Darf man mit Kindern noch nach draußen gehen?

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(Foto: Joanna Puzik)

Gestern wurde beschlossen, dass Menschenansammlungen mit mehr als zwei Personen untersagt sind, Verstöße sollen strickt geahndet werden. Es drohen Bußgelder und Freiheitsstrafen. Ausgenommen sind Familien und Menschen, die unter einem Dach zusammenleben. Aber was bedeutet das konkret? Darf ich mit meinen Kindern noch nach Draußen gehen oder mit dem Hund Gassi? Hier gibt es eine kurze Antwort von AllesDetten.

Vergangene Woche wurden zur Eindämmung des Corona-Virsus allerhand Verordnungen und Einschränkungen auf den Weg gebracht. Auf die Schließung der Schulen- und Kitas folgte schnell auch die Sperrung sämtlicher Spiel- und Bolzplätze, um die Übertragung durch spielende Kinder zu verlangsamen. Normalerweise tummeln sich viele Jugendliche und Kinder auf der Anlage an der August-Heeke-Straße, auf dem Spielplatz an der Heinrich-Heine Straße oder auf dem „Hollinger“. Es sind einsame Zeiten angebrochen auch für den Esel im Stadtpark. Emsdetten hat offiziell 46 Spielplätze, die im Umland mitgerechnet – alle gesperrt. Aber welche Alternativen gibt es noch?

Ist spazieren gehen noch erlaubt?

Generell gilt, um die Ausbereitung zu verlangsamen, ist es am Besten nicht so oft aus dem Haus zu gehen. Solange man selbst aber nicht unter Quarantäne steht und es noch keine Ausgangssperre gibt, darf man natürlich noch vor die eigene Haustür. Bewegung an der frischen Luft ist für alle gut. Das sagt auch der Chefvirologe Christian Dorsten von der Berliner Charité. Er selbst berichtete in einem Podcast für den NDR, Anfang der Woche, dass er versuche mit seinen Kindern noch rauszugehen. Es spreche nichts gegen einen Spaziergang im Freien, man sollte aber vermeiden Freunde und Bekannte zu treffen. Zudem sei es wichtig sich auf die eigenen Kinder und den Partner (oder die WG-Mitbewohner) zu beschränken, also diejenigen, die sowieso mit einem selbst unter einem Dach wohnen. Treffen von ganzen Krabbelgruppen, wie sie vergangene Woche im Kreis Steinfurt noch beobachtet wurden, sind seit gestern Nacht strikt untersagt, auch im privaten Umfeld. Wir sollten keine neuen Kontaktketten bilden, vorhandene soziale Kontakte runterschrauben und zu Hause bleiben.

Eine gute Lösung ist zum Beispiel ein Spaziergang oder eine kleine Radtour nach dem Frühstück, wenn die meisten ohnehin in der Arbeit oder im Homeoffice sind. Für eine Stunde raus ins Venn, den Brook oder zu den Ems-Wiesen… Eine Runde Joggen oder mit dem Hund raus bleibt weiterhin erlaubt. Selbst in Spanien ist das trotz offizieller Ausgangssperre noch möglich, betonte der Ministerpräsident Petro Sanchez in den Abendnachrichten am Freitag. Wichtig ist nur, dass wir uns einschränken, allein (maximal im engen Familienkreis) unterwegs sind und auf einen ausreichenden Abstand von mindestens zwei Metern zu anderen Personen achten.

Ausgenommen ist, wer bereits unter Quarantäne steht oder nachweislich erkrankt ist, dann ist der Kontakt nach Draußen strikt untersagt, hier hilft nur viel lüften und Abstand zu anderen. Wer einen Hund hat, sollte diesen für die Quarantänezeit am Besten abgeben, wenn möglich. Die Wahrscheinlichkeit, dass Tiere den Virus übertragen sei laut Tierarzt Oliver Poscich relativ gering, schreibt das Lifestylemagazine Brigitte.

Warum es noch keine Ausgangssperre gibt?

Wenn wir Menschen dauerhaft in den eigenen vier Wänden eingesperrt sind wird es schwer das psychologisch auszuhalten, warnt Virologe Alexander Kekelé vom Institut für medizinische Mikrobiologie an der Matin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Das sei auch der Grund, warum die Politiker auf eine komplette Ausgangssperre verzichten möchten. Man möchte Senioren nicht in völlige Isolation bringen und auch familiäre Streitigkeiten, die in solchen Situationen schnell ausbrechen vermeiden, sagte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) im Spiegelinterview Mitte der Woche.

Kann man sich draußen anstecken?

Spazieren gehen oder schnelle Besorgungen machen ist okay, sonst gilt es zu Hause bleiben. Heißt das, dass ich mich draußen mehr anstecken kann? Gefährlich sind nur große Menschenansammlungen, was auch der Grund ist, warum die Personenzahlbeschränkung auf maximal zwei Menschen verschärft worden ist. Was nicht bedeutet, dass wir uns bei einer Begegnung auf der Straße oder dem Supermarktparkplatz direkt anstecken. Im Freien zirkulieren die Viren nach derzeitigen Erkenntnissen nur wenige Minuten als Tröpfchen in der Luft und fallen dann zu Boden. „Es ist nicht so, dass man sich beim Spazierengehen, wenn man sich begegnet, infiziert“, erklärte der Charité Virologe Christian Dorsten der Reporterin Corinna Henning im NDR Podcast am Freitag. Bleiben die Viren jedoch an Oberflächen hängen, was in Innenräumen zwangsläufig passiert, sei die Ansteckungsgefahr um ein Vielfaches höher. Die Halbwertzeit auf Plastik liegt schätzungsweise bei neun Stunden, berichtet Christian Drosten. An die frische Luft gehen ist deshalb in vielerlei Hinsicht eine gute Idee und im Moment das Beste, was man machen kann. Statt Bus fahren z.B. laufen oder das Rad nehmen oder zum Supermarkt zu joggen, der eigenen und der Gesundheit der Mitmenschen zur Liebe, sagt der Chefvirologe.

Im Wald und auf Feldwegen gibt es wenige Oberflächen, auf denen sich die Viren festsetzen können. Ein Sicherheitsabstand ist dennoch geboten, denn auch dort können uns Personen begegnen, die sich in der Inkubationszeit befinden, d.h. sich bereits angesteckt haben aber (noch) keine Symptome zeigen. Das bedeutet wir sollten unsere Joggingstrecke oder den Spazierweg mit unseren Kindern mit Bedacht wählen und uns darauf vorbereiten.

Eine Halbe Stunde an der frischen Luft ist für viele Eltern dieser Tage Gold wert. Es hält die Abwehrkräfte fit und sorgt für einen klaren Kopf. Dennoch sollten wir einige Verhaltensregeln beachten. (Foto: Joanna Puzik)

Wie Eltern die kurze Zeit im Freien maximal nutzen können?

Um den Spaziergang mit den Kindern weitestgehend zu nutzen, können wir uns für die Kleinen für unterwegs kleine Rätselaufgaben oder eine Art Schnitzeljagd überlegen. Das bringt sie und uns auf andere Gedanken und beschäftigt den Nachwuchs mitunter bis in den späten Nachmittag. Mögliche Aufgaben könnten sein, z.B. ein Ahornblatt zu finden oder ein Foto von einem niedlichen Wald- oder Gartenbewohner zu machen. Als Belohnung können wir Tiersticker oder Ausmalbilder als Nachmittagsbeschäftigung ausdrucken. Oder ihr bastelt im Nachhinein richtige „Waldentdeckerabzeichen“. Zur Vorbereitung können Eltern in der eigenen Büchersammlung oder im Internet ein wenig über das Waldleben, oder die lokalen Besonderheiten informieren. Eingefleischte Emsdettener kennen sie, aber neu Hinzugezogene Familien finden beispielsweise auf der Seite: outdooractive.de schöne Spazier- und Wanderrouten in der Region, um Emsdetten, Saerbeck und Mesum.

Wenn der Waldausflug nicht möglich oder der Zutritt zu bestimmten Grünanlagen untersagt ist, kann natürlich auch der eigene Garten als Erkundungsfeld dienen – für die Glückspilze, die einen haben. Was ihr dort oder alternativ in der Wohnung mit euren Kindern anstellen und bauen könnt, erfahrt ihr in unserem nächsten Beitrag, also bleibt uns treu.

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