Landrat Dr. Martin Sommer und Dr. Karlheinz Fuchs, Dezernent für Gesundheit und Bevölkerungsschutz des Kreises Steinfurt, haben kürzlich die ukrainische Partnerstadt Tscherkassy besucht. Anlass war eine Einladung zum 740-jährigen Stadtjubiläum. Zugleich erwiderten sie damit den Besuch einer Delegation aus der rund 270.000 Einwohner zählenden Stadt, die im vergangenen Jahr zum 50-jährigen Kreisjubiläum im Kreis Steinfurt zu Gast gewesen war. Seit April 2023 besteht zwischen dem Kreis Steinfurt und der Stadt Tscherkassy eine Solidaritätspartnerschaft. „Die Stadt hatte uns zu ihrer Jubiläumsfeier eingeladen. Wir haben diese Einladung gerne angenommen, weil wir mit unserem Besuch unterstreichen wollten, wie wichtig uns die Solidarität mit Tscherkassy gerade in diesen Zeiten ist“, sagte Sommer.

Der erste Besuchstag begann mit einem offiziellen Empfang in der Stadtverwaltung von Tscherkassy. Zusammen mit dem Bürgermeister von Tscherkassy, Anatolij Bondarenko, pflanzten Sommer und Fuchs im Stadtpark einen Lindenbaum, den sie als Geschenk aus dem Kreis Steinfurt mitgebracht hatten. Von dort ging es weiter zu einer Schule, aus der im vergangenen Jahr vier Schülerinnen und Schüler anlässlich des Kreisjubiläums nach Steinfurt gereist waren und zu der der Kreis damit bereits einen persönlichen Kontakt hatte. Vor Ort erfuhren die Gäste, dass der Unterricht bei Luftalarm in einem Schutzraum ohne Tageslicht fortgesetzt wird, was den Schulalltag für die Kinder und Lehrkräfte erheblich erschwert. Einen weiteren Einblick in die Folgen des Krieges erhielten Sommer und Fuchs anschließend bei einem Besuch in einem Rehabilitationszentrum für Kriegsversehrte, wo sie sich über die Versorgung der Betroffenen informierten. Am Abend nahmen die beiden an den offiziellen Feierlichkeiten zum Stadtjubiläum im Theater von Tscherkassy teil, zu denen die Stadt ihre Gäste eingeladen hatte. „Es war eine beeindruckende Veranstaltung, bei der Gastgeschenke ausgetauscht und zahlreiche Menschen ausgezeichnet wurden und die uns einen Eindruck davon vermittelte, welche Bedeutung dieses Jubiläum für die Stadt hat“, berichtete der Landrat. Der zweite Tag begann auf dem alten städtischen Friedhof. Dort legten Sommer und Fuchs gemeinsam mit Tscherkassys Bürgermeister Bondarenko Blumen an einem Mahnmal nieder. Der Friedhof wurde inzwischen um Gräber gefallener Soldaten erweitert. „Das war für uns sehr bewegend. Auf den Grabmalen sind Fotos der Gefallenen zu sehen, von denen einige noch sehr jung waren“, sagte Sommer.

Im Anschluss rückte die Versorgung der Stadt unter Kriegsbedingungen in den Mittelpunkt. Bei der Besichtigung einer großen Energiezentrale informierten sich Sommer und Fuchs darüber, wie kritische Infrastruktur betrieben und geschützt wird. Danach besuchten sie ein Krankenhaus, in dem täglich bis zu 200 verwundete Soldatinnen und Soldaten behandelt werden. Dabei wurde auch die Fortsetzung eines bestehenden Austauschs besprochen: Ärztinnen und Ärzte aus Tscherkassy werden erneut im Klinikum Ibbenbüren hospitieren. Zum Ende des Besuchs besichtigten Sommer und Fuchs eine geschichtsträchtige Region der ukrainischen Kosaken, bei dem sie zugleich die Gelegenheit für weitere Gespräche mit ihren Partnern vor Ort nutzten.
„Die Reise nach Tscherkassy war wichtig, um unsere volle Solidarität zum Ausdruck zu bringen und die bestehenden Partnerschaftskontakte zu festigen“, fasste Sommer zusammen. „Dr. Fuchs und ich haben viele Eindrücke von der aktuellen Situation in der Ukraine mitgenommen. Insbesondere beim Zivilschutz können wir viel von den Erfahrungen vor Ort lernen – etwa beim Schutz der Energieversorgung, bei der medizinischen Versorgung von Verwundeten und beim Unterricht von Schülerinnen und Schülern unter erschwerten Bedingungen. Wir haben großen Respekt vor den Menschen, die sich seit mehr als vier Jahren den Folgen des russischen Angriffskrieges stellen. Der Besuch hat mich darin bestärkt, dass es richtig ist, die Ukraine weiter zu unterstützen. Letztlich geht es dabei auch um unsere Freiheit.“




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