Abschiedsbrief des Bürgermeisters

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30 Jahre im Dienst der Stadt Emsdetten, 21 Jahre Bürgermeister der Stadt Emsdetten. Aber alles hat ein Ende und es wird heute Zeit für mich, Abschied zu nehmen. Abschied von meinem Amt als Bürgermeister, Abschied von der Kommunalpolitik, aber kein Abschied von Emsdetten!

Am 1. November ist es so weit. Ich werde in die sogenannte dritte Phase meines Lebens, den Ruhestand, eintreten. Der Ruhestand ist das, worauf man sein ganzes Leben hinarbeitet und sich dann doch wundert, wenn es dann so weit ist. Nach so vielen Jahren nehme ich nicht leichten Herzens Abschied, das gebe ich gerne zu, auch wenn dem neuen Lebensabschnitt ein gewisser Zauber innewohnt. Was wird sein, wie werde ich die mir dann zur Verfügung stehende Zeit nutzen?

Sicherlich wäre es angemessen und ich hätte es gerne getan, mich nach so einem Zeitraum in einer gebührenden und vor allem persönlichen Form von den vielen Wegbegleitern zu verabschieden und Danke zu sagen. Aber da macht mir, wie derzeit so vielen anderen, Corona einen Strich durch die Rechnung, sodass ich eine andere Form des Abschiednehmens wählen muss.

Abschiedsworte sollen so kurz sein wie eine Liebeserklärung. Dass ich mein Berufsleben bei der Stadt Emsdetten geliebt habe, wird wohl niemandem verborgen geblieben sein. Mein Herz ist voll von den vielen Begegnungen und Ereignissen, sodass es mir schwerfällt, diese Liebe und Zuneigung in wenigen Worten zusammenzufassen.

Doch lassen Sie uns gemeinsam kurz zurückblicken:

Junge 33 Jahre war ich alt, als mich der Rat der Stadt Emsdetten zum 1. Beigeordneten wählte und ich in dieser Funktion ab März 1990 die damaligen kommunalen Großprojekte Stroetmanns Fabrik, EMS-HALLE und Bibliothek begleiten durfte. Noch keine 40 Jahre alt, wählte mich der Rat der Stadt Emsdetten dann zum Stadtdirektor. Vor allem die zahlreichen Schulbauprojekte u.a. am Gymnasium Martinum, den Realschulen, unserer Marienhauptschule und auch an den Grundschulen standen gerade in dieser Zeit an erster Stelle der Tagesordnung. Sporthallenbau und der Bau von Kindertagesstätten sind nach wie vor ständig Gegenstand unserer kommunalpolitischen Agenda.

Drei Jahre später stand durch die Änderung unserer Kommunalverfassung die erste Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister der Stadt Emsdetten an. Die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt wählten mich zu ihrem Bürgermeister und sprachen mir auch in den darauffolgenden drei Wahlen 2004, 2009 und 2015 ihr Vertrauen aus. Über vier Wahlperioden habe ich dieses Amt mit Energie, vielen Ideen und Engagement ausgeübt. Ich war stets mit Herz und Seele Bürgermeister unserer Stadt. In den zurückliegenden drei Jahrzehnten durfte ich in meinen verschiedenen Funktionen mit dazu beitragen, dass Emsdetten eine äußerst positive Entwicklung genommen und sich zu einer Stadt entwickelt hat, in der man gerne lebt, wohnt und arbeitet.

Das Wachsen und die positive Stadtentwicklung lässt sich nicht nur an den in dieser Zeit entstandenen Industrie- und Gewerbe- oder Wohnbaugebieten, sondern auch an der Innenstadtentwicklung ablesen. Die Umgestaltung unseres Bahnhofs und seines Umfeldes mit Hilfe des 100-Bahnhöfe-Programms sucht in Städten unserer Größenordnung nach wie vor seinesgleichen. Und sie ist von ihrem Potential her noch immer nicht abgeschlossen. Die Neugestaltung unserer Innenstadt mit Hilfe des Programms „Stadt macht Platz, NRW macht Plätze“ und dem „Integrierten Handlungskonzept“ hat zu einer deutlichen Attraktivierung der Innenstadtplätze und -straßenzüge Katthagen, Kleiner Brink, Brink, Frauenstraße, Bahnhofstraße oder Rheiner Straße geführt. Mit der Emsstraße und hoffentlich bald auch der Kirchstraße und dem Sandufer werden wir dieses für die Innenstadtattraktivierung so wichtige Projekt in den kommenden Jahren abschließen. Als Politik und Verwaltung haben wir ständig daran gearbeitet, die Rahmenbedingungen für eine gute Innenstadtentwicklung zu schaffen, und tun gut daran, an dieser Strategie als Antwort auf die Herausforderung des Online-Handels festzuhalten.

Auch die Digitalisierung unserer Stadt war mir stets ein großes Anliegen. Als Stadt Emsdetten haben wir uns dabei nicht auf die großen Player wie Telekom, Vodafone, Unitymedia und wie sie alle heißen verlassen. Zusammen mit unseren Stadtwerken haben wir schon vor mehr als zehn Jahren das Heft des Handelns in die Hand genommen und für einen Anschluss unserer Industrie- und Gewerbegebiete an die Glasfaserautobahn gesorgt. Es folgte die Glasfasererschließung bis zur sogenannten letzten Milchkanne im Außenbereich und jetzt das Kooperationsprojekt mit der Glasfaser Nordwest, die auch die noch nicht angeschlossenen Wohngebiete unserer Stadt internetmäßig mit hervorragenden Bandbreiten versorgt. Das freie WLAN in unserer Innenstadt oder die Internet-Anbindung aller städtischen Schulen sind gerade jetzt in den Corona-Zeiten von unschätzbarem Vorteil.

Dieses reichhaltige Aufgabenspektrum mit einer Fülle von Projekten wäre nicht möglich gewesen, wenn Emsdetten wirtschaftlich nicht so gut aufgestellt wäre. Der hiesigen Wirtschaft sei Dank dafür.

Dank gebührt aber auch und vor allem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Emsdetten, die sich mit mir diesen Aufgaben mit Bravour gestellt haben. Ohne ihre tatkräftige jahrzehntelange Unterstützung wäre die Entwicklung und Verwirklichung der vielen richtungsweisenden Projekte im Interesse der Bürgerinnen und Bürger und im Interesse unserer Unternehmen nicht möglich gewesen.

Danke auch an Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, für Ihr jahrelanges Vertrauen in mich als Bürgermeister unserer Stadt Emsdetten, das Sie mir in allen vier vergangenen Wahlperioden entgegengebracht haben. Mit Herz und Seele war ich 21 Jahre Bürgermeister unserer schönen Stadt. Es war mir eine große Ehre, dieses Amt so lange bekleiden zu dürfen.

Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf freut. So geht es auch mir. Mir wird das tägliche Miteinander mit den Bürgerinnen und Bürgern, ob beim Neujahrsempfang oder dem jährlichen Dankeschön-Treffen „Der Bürgermeister bedient Sie“, beim Karneval, Schützenfesten oder bei den unzähligen großen und kleinen Begegnungen in Vereinen oder Verbänden, mit der Politik und vor allem mit meinem Team des Rathauses und seinen Außenstellen fehlen.

Doch wie Katharina von Babin sagte: “Manchmal ist es an der Zeit, sich Zeit zu nehmen“, denn, wie es Kurt Tucholski einmal ausgedrückt hat, ist “ein voller Terminkalender“, wie ich ihn jahrzehntelang gekannt habe, „noch lange kein erfülltes Leben.“ Ich möchte Zeit haben für Dinge, die ich immer wollte und für die mir bislang zu wenig Zeit blieb.

Ich bin dann mal weg, aber nur als Bürgermeister, nicht als Bürger unserer Stadt. Machen Sie es gut!

Ihr

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