Klimaschutz und Energiewende geraten angesichts globaler Krisen immer wieder in den Hintergrund. Doch steigende Energiepreise, unsichere Märkte und auch die zunehmenden Extremwetterereignisse zeigen deutlich: Die Energiewende vor Ort ist entscheidend, um unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden, Treibhausgase zu vermeiden und unsere Region lebenswert und zukunftsfit zu gestalten. Was die Energiewende für den Kreis Steinfurt konkret bringt, zeigt der energieland2050 e. V. in seiner Sommerserie und wirft dabei einen Blick auf Entwicklungen, Projekte und Chancen direkt vor unserer Haustür.
Wenn über die Energiewende gesprochen wird, stehen häufig Windkraftanlagen, Investitionen in die Infrastruktur oder politische Entscheidungen im Mittelpunkt. Ein wesentlicher Teil der Umsetzung findet jedoch unmittelbar vor Ort statt: Durch die Betriebe des regionalen Handwerks. Ob Beratung, Planung, Installation von Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen, der energetischen Sanierung von Gebäuden, dem Einbau von Wallboxen oder die anschließende Wartung oder Reparatur – qualifizierte Handwerkerinnen und Handwerker sorgen dafür, dass aus politischen Zielen und Förderprogrammen konkrete Aufträge werden. Damit ist das Handwerk ein wichtiger Partner bei der praktischen Umsetzung der Energiewende.
Im Kreis Steinfurt wird diese Rolle bereits seit Jahren sichtbar. Sieben Innungen sowie die Betriebe und die Kreishandwerkerschaft Steinfurt Warendorf sind Mitglieder im energieland2050 e.V., dem regionalen Netzwerk für die Energiewende. Gemeinsam mit weiteren Akteuren aus Wirtschaft, Bildung, Politik und Gesellschaft setzt sich das Netzwerk dafür ein, die Energiewende im Kreis Steinfurt voranzubringen und die unterschiedlichen Beteiligten miteinander zu verknüpfen.
„Energiewende findet nicht auf den Schreibtischen und in Diskussionsrunden statt, sondern in den Häusern, auf dem Dach und in den Kellern. Ohne qualifizierte Meisterbetriebe und gut ausgebildete Handwerkerinnen und Handwerker lassen sich die notwendigen Maßnahmen nicht umsetzen“, sagt Frank Tischner, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Vereins energieland2050.
Die Entwicklung ist nicht nur unter Klimaschutzaspekten relevant. Die Energiewende eröffnet dem regionalen Handwerk speziell im Kreis Steinfurt zusätzliche Geschäftsfelder und schafft Perspektiven für Beschäftigung, Ausbildung und Qualifizierung. Fachkräfte werden benötigt, um Gebäude energetisch zu modernisieren, Heizsysteme umzustellen, Photovoltaikanlagen zu installieren oder Ladeinfrastruktur aufzubauen.
Damit verbindet sich die Energiewende mit einer weiteren zentralen Aufgabe des Handwerks: der Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Gerade jungen Menschen bietet das Handwerk die Möglichkeit, unmittelbar an Zukunftsthemen mitzuwirken und dabei einen qualifizierten Beruf mit langfristigen Perspektiven zu erlernen.
„Das Handwerk bietet zukunftssichere Arbeitsplätze und eröffnet jungen Menschen die Möglichkeit, sich beruflich mit Themen wie Energieeffizienz und Klimaschutz auseinanderzusetzen. Dafür braucht es Menschen mit praktischem Können, Fachwissen und Erfahrung. Diese Kompetenzen finden sich in den Handwerksbetrieben vor Ort und in der Region“, so Tischner weiter.
Auch neue Technologien wie Künstliche Intelligenz können die Betriebe künftig unterstützen. Denkbar sind beispielsweise Anwendungen in der vorausschauenden Wartung oder bei der Planung und Optimierung von Arbeitsabläufen. KI kann damit dazu beitragen, Prozesse effizienter zu gestalten und Fachkräfte bei ihrer Arbeit zu unterstützen.
Welche wirtschaftliche Bedeutung die Energiewende für die Region bereits heute hat, zeigen auch die Investitionen in energetische Sanierungen. Allein über die bekannten Förderprogramme der KfW Bank wurden im Jahr 2025 im Kreis Steinfurt rund 4.000 Maßnahmen zur Gebäudesanierung mit insgesamt laut KfW-Förderreport rund 55 Millionen Euro unterstützt.
Hinzu kommen weitere Förderungen, unter anderem für den Einbau von Wärmepumpen. Je nach Maßnahme und Fördervoraussetzungen können dabei jeweils rund 10.000 bis 15.000 Euro an Förderung zusammenkommen. Ergänzt wird dies durch Investitionen von privaten Haushalten und Unternehmen in Energieeinsparung, erneuerbare Energien und eine effizientere Energieversorgung.
„Die Energiewende ist für das Handwerk im Kreis Steinfurt eine große Chance. Sie verbindet Klimaschutz mit wirtschaftlicher Entwicklung, sichert Aufträge und Beschäftigung und eröffnet zusätzliche Möglichkeiten für Ausbildung und Qualifizierung. Gleichzeitig bleibt die Wertschöpfung vielfach in der Region“, betont der stellvertretende Vorstandsvorsitzender des Vereins energieland2050.
Frank Tischner, die Innungen und die Handwerksbetriebe im Kreis Steinfurt sehen sich daher als festen Bestandteil des Netzwerks und unterstützen dessen Ansatz, die verschiedenen Akteure der Energiewende zusammenzubringen. Ziel ist es, Wissen zu vermitteln, Kooperationen zu fördern und konkrete Maßnahmen vor Ort anzustoßen.
Der Ansatz findet inzwischen auch über den Kreis Steinfurt hinaus Beachtung. Das Konzept des energieland2050 stößt mittlerweile auch national und international auf Interesse. Anfragen gibt es unter anderem aus Ländern wie Mosambik, Ägypten und Südafrika.
„Uns erreichen viele Nachfragen zu dem Kooperationsgedanken von Wirtschaft, Bildung, Endverbrauchern und Politik. Es freut mich, dass ich als stellvertretender Vorsitzender des Vereins das Konzept, die Idee und auch konkrete Umsetzungsmaßnahmen in andere Länder tragen und damit als Multiplikator Erfahrungen aus unserer Region weitergeben kann“, unterstreicht Frank Tischner.
Die Energiewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Wenn Wirtschaft, Politik und Bürgerinnen und Bürger zusammenarbeiten, können Investitionen, Fachwissen und regionale Kompetenzen gebündelt werden. Davon profitieren sowohl die Umsetzung der Energiewende als auch die wirtschaftliche Entwicklung der Region.
Das Ziel des Netzwerks im energieland2050 e.V ist deshalb, die verschiedenen Akteure zusammenzubringen, für die Chancen der Energiewende zu sensibilisieren und sie zur aktiven Mitgestaltung zu bewegen. So kann die Energiewende im Kreis Steinfurt nicht nur zum Fortschritt beim Klimaschutz beitragen, sondern zugleich die regionale Wirtschaft stärken und langfristige Perspektiven für Unternehmen und Beschäftigte schaffen.
Alle Informationen zum Verein, seinen Angeboten und zur Mitgliedschaft finden Interessierte H I E R




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