Wagenbau vom anderen Stern erlebt. Gut 60 Westumer Karnevalisten und Karnevalistinnen, Vertreter von Elferrat, Wagenbau, Karnevalskomitee, Vorstand und Kinderkarneval zeigten sich schon sehr beeindruckt, dass der Umzug und damit der Straßenkarneval in den Niederlanden einen so großen Stellenwert hat. Mit dem närrischen Schelm im Nacken wurde die Emsdettener Delegation dann auch im „Mekka des europäischen Karnevals“ begrüßt. Dass an jeder Narretei aber immer auch ein Fünkchen Wahrheit zu finden ist, dass sollte sich dann später noch herausstellen.

Der Karnevalsumzug in Oldenzaal findet traditionell am Karnevalssonntag statt und ist mit 4,5 km nur unwesentlich länger als sein Pendant am Rosenmontag in Emsdetten. 18 – 20 große Wagen nehmen teil, insgesamt 3.000 bis 5.000 Menschen sind in den Fuß- und Musikgruppen unterwegs, annähernd 100.000 Zuschauer stehen an den Straßen und feiern die Bauwerke. Einige davon nehmen am Rosenmontag beim Lindwurm der Freude in Münster teil.

Wenn eben von 18-20 großen Wagen die Rede war, so sind damit auch tatsäclich nur die großen gemeint, denn diese haben, neben weiteren „überschaubareren  Beiträgen“ durchaus gigantische Ausmaße, allein der Wagen des Stadtprinzen misst eine Länge von 15 Metern und hat ein Höhenmaß von 12 Metern. Die Fahrerkabinen sind dabei derart in den Aufbauten integriert, dass sie von außen häufig nicht erkennbar sind.

Je mehr Technik desto besser!

Grundsätzlich gilt: Je mehr Technik, desto besser! Auf den Karossen bewegt sich alles, wobei einfach nur drehen schon fast langweilig erscheint: Es muss schon hydraulisch in die Höhe gefahren werden um in schwindelerregenden Regionen weiter zu rotieren. Die Gondel des Stadtprinzen beispielsweise lässt sich komplett zur Seite drehen, so dass dieser mal über den Zuschauern auf der rechten Straßenseite thront und nach einem 180°-Schwenker sein närrisches Volk zur Linken begrüßt. 50 Personen finden auf dem Wagen zwischen Turm mit Prinzengondel und einem überdimensionalen Dirigenten Platz. Der Dirigent macht natürlich das, was ein Dirigent tun soll: er gibt seinen Musikern den Takt an. Das heißt in diesem Fall, die Figur bückt und erhebt sich wieder, dreht sich den verschiedenen Musikergruppen zu und gestikuliert mit den Armen.Die Musiker sind seitlich am Wagen angebracht und selbstverständlich steckt auch hier eine Menge „maschinelles Leben“ drin.
Neben der ganzen Technik begeistert auch die detailverliebte künstlerische Gestaltung. Zudem sind die Motive durchweg zeitlos, haben keinen aktuellen oder lokalen Bezug. Dass die naturgetreu dargestellten Tauben, die an der Rückfront des Prinzenwagens dargestellt sind sich aktuell auch auf dem Emsdettener Prinzenwagen ganz gut machen würden, ist wohl eher Zufall.

Neue Halle für 1,5 Mio € in Planung

Die Westumer Karnevalisten haben zunächst die Halle besichtigt, in der die sechs Oldenzaaler Karnevalsvereine ihre „Schiffe“ bauen. Diese Hallen sollen nach fast 60 Jahren jetzt abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. 1,5 Millionen Euro sind dafür veranschlagt und da das Zusammensetzen der Elemente mit einem Kran außerhalb der Halle bislang immer sehr aufwendig war, soll die Halle sofort eine dreigeschossige Höhe erhalten.

Bereits am Wochenende nach Karneval fallen die tonnenschweren Stahlkonstruktionen dem Schneidbrenner zum Opfer, werden verschrottet und direkt danach die Ideen für das nächste Jahr zu Papier gebracht und dann wird auch zeitnah mit dem Bau begonnen. Müssen die Wagen doch direkt nach Fertigstellung in eine Lagerhalle verbracht werden, damit der Werkplatz frei wird für das nächste karnevalistische Kunstobjekt.

Allein der Wagen des Oldenzaaler Stadtprinzen verschlingt 35.000,– € Material- und Herstellungskosten. insgesamt dürften die Kosten somit weit im sechsstelligen Bereich liegen.
Eine einzige Sponsorentafel auf einem Wagen zeigt den Menschen am Straßenrand, wem sie dieses bunte Spektakel zu verdanken haben.

Abschließend konnten die Westumer Karnevalisten dann noch in der Residenz der „Glasbloazers“ hautnah den niederländischen Kneipenkarneval erleben.

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