„Beim Thema Gleichstellung gibt es noch sehr viel zu tun“

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Schon vor ihrem Dienstbeginn im April wurde Tanja Heuer (vorne) von Bürgermeister Oliver Kellner (hinten l.) und der stellvertretenden Gleichstellungsbeauftragten Virginia Dellbrügge (r.) zu einem Kennenlernen ins Rathaus eingeladen (Foto: Stadt Emsdetten)

Interview mit Tanja Heuer, der neuen Gleichstellungsbeauftragten, die im April ihren Dienst in Emsdetten antreten wird

Zum 01. April 2021 tritt Tanja Heuer ihre neue Stelle als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Emsdetten an. In einem Interview mit der Stadt spricht sie über ihre beruflichen Erfahrungen und Zukunftspläne.

Tanja Heuer, ab 01. April Gleichstellungsbeauftragte bei der Stadt Emsdetten (Foto: privat)

Die 44-Jährige lebt in Emsdetten und arbeitet seit 2009 als Hochschulsekretärin an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Münster. Hier engagierte sie sich auch als Gleichstellungsbeauftragte und war Mitglied der Gleichstellungskommission. Nebenbei absolvierte sie ein Fernstudium in Politikwissenschaft, Verwaltungswissenschaft und Soziologie. Ab April möchte sich Tanja Heuer für die Gleichstellung innerhalb der Stadtverwaltung sowie in der Emsdettener Gesellschaft einsetzen.

Frau Heuer, was hat Sie persönlich dazu bewegt, Gleichstellungsbeauftragte zu werden?

Wie leider viele Frauen habe auch ich schon erfahren, wie sich geschlechtliche Ungleichbehandlung anfühlt. Daher ist es mir ein persönliches Anliegen, traditionelle Rollenmuster aufzubrechen.

Gibt es eine Person, die Sie beruflich inspiriert hat?

Ja tatsächlich. Simone de Beauvoir hat mich inspiriert, weil sie bereits in ihrem 1949 erschienenen Buch „Das andere Geschlecht“ die These aufstellte, dass das Frausein keine biologische, sondern eine soziale Tatsache sei. Damit war sie ihrer Zeit weit voraus.

Welche Projekte in puncto Gleichstellung konnten Sie auf Ihrem bisherigen Berufsweg bereits umsetzen?

Während meiner Zeit als Gleichstellungsbeauftragte im Fachbereich wurden verschiedene Projekte initiiert, um Lehrende und Studierende für gleichstellungs-politische Themen zu sensibilisieren. Hier war ich zum Beispiel an der Organisation zielgruppenorientierter Impulsvorträge für weibliche Studierende beteiligt. Noch dazu habe ich bei einer Fakultätsversammlung zum Thema „Stimmt alles? Soziale Ungleichheit und Formen der Benachteiligung an unserer Fakultät“ mitgewirkt.

Stichwort Emsdetten: Was hat sie dazu bewegt, sich für die Stelle als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Emsdetten zu bewerben?

Gleichstellung ist meiner Meinung nach eines der zentralen Themen unserer Zeit in dem es noch sehr viel zu tun gibt. Aufgrund meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit und meines Studiums war mir schnell klar, dass ich im Bereich der Gleichstellung arbeiten möchte. Dass es jetzt sogar in meiner Heimatstadt geklappt hat, ist natürlich ein absoluter Glücksfall für mich.

Am 08. März war der internationale Frauentag, gleichzeitig befinden wir uns seit über einem Jahr in der Corona-Pandemie. In welchem Verhältnis stehen diese beiden Ereignisse aus Ihrer Sicht zueinander?

Wenn man bedenkt, dass die Themen Frauenrechte und Gleichstellung durch Ereignisse wie den Weltfrauentag oder den Equal Pay Day üblicherweise eine sehr große Aufmerksamkeit erfahren, ist es natürlich sehr schade, dass die Aktionen nicht wie üblich stattfinden konnten. Auf der anderen Seite sollte man die Einschränkungen, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, auch als Chance sehen. Durch neue Formate wie Online-Veranstaltungen oder Podcasts kann womöglich eine noch größere Zielgruppe erreicht werden. Deshalb bin ich mir sicher, dass solche Formate auch nach der Pandemie noch erhalten bleiben und würde es begrüßen, analoge und digitale Angebote dann parallel zu nutzen. Zudem sollte das Thema Gleichstellung weiterhin verstärkt in den sozialen Medien präsent sein, zum Beispiel bei Instagram, um eine größere Zielgruppe anzusprechen. Was an dieser Stelle jedoch auch erwähnt werden muss: Mehrere Studien zeigen, dass zum großen Teil Frauen die Betreuung der Kinder während der Kita- und Schulschließungen übernehmen. Es kommt also zu einer Retraditionalisierung der Geschlechterrollen, die zeigt, wie fragil die bisherigen Errungenschaften sind. Um Rückschritte zu bekämpfen muss gerade jetzt etwas dagegen unternommen werden!

Apropos etwas unternehmen – Welche Ziele möchten Sie innerhalb der Gesellschaft denn erreichen?

Ich möchte vor allem dazu beitragen, Geschlechterstereotypen abzubauen. Sie werden viel zu oft unbewusst verwendet und manifestieren sich deshalb bereits in der Kindheit. Wenn man bzw. frau ihnen nicht entgegenwirkt, beeinflussen sie die Karriere- und Familienplanung – gerade die von Frauen. Um Gleichstellung in allen Lebensbereichen erreichen zu können, müssen Prozesse in Gang gebracht werden, die Stereotypen entgegenwirken und so die traditionellen Geschlechterrollen aufbrechen.

Und innerhalb der Stadtverwaltung? Welche Ziele möchten Sie dort erreichen?

Innerhalb der Stadtverwaltung möchte ich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen. Dazu gehört vor allem die genaue Betrachtung der unterschiedlichen Lebens- und Erwerbsbiographien von Frauen und Männern, um daraus entsprechende Maßnahmen ableiten zu können.

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