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Sonntag, Juli 12, 2026
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AllesDetten kommentiert… Zukunftsprozeß Emsdetten_2038

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Zukunft ist immer das Kommende, der Deutsche an sich neigt dazu, penibel zu planen, nichts dem Zufall zu überlassen. Die individuellen Zukunftspläne sehen je nach Generation beispielsweise so aus, dass bis 2038 man verheiratet sein möchte, ein Haus gebaut, eine Familie gegründet, sich im Job abgesichert hat, man die Kinder einigermaßen erzogen hat, man vielleicht bald auf Enkel hoffen kann. Das Rentnerdasein abgesichert ist. Man vielleicht einen langgehegten Traum erfüllen konnte oder kurz davor steht.

Andere wiederum nehmen es, wie es kommt, weil eben nicht alles planbar ist. Noch vor drei Jahren gab es Wünsche, Ziele, Dinge, die man sich fest vorgenommen hatte. Dann kam eine Pandemie, die sämtliche Ideen wie Seifenblasen hat zerplatzen lassen.

Aus dem einen Dilemma noch nicht heraus, kam mit dem Krieg in der Ukraine schon das nächste: uns steht möglicherweise eine handfeste Energiekrise bevor. Deutschland, dem es in den vergangenen Jahren vergleichsweise gut ging, muss plötzlich kleinere Brötchen backen.

Die Stadt Emsdetten startet jetzt mit großem Aufwand einen Zukunftsprozeß. Tausendfach werden Wunschkarten gedruckt, Flyer, dekorative Würfel, Plakate, T-Shirts für die Rathaus-Mitarbeiter, Kugelschreiber… Der von einer den Prozeß begleitenden Agentur entwickelte Slogan „Ich.Du.Wir“ soll zum Markenzeichen werden. Die Agentur dürfte auf die Dauer von 16 Jahren ihr Einkommen aus dem Emsdettener Stadtsäckel auch gesichert haben. Nicht kleckern sondern klotzen. Schade, dass die lokalen Medien, die sich tagtäglich mit der Materie befassen, wieder leer ausgehen. Die werden zu einem Pressetermin eingeladen und da wird wie selbstverständlich erwartet „Nun berichtet mal schön“. Ähnlich wie beim Stadtjubiläum 2013 dürfte auch hier im Anschluss wieder in großem Umfang Werbematerial eingestampft werden.

Von den Karten haben mittlerweile rund 400 den Weg zurück ins Rathaus gefunden, also gut 1 % der Emsdettener Bevölkerung hat sich Gedanken gemacht, nicht wirklich repräsentativ.

Darauf stehen Wünsche wie „grüne Lunge“, dem Klimawandel entgegenwirken, sicherer Arbeitsplatz, Krankenhaus, Wohnen. Ansiedlung bestimmter Handelsketten, Steigerung der Aufenthaltsqualität. Das herauszufinden, dafür hätte es den Aufwand nicht gebraucht.
OK – wir befinden uns in der Anfangsphase – so ein Prozeß entwickelt sich, da gibt es Workshops, Arbeitskreise, in denen sich Menschen treffen, die etwas entwickeln wollen, da kann etwas entstehen. Der erste Termin bei dem sich an einem Samstag tagsüber über mehrere Stunden ausgetauscht werden soll, ist der 10. September – Bundesfest in Emsdetten, – vielleicht etwas unglücklich gewählt.

Wünsche entstehen immer aus Bedürfnissen heraus. Wie diese Bedürfnisse in 2038 aussehen, kann heute noch niemand sagen. Die Wünsche, die heute das Bild prägen, werden in 16 Jahren vermutlich als „mittelalterliches Gedankengut“ belächelt.

Bürger an so einem Prozeß zu beteiligen ist grundsätzlich löblich, entscheiden wird aber am Ende die Politik. Was, wenn diese Politik sich nicht an die Wünsche aus dem Zukunftsprozeß hält?

 

 

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