Blumenstraße entwickelt sich zum Politikum

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Was Technischer Beigeordneter Martin Dörtelmann in der gestrigen online-Sitzung des Ausschusses für Infrastruktur (AI) mahnend als abschließenden Hinweis verstanden wissen wollte, soll hier gleich den Anfang machen: „Das Kombibad an der Blumenstraße soll im Oktober fertiggestellt und eröffnet werden, die Fertigstellung der zuführenden Straße sollte somit auch bis dahin erfolgt sein.“

Die Stadtverwaltung stellte bereits zu Beginn der Woche im Ausschuss für Klima, Umwelt und Mobilität die Pläne der möglichen Umgestaltung der Blumenstraße zwischen Parkplatz Kombibad und Kreuzung Südring/Holtkamp/Gustav-Wayss-Straße vor. Wir erinnern uns: Der obere Teil der Blumenstraße bis zur Neubrückenstraße soll in diesem Jahr testweise als Fahrradstraße ausgewiesen werden. Sie wäre dann lediglich für Anlieger frei, so dass nur Bewohner der Straße diese tatsächlich mit dem Auto befahren dürften. Die Radfahrer sind bevorrechtigt.

Der derzeit bestehende Geh-/Radweg entlang der Ackerflächen auf der gegenüberliegenden Seite des Stadtparks soll auf die Seite des Stadtparks verlegt werden. Wegen neu einzurichtender Bushaltestellen müssen möglicherweise zwei Eichen abgeholzt werden, diese tatsächliche Notwendigkeit wird aber noch geprüft. Die Birkenhecke entlang des Radweges wird abgeholzt, weil hier die neue Fahrbahn verläuft. Im Kreuzungsbereich muss eine Eiche dran glauben. Insgesamt aber werden 17 neue Bäume gepflanzt, wovon sieben mobil sind. Zum Double Ultra Triathlon könnten diese beiseite geräumt werden.

Für die Politik ist die Umgestaltung in einer Art wünschenswert und notwendig, nicht verstanden wird aber, dass die Blumenstraße dann nicht durchgängig als Fahrradstraße eingerichtet wird. Anke Hackethal (SPD) sieht in dem vorliegenden Entwurf keinen Sinn und führt dieses auch aus. Rolf Ohde (Die Grünen) kann ihr da beipflichten. Christoph Huesmann (Die Linke) erkennt, dass die „mobilen Bäume“ aufgestellt werden, um den Kfz-Verkehr zu bremsen, warnt aber gleichzeitig davor, dass an diesen Engstellen es für Radfahrer gefährlich wird. In einem Teil der Straße müssen die Autos sich unterordnen, im anderen Teil, genau in Höhe des Kombibades soll dieser Status plötzlich geändert werden.
Stefan Schwamborn (Die Grünen) wirft den Stadtplanern vor, sich hier an Uraltrezepten zu orientieren, wenn man beispielsweise nur einen Blick in die Niederlande werfen würde, könnte man da sehr schnell erkennen, wie Fahrradstraßen sinnvoll angelegt werden.

CDU-Ratsherr Stefan Ahmann merkte an, dass er noch am Nachmittag um 15 Uhr vor Ort war und während einer Stunde etwa 100 Autos aber lediglich einen Radfahrer gezählt hätte.
Maria Koordt (sachkundige Bürgerin der CDU) bedankte sich zunächst für die ausführliche und detaillierte Sitzungsvorlage sowie die Ergänzungsvorlage, die ebenso ausführlich auf Veranlassung des SPD-Antrages in nur zwei Tagen erstellt worden sei. Koordt machte darauf aufmerksam, dass die Zahlen ihres Parteikollegen sicherlich nicht repräsentativ seien. Das Kombibad ist in der Bauphase, die Tennishalle coronabedingt geschlossen, Publikumsverkehr findet da derzeit praktisch nicht statt. Zudem ist mitten am Nachmittag nicht der Zeitpunkt, wo zusätzlicher Radverkehr durch die Mitarbeiter der angrenzenden Industriegebiete herrscht.

Die ungleiche Behandlung zweier Teile ein und der selben Straße dürfte unweigerlich dazu führen, dass das Projekt „Fahrradstraße“ zum Scheitern verurteilt ist. Kfz-Verkehr vom Südring und Holtkamp in die Blumenstraße zu lenken, die dann aber plötzlich auf halber Strecke, ohne Wendemöglichkeit, vor die Tatsache gestellt werden „ab hier nur noch Anlieger frei“ dürfte wenig Aussicht auf Erfolg haben. Der Schleichweg wird weiterhin genutzt und weil er eben abkürzt, vermutlich auch mit entsprechendem Tempo durchfahren.

1 Kommentar

  1. Die Verwaltung muss sich trotz Ihrer neu zutage gelegten Sensibilität die Frage stellen lassen,warum sie keinen ganzheitlichen Entwurf von der Neubrückenstrasse beginnend bis zum Südring vorlegt.Das eine Strecke dann in Teilbereichen abgearbeitet wird ist normal, aber der Bürger kann dann gewisse Gedanken nachvollziehen. Es wurde über fließenden Verkehr,Radfahrer und Fußgänger gesprochen ignoriert wurde das noch ausstehende Urteil vor dem Verwaltungsgericht Münster zum Thema fehlender Parkplätze und ignoriert wurde das neu entstandene Probleme Ecke Erikastr/Blumenstrasse bedingt durch den „geöffneten „Spielplatz. Ganzheitliche Konzepte sind hier gefragt und nicht ein zeitliches Wettrennen um eine Öffnung eines Bades.

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