„Bericht aus einer anderen Welt“ – Stroetmanns Fabrik zieht Fazit

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So fing Ulrike Wachsmund, Geschäftsführerin von Stroetmanns Fabrik, EMS-Halle und Galerie Münsterland ihren Jahresbericht 2019 an, den sie jetzt im Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit vorstellte. Ein Jahr, welches mit einer grandiosen Silvesternacht im Bürgersaal endete und diese Silvesternacht (in der auch das neue Logo präsentiert wurde) sollte gleichzeitig der Startschuss in ein Jubiläumsjahr „25 Jahre Stroetmanns Fabrik“ sein, in dem alle Zeichen auf… aber es kam dann halt anders. Die Einladungen zur großen Gala-Veranstaltung die im März 2020 stattfinden sollte, waren längst verschickt, mussten widerrufen werden.

„Bericht aus einer anderen Welt“ heißt, in 2019 war die Welt noch in Ordnung, da fanden im Cafe von Stroetmanns Fabrik noch 201 Veranstaltungen statt, in den fünf Seminarräumen insgesamt 1.689 Kurse, Workshops, Versammlungen…. – geringfügig mehr als im Vorjahr 2018. Der Lichthof war 131 Veranstaltungsort für Konzerte, Feiern, Jubiläen, Tagungen…. ebenfalls eine geringfügige Steigerung gegenüber 2018. Der große Bürgersaal war mit 116 Events nicht ganz so häufig als im Jahr zuvor belegt. Die EMS-Halle hatte elf Großveranstaltungen deren Verantwortlichkeit in den Händen des Teams von Stroetmanns Fabrik lagen. In 2018 gab es derer 14 und für 2020 war die EMS-Halle bereits für 16 Großveranstaltungen gebucht.

Die Veranstaltungen des „Lollipop“, dem Ferienprogramm für die Kleinen wurden 2019 von 3.000 Kindern besucht, was wiederum bedeutet, dass bei 1.500 Grundschulkindern die es in Emsdetten gibt, statistisch gesehen jede/r  zweimal im Lolliland oder bei einer der externen Veranstaltungen dabei war.

429 Hilfesuchende konnten in der Schuldnerberatung betreut werden.

Nach Karneval 2020 kam dann das große Loch, Veranstaltungen mit Chris Tall, Carolin Kebekus, Bernd Stelter und viele weitere, die teilweise schon ausverkauft waren oder Ambitionen hatte, die Halle komplett zu füllen, durften wegen der Corona-Pandemie nicht mehr stattfinden. Das Team von Stroetmanns Fabrik hatte Callcenter-like unzählige Anfragen zu beantworten, wurde zum Verschiebebahnhof für Veranstaltungen: „Was passiert mit den bereits gekauften Eintrittskarten?“ „Kann man die Karten zurückgeben?“ „Gibt es das Geld zurück?“ „Wird der Termin nachgeholt?“ „Wann wird der Termin nachgeholt?“ – Alles Fragen, auf die man selber erst Antworten finden musste. Im Rahmen der Corona-Schutzverordnung, die sich wöchentlich änderte und noch ändert, ist man immer wieder bemüht, kreative Ideen zu finden, doch noch das Mögliche möglich zu machen. Hat hier zum Beispiel die Veranstaltungen auf Hof Deitmar kreiert. Den Auftakt bildete dabei das klassische Picknickkonzert, Frühstück im Park, Vitalsommer mit Fitnessangeboten oder zuletzt die Mixed Comedy Show. Für dieses außergewöhnliche Konzept wurde im Rahmen der „Mobilen Kulturarbeit“ von der Bezirksregierung eine Förderung genehmigt.

Bei der Gelegenheit stellte man dann auch fest „Die Konzertmuschel ist ja garnicht so hässlich.“ Und die Akustik wurde von den Akteuren gleich mehrfach gelobt. Die Kombination Bürgersaal, Stroetmanns Fabrik, EMS-Halle, Park von Hof Deitmar hat durchaus Zukunft. Eine derart zusammenhängende Kombination praktisch mitten in der Stadt dürfte es im Umfeld von Emsdetten so nicht geben.

Viele der Mitarbeiter von Stroetmanns Fabrik befinden sich in Kurzarbeit, wenngleich das tatsächliche Arbeitsaufkommen wegen der in Zusammenhang mit Stornierung und evtl. Verlegung von Events anfallenden Aufgaben nicht wirklich weniger geworden ist. Der Verkehrsverein muss als Anlaufstelle für Informationsuchende ebenfalls besetzt bleiben, letztlich fehlen aber die Einnahmen, die zuvor genannten Veranstaltungen geben zwar das Signal „Wir sind weiter für Euch da“ und bringen auch etwas Abwechslung in den tristen Alltag, – letztlich kostendeckend sind sie aber nicht.

„Die Angst der Mitarbeiter“ so Ulrike Wachsmund „vor der ungewissen Zukunft ist natürlich da, aber das Bewußtsein, dass auch die Bevölkerung hinter unserem Konzept steht, macht uns auch in dieser schwierigen Zeit großen Mut.“

Unisono dann parteiübergreifend der Zuspruch und die Anerkennung für den ausführlichen Bericht und die geleistete Arbeit in der Vergangenheit. Helmut Laumann (SPD) verfolgt diesen Jahresbericht im Kulturausschuss jetzt von Beginn an und ist beeindruckt von dem Wandel der von Jahr zu Jahr erkennbar ist: „Stroetmanns Fabrik lebt!“. Oliver Kellner (Die Grünen) bedankt sich ebenfalls und lobt das kreative Engagement der Mitarbeiter in dieser schwierigen Zeit. Leon Huesmann (Die Linke) hält es für wichtig, dem gesamten Team von Stroetmanns Fabrik durch ein eindeutiges Votum im Kulturausschuss Zuversicht mit auf den Weg zu geben: „Gerade jetzt, in dieser schwierigen Zeit, wird Kultur gebraucht.“

„Kulturarbeit findet derzeit im Ordnungsamt statt.“ informiert dann der 1. Beigeordnete Elmar Leuermann, dass sämtliche Veranstaltungen sich zunächst einer Prüfung der Vereinbarkeit mit der Corona-Schutzverordnung unterziehen müssen.

„Viele Veranstaltungen sind derzeit nicht möglich“, so Dirk Albers (CDU), aber es sei wichtig, an ihnen festzuhalten, damit man, wenn die Umstände es zulassen, sofort wieder parat steht.

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