AKUM behandelt Anträge zum Straßenzug Grünring/Westring/Droste-Hülshoff-Allee

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Der Ausschuss für Klima, Umwelt und Mobilität (AKUM) behandelt in seiner morgigen Sitzung (18 Uhr im Bürgersaal von Stroetmanns Fabrik) die Umwidmung des Straßenzuges Grünring, Westring und Annette-von-Droste-Hülshoff-Allee in eine Fahrradstraße bzw. Fußgänger, Rad- und Kraftfahrzeugverkehr sicher voneinander zu trennen. Die Fraktionen der SPD und Grüne hatten entsprechende Anträge gestellt.

Die Stadtverwaltung stellt fünf mögliche Varianten vor, welche jetzt beraten werden sollen:

Variante 1 – optimierter Bestand

(Grafik: Stadt Emsdetten)

Im Bestand gibt es einen 2 – 2,6 m breiten Gehweg in einem breiten Grünstreifen in Mittel-
lage, der für Radfahrende freigegeben ist. Der Weg hat unterschiedliche Oberflächen, ist allerdings auf gesamter Länge befestigt. Er dient als wichtiges Naherholungsziel für die Anwohnerinnen und Anwohner. Aufgrund der alljährlichen Kirschblüte hat der Bereich zwischen Borghorster Straße und Brookweg nicht nur in Emsdetten einen hohen Bekanntheitsgrad. Neben dem Grünstreifen gibt es jeweils eine Einbahnstraße in jede Richtung. Im Grünstreifen selber sind zudem Parkstände in Längs- und Schrägaufstellung vorhanden. Darüber hinaus gibt es zur seitlichen Gebäudeseite hin Gehwege, die mit einer Breite von 1,2 bis 1,5 m nicht ausreichend dimensioniert sind. Der Fahrbahnbelag besteht überwiegend aus Rechteckpflaster.
Laut den „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ (ERA) der Forschungsgesellschaft für
Straßen- und Verkehrswesen sollte ein Gehweg mind. 2,5 m breit sein und ein Fußgänger-
und Radfahreraufkommen von maximal 80 in der Spitzenstunde nicht überschreiten, damit
ein Gehweg dieser Breite für Radfahrer freigegeben werden kann. Liegt der Wert der Fuß-
gänger und Radfahrer in der Spitzenstunde bei 100 sollte der Gehweg mindestens 3 m breit
sein, bei mehr als 180 mindestens 4,5 m. In Abhängigkeit vom Rad- und Fußverkehrsauf-
kommen müsste der Gehweg entsprechend den Vorgaben der ERA verbreitert werden, um
für den Radverkehr freigegeben werden zu können. Grundsätzlich sollte laut ERA eine ge-
meinsame Führung allerdings vermieden werden. Dies findet sich auch im neuen Fahrrad-
und Nahmobilitätsgesetzes des Landes NRW wieder. In der ERA heißt es dazu: „Der Einsatz
der gemeinsamen Führung mit dem Fußgängerverkehr ist daher nur dort vertretbar, wo die
Netz- und Aufenthaltsfunktion beider Verkehre gering ist.“ Sowohl Netz- als auch Aufent-
haltsfunktion des hier betrachteten Bereichs sind jedoch sehr hoch.

Variante 2 – Geweg ohne Radfahrer frei und Mischverkehr auf der Fahrbahn

(Grafik: Stadt Emsdetten)


Bei dieser Variante wird das ZZ 1022 – 10 (Radfahrer frei) entfernt und die Freigabe des
Gehwegs für den Radverkehr aufgehoben. Es ist nur noch das Fahren im Mischverkehr auf
der Fahrbahn für den Radverkehr gestattet. Die Regelung rechts – vor – links im Straßenzug
bleibt erhalten. Auch die Vorfahrt der klassifizierten Straßen bleibt bestehen.
Aus Sicht der Verwaltung sollte auf das Markieren von Fahrradpiktogrammen verzichtet wer-
den. Dies wird üblicherweise dort gemacht, wo die Benutzungspflicht eines Radweges aufge-
hoben wurde um zu signalisieren, dass Radfahren auch auf der Fahrbahn zulässig ist. Da
das Fahren im Mischverkehr in Tempo-30-Zonen die Regel ist und in diesem Fall nicht die
Benutzungspflicht eines Radweges entfällt, sollten hier keine Piktogramme markiert werden,
um bei den Verkehrsteilnehmenden nicht für Verwirrung zu sorgen. Stattdessen müsste eine
intensive kommunikative Begleitung erfolgen, um auf die geänderte Situation hinzuweisen.

Variante 3 – Fahrradstraße

(Grafik: Stadt Emsdetten)


Entsprechend der Grundzüge für die Gestaltung von Fahrradstraßen in Emsdetten, die am
17.05.2021 vom Rat der Stadt Emsdetten beschlossen wurden, wird der gesamte Straßen-
zug zur Fahrradstraße umgestaltet. Hierfür wird auf gesamter Länge links und rechts einer
jeden Einbahnstraße eine Breitstrichmarkierung in Rot aufgebracht. Diese wird so markiert,
dass eine Fahrgassenbreite von mind. 3,25 m übrig bleibt. In den Einmündungen und Kreu-
zungsbereichen wird der Bereich flächig rot markiert und die entsprechenden Piktogramme
aufgebracht. Zusätzlich werden die erforderlichen Verkehrszeichen aufgestellt, damit der
Straßenzug gegenüber den kreuzenden und einmündenden Straßen Vorrang hat. Hiervon
ausgenommen sind die klassifizierten Straßen Neuenkirchener Straße, Borghorster Straße
und Nordwalder Straße. Das Piktogramm, das VZ 244.1 (Fahrradstraße) nachempfunden ist,
wird zudem in regelmäßigem Abstand entlang der Strecke markiert. In welcher Form eine
Markierung auf dem vorhandenen Fahrbahnbelag aus Rechteckpflaster erfolgen kann, muss
im Rahmen der Planung ausgearbeitet werden. Zudem dienen die vorhandenen Querungs-
stellen ausschließlich dem Fußgängerverkehr. Ein Anpassen der Querungsstellen auf Höhe
Borghorster Straße, Neuenkirchener Straße und Nordwalder Straße ist nur mit Zustimmung
durch Straßen.NRW möglich.

Variante 4 – Radweg im Grünstreifen neben Gehweg

(Grafik: Stadt Emsdetten)

Bei dieser Variante wird der Weg in der Mitte des Grünstreifens auf überwiegend 5 m ver-
breitert. Dadurch können ein 3 m breiter Bereich für den Radverkehr und ein 2 m breiter Be-
reich für den Fußverkehr durch eine Schmalstrichmarkierung voneinander getrennt werden.
Das Maß stammt aus der ERA, welche für einseitig geführte Zweirichtungsradwege eine
Breite von 3 m vorsieht. Barrierefreie Gehwege sollen zudem laut RASt 06 eine Breite von
2 m aufweisen. In einigen Bereichen, insbesondere den Kreuzungsbereichen mit den klassi-
fizierten Straßen, aber auch im Bereich Voßstraße, können Breiten von 5 m nicht realisiert
werden. Hier müssen entweder Bäume gefällt oder eine deutlich geringere Breite von zu-
sammen ca. 4 m akzeptiert werden. Im Bereich Voßstraße müssen mindestens 6 Bäume ge-
fällt werden und selbst dann können teilweise lediglich Breiten von 4,5 m erreicht werden.
Zudem verbleiben die Querungsstellen an den klassifizierten Straßen mit Breiten von ca. 3,4
m als Engstellen. Hier wird es also weiterhin eine gemeinsame Führung Radverkehr / Fuß-
verkehr geben müssen. Bei einer Länge von 2.600 m und einer Verbreiterung des Weges
um durchschnittlich 2,5 m ergäbe sich ungefähr eine zusätzliche versiegelte Fläche von ca.
6.500 m². Eine Ausgestaltung in wassergebundener Wegedecke kommt weder für den Be-
reich für den Radverkehr noch für den Fußverkehr in Frage. Der Gehweg wäre dann nicht
barrierefrei, der Radweg hätte insbesondere bei Schlechtwetter keine Akzeptanz, so dass
alle Radfahrenden auf den befestigten Gehweg ausweichen würden. Da keine deutliche bau-
liche Trennung zwischen Rad- und Fußverkehr erfolgen kann, sind zudem weiterhin Konflikte
zwischen Rad- und Fußverkehr zu erwarten.

Variante 5 – Radweg im Grünstreifen und seitliche Gehwege

(Grafik: Stadt Emsdetten)

Bei dieser Variante wird der Gehweg im Grünstreifen zu einem Weg, der nur von Radfahren-
den genutzt werden darf. Aus rechtlichen Gründen ist eine Beschilderung mit VZ 237 (Rad-
weg) jedoch nicht zulässig. Daher wird es in der Realität auch kaum möglich sein, den Zu-
Fuß-Gehenden das Betreten des Weges zu untersagen. Der im Bestand zwischen 2 und 2,6
m breite Weg müsste dann zusätzlich entsprechend der Vorgaben der ERA mindestens auf
3 m verbreitert werden. Die Zu-Fuß-Gehenden haben dann nur noch die Möglichkeit, die
Gehwege am Fahrbahnrand zu nutzen, die mit Breiten von 1,2 m – 1,5 m nicht barrierefrei
ausgebaut sind. Zudem stellt sich die Frage, wie hoch die Akzeptanz ist und ob nicht den-
noch Zu-Fuß-Gehende den Weg im Grünen nutzen und es somit zu entsprechenden Konflik-
ten kommt.

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