Es war am Samstag um 22.27 Uhr – Stefan „Sitzungshammer“ (Ahmann), an diesem Abend der knallharte Richter der KGE-Stadtprinzengarde, bat im Gerichts-Saal von Monis Kneipe die etwa 25 Geschworenen, sich von den Plätzen zu erheben. Alsdann verkündete Richter Ahmann zum Ende der packenden und sehr unterhaltsamen Verhandlung sein Urteil: „Jochen Hentschel, in der Session 2025 umjubelter Stadtprinz Jochen I. von Dottland, ist ab heute ein vollwertiges Mitglied unserer Stadtprinzengarde. Jochen Hentschel wird in die Garde aufgenommen.“
Jochen strahlte, alle Garde-Kollegen applaudierten herzlich, ganz lang war die Reihe der Gratulanten. Vorher hatte Gardekanzler Alfred Tecklenborg die ehrenvolle Aufgabe erledigt, die begehrte Garde-Nadel ans Revers von Jochen Hentschel zu heften. Das äußere Zeichen der Garde-Mitgliedschaft.
Es war ein harter und recht steiniger Weg für den Angeklagten Jochen Hentschel, der – wie jeder Stadtprinz – selbst zu dieser internen Garde-Gerichtsverhandlung geladen hatte. Ex-Prinz Jochen bot offenbar aus riesigem Respekt mit Jörg „Notausgang“ Feldmann und Michael „Rettungsanker“ Jürgens gleich zwei Verteidiger auf, zum Richter hatte die Garde im Vorfeld schon den Kollegen S. „Sitzungshammer“ Ahmann bestellt, als Staatsanwalt fungierte Martin „Machtwort“ Mersmann. Es dauerte ein wenig, bis Gerichtsdiener Thomas Limberg so richtig in die Hufe kam, dann aber gab er alles, die Protagonisten aber auch.
Richter Ahmann verlas zunächst den offiziellen Aufnahmeantrag, dann wurde ihm seitens der Verteidigung ein sehr ausführlicher Antrag zugesteckt. Nachdem Ahmann den Inhalt dieses Schreibens verlesen hatte, hätte eigentlich direkt eine Pause eingelegt werden müssen, um durch eine spezielle Reinigungsfirma die riesige Schleimspur vom Boden zu beseitigen.
Jetzt verlas Martin Mersmann die acht Punkte der Anklage, schon jetzt bekam Jochen I. mehrfach weiche Knie, er wurde recht blass um die Nase. Immer wieder munterten die beiden Verteidiger ihren Mandanten moralisch auf, flüsterten ihm ins Ohr: „Mach dir keine Sorgen, wir schaffen das!“
Verteidiger Jörg Feldmann startete mit folgender Aussage: „Wir haben noch nie einen besseren Stadtprinzen als Jochen gehabt.“ Wütend sprangen die Geschworenen nach dieser Beleidigung aus dem Sattel, Feldmann hatte Glück, dass er nicht des Saales verwiesen wurde. Er hatte es nach diesem Start schwer im Laufe des Abends, wie auch sein Kollege Michael Jürgens.
Denn Staatsanwalt Martin Mersmann zog wahrlich alle Register, präsentierte zu allen Anklagepunkte aussagekräftige Fotos auf der großen Leinwand. Vor allen Dingen das tolle Foto der römischen Gerechtigkeitsgöttin „Justitia“ wurde im Gerichtssaal immer wieder gefordert.
Natürlich ist es nicht möglich, hier alle Punkte der Anklage aufzulisten – ein Teil: Jochen hatte versucht, Prinzen im Vorfeld der Verhandlung zu bestechen, Unterschriften erschlichen. Er hatte seinen Orden kaputt gemacht, er hatte den Vizepräsidenten Thomas Weischer vom Rad in eine Hecke gestoßen, die Plastikhülle der Standarte als Regenschutz missbraucht. War es auch der Elektro-Meister Jochen Hentschel, der bei der Proklamation seines Nachfolgers Tobias I. (Tecklenborg) in der Ems-Halle an der Lichtorgel spielte? Hier fehlte der klare Beweis.
Fakt ist aber, dass Jochen bei offiziellen Terminen der KGE mehrfach lieber erst einmal eine kurze Schlafpause eingelegt hatte. Und das Steiger-Lied, das Mitglieder der Prinzengarde bei einem Trip nach Wilhelmshaven geschmettert haben, könnte der neue Karnevals-Schlager in Dottland werden, „Detten auf der Ki“ ablösen.
Als beim Punkt acht der Anklage das Wort „Nonkonformität“ genannt wurde, schüttelten viele Geschworenen nur den Kopf, meldeten sich direkt zu einem Kurs bei der VHS an. Martin Mersmann übernahm die Kursleitung: „Beim Banken-Rundgang an Rosenmontag trugen alle Prinzen den roten Parka, nur Jochen trug eine schwarze Jacke.“ Dabei hatte man dem Stadtprinzen 2025 im Vorfeld gleich zwei rote Parkas zur Verfügung gestellt – er wollte sie nicht.
Die Verteidigung redete sich immer wieder den Mund fusselig, es sah wahrlich nicht gut aus für Antragsteller Jochen. Dann aber wurde ein Video des Bürgermeisters Oliver Kellner eingespielt, der klar für die Aufnahme von Jochen in die Garde plädierte. Auch Garde-Mitglied Christoph Possemeyer sang ein Loblied auf Jochen – egal: Staatsanwalt Martin Mersmann forderte in seinem Plädoyer, die Aufnahme zu verweigern, die Verteidigung plädierte natürlich für Freispruch. Das letzte Worte hatte Jochen: „Ich wäre so gern in Eurer Mitte!“
Unter der Regie von Richter Ahmann berieten sich die Geschworenen, dann kam es zur Abstimmung, zur Überraschung: Einstimmig plädierten die Geschworenen für die sofortige Aufnahme von Jochen Hentschel in die Stadtprinzengarde. Als Strafe flossen noch zwei Ruden Bier, weil sich der Angeklagte schon im Laufe des Abends sehr spendabel gezeigt hatte, neben zahlreichen Getränken auch einen leckeren Imbiss geliefert hatte. Und sogar leckere Frikadellen wurden nachgereicht. Detten – Helau!








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