Das Bistum Münster hat die Pfarrgemeinden dazu aufgerufen, ein Zeichen der Erinnerung und der Mahnung im Zusammenhang mit dem erschreckenden Geschehen des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche zu setzen. Dazu sollen am 18. November 2024 im Bistum durch die Pfarreien an vielen sichtbaren Orten Trauer-Blutbuchen gepflanzt werden.
Sie sind sowohl ein Zeichen des Gedenkens als auch der bleibenden Verantwortung. Bischof Dr. Felix Genn schreibt: „Wie kann die Erinnerung an das Leid der Betroffenen in unserem Bistum wach und lebendig gehalten werden? Wie können wir daraus lernen und unserer Verantwortung in Beruf und Freizeit, im persönlichen Umfeld gerecht werden?“
In der Zeit von 1945 bis 2020 sollen mindestens 196 Kleriker im Bistum Münster sexuellen Missbrauch begangen haben. Alleine diese Zahl, die durch eine Studie im Jahr 2022 veröffentlicht wurde, ist erschreckend. Nicht weniger gilt das für die Erkenntnis, dass durch viele Verantwortliche Taten vertuscht wurden.
Es geht aber in der Aktion nicht nur um das Wahrnehmen dieses Skandals der letzten Jahrzehnte. Nicht weniger bedeutsam ist es, deutlich Stellung zu beziehen für die Verantwortung, sich für die Verhinderung des sexuellen Missbrauchs stark zu machen.
In einer Arbeitshilfe zur Aktion des Bistums Münster heißt es: „Mit der Pflanzaktion kann Missbrauch nicht vollständig verhindert werden. Aber Auseinandersetzung und Erinnerung können möglicherweise dazu beitragen, dass Sensibilität und Wachsamkeit erhalten bleiben und Vertuschung erschwert wird.“
Die Pfarrei St. Pankratius in Emsdetten wird sich an dieser vom Bistum angeregten Aktion beteiligen. Am 18. November 2024 wird eine bis dahin vor dem Pfarrbüro (Karlstraße 31) gepflanzte Blutbuche in einer Gedenkfeier der Öffentlichkeit präsentiert. Die Feier beginnt an dem Tag um 18.00 Uhr am Pfarrbüro.
Anja Mense, Vorsitzende des Pfarreirates, und Pfarrer Norbert Weßel betonen: „Das, was innerhalb der katholischen Kirche geschehen ist, lässt niemanden unberührt. Mit dem Pflanzen der Blutbuche bringen wir unsere Solidarität mit den Betroffenen zum Ausdruck und unsere Absicht, alles dafür zu tun, um Menschen, und insbesondere Kinder, vor Missbrauch zu schützen. Gleichzeitig ist es unser Ziel, dass diese schrecklichen Taten nicht in Vergessenheit geraten.“
Im Rahmen der Feier am 18. November 2024 wird eine Gedenktafel in der Nähe der Blutbuche angebracht, die vom Bistum Münster mit Vertreterinnen und Vertretern von Betroffenen erstellt wurde.
Gedenktafel
„Zur Erinnerung an den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche im Bistum Münster (Herbst 2024).
Menschen haben durch Priester, Bischöfe, andere Amtsträger und Mitwissende unvorstellbares Leid erfahren. Sie litten und leiden unter sexualisierter Gewalt und deren Vertuschung. Das bestätigt eine Studie, die die Universität Münster im Jahr 2022 veröffentlicht hat. Untersucht wurden Fälle sexuellen Missbrauchs im Bistum Münster von 1945 bis 2020. Im Jahr 2024 wurden im Bistum Münster, in Pfarreien und kirchlichen Einrichtungen Trauer-Blutbuchen gepflanzt zur Erinnerung an den sexuellen Missbrauch. Die Trauer-Blutbuche soll ein lebendiges und markantes Zeichen sein, das den Sinn schärft für das Leid der Betroffenen. Es liegt an uns allen, daraus zu lernen. Wir wollen der eigenen Verantwortung in Beruf, Freizeit, Familie und Nachbarschaft gerecht werden, um Leid in Zukunft zu verhindern. Mit der Pflanzung des Baums folgen wir einem Vorschlag von Betroffenen. Wir haben uns hier vor Ort intensiv mit der Aufarbeitung des Geschehenen und der Prävention sexuellen Missbrauchs auseinandergesetzt und diesen Standort gewählt. Diese schwarze Trauerblutbuche – Fagus sylvatica Purpurea Pendula – hat Bestandsschutz. Sollte sie zerstört werden oder eingehen, wird ein Ersatzbaum gepflanzt.
Für Menschen, die von sexuellem Missbrauch betroffen sind, oder einen ihnen bekannten Fall melden wollen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, in Kontakt zu kommen. Das Bistum Münster hat dazu eine Seite im Internet (H I E R klicken)eingerichtet, über die ein eigenes Meldeportal oder auch entsprechende Ansprechpersonen und die Telefonnummern zu finden sind.
Die Pfarrei St. Pankratius beschreibt in ihrem Institutionellen Schutzkonzept verschiedene Möglichkeiten, Ansprechpersonen zu finden. Das Team PRÄVENTION erreicht man unter der Nummer (02572) 960 339 – 12 oder H I E R klicken.
Wer eine Ansprechperson außerhalb der Kirche sucht, findet bei verschiedenen Institutionen, wie dem Jugendamt der Stadt Emsdetten, dem Kinderschutzbund Rheine Kontaktmöglichkeiten. Hilfe wird auch bei der Hotline für Opfer sexuellen Missbrauchs angeboten: (0800) 225 553 0.




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