Am Samstag, 11. April 2026, könnten vielleicht sogar einige hartgesottene Handball-Fans dem Heimspiel des TVE gegen den TuS Vinnhorst fernbleiben um einem anderen Großereignis beizuwohnen. Vor dem Rathaus wird die Freiwillige Feuerwehr Emsdetten zu Ehren des Wehrführers Willi Kemper den Großen Zapfenstreich inszenieren. Diese an sich militärische Zeremonie hat es in Emsdetten zuletzt 2022 beim Jubiläum der Ahlinteler Schützengesellschaft gegeben. Als 2013 Dieter Rengers, Vorgänger von Willi Kemper im Amt des Wehrführers der Freiwilligen Feuerwehr Emsdetten, verabschiedet wurde, gab es den Zapfenstreich auf dem Marktplatz hinterm Rathaus. In 2013 feierte Emsdetten zudem das Jubiläum „75 Jahre Stadtrechte“.
Mit der Verabschiedung von Willi Kemper beginnt gleichzeitig eine neue Ära: die Einführung und Verpflichtung von Bernd Wermers.
AllesDetten hat im Vorfeld mit beiden gesprochen:
Frage: Wie war Dein bisheriger Werdegang in der Emsdettener Feuerwehr?
Willi Kemper: Ich bin 1978 in die Feuerwehr eingetreten und habe dort meine Grundausbildung absolviert.
1984 habe ich zum ersten Mal die Landesfeuerwehrschule NRW besucht und habe meine Gruppenführerausbildung (Brandmeister) gemacht.
Danach unzählige Lehrgänge am Institut der Feuerwehr NRW.
Laufbahnlehrgänge, wie Zugführer (1990), Verbandsführer (1993), Wehrführer (1994) und viele, viele technische und verwaltungstechnische Lehrgänge.
1994 Bestellung zum Ehrenbeamten der Stadt Emsdetten als stellvertretender Wehrführer.
2013 Bestellung zum Leiter der Feuerwehr.
Bernd Wermers: Ganz klassisch eigentlich – über einen Anwärterlehrhang. Am Anfang war es Neugier und ein bisschen so ein Familiendingen.
Aber ziemlich schnell merkt man: Das ist mehr als ein Hobby. Nach der Grundausbildung die 1997 begann, ging es in den aktiven Dienst, und dann entwickelte sich das Schritt für Schritt weiter bis ich 2024 den Lehrgang zum Leiter einer Freiwilligen Feuerwehr besucht habe. Lehrgänge, mehr Verantwortung, erste eigene Entscheidungen im Einsatz. Wenn ich heute zurückblicke, ist das schon ein Weg, auf den ich stolz bin.
Frage: Was war für Euch die seinerzeitige Motivation in die Feuerwehr einzutreten?
Willi Kemper: Ich war technikbegeistert und wollte mich ehrenamtlich engagieren. Auch die Kameradschaft hat mich fasziniert.
Bernd Wermers: Am Anfang war es eine Mischung aus Kameradschaft, Technikbegeisterung und dem Wunsch zu helfen. Prägend war aber auch mein Vater der damals Zugführer war. Wenn er aus dem Haus stürmte, wartete man auch nachts auf sein wiederkommen, um zu erfahren was passiert war. Man sieht die Feuerwehr im Ort, kennt viele Feuerwehrleute und irgendwann will man selbst Teil davon sein. Der Gedanke, im Notfall für andere da zu sein, spielt eine große Rolle.
Frage: Was waren für Euch in Eurer Laufbahn die prägendsten Ereignisse/Einsätze die Ihr erlebt habt?
Willi Kemper: Sicherlich prägend waren die zahlreichen Unfälle mit schwerverletzten und toten Personen.
Auch die zahlreichen Großbrände in den 2000er Jahren bleiben in Erinnerung.
Ich weiß nicht genau wie viele Einsätze ich in 48 Jahren gefahren habe . Darüber habe ich nie Buch geführt. Es werden so um die 10.000 gewesen sein???
Und da war alles dabei. Von der Katze im Baum bis hin zu schweren Unfällen und auch viele Großbrände.
Bernd Wermers: Es gibt Einsätze, die vergisst man nie. Große Brände, schwere Unfälle, das sind Situationen, die sich einprägen. Aber oft sind es die leisen Momente, die hängen bleiben. Wenn du jemandem helfen konntest. Wenn du merkst, dass dein Einsatz wirklich einen Unterschied gemacht hat. Und manchmal sind es auch die Einsätze, die einen noch lange danach beschäftigen und das muss nicht nur der eine Einsatz.
Frage: In den langen Jahren hat die Feuerwehr eine spürbare Entwicklung erlebt, was sind da für Euch die markanten Punkte?
Willi Kemper: In meiner Zeit wurden viele Um- und Anbauten bei der Feuerwehr bewerkstelligt. Auch die ständige Modernisierung der Fahrzeuge und Gerätschaften sind sicherlich markante Punkte.
Die Herausforderungen an die Feuerwehr haben sich in den Jahren stark verändert und sind erheblich anspruchsvoller geworden.
Dieses immer im Blick zu haben, ist schon sehr herausfordernd.
Ein Meilenstein ist sicher die im Moment im Bau befindliche „schwarz weiß Trennung“.
Zum Wohle aller Einsatzkräfte ist eine funktionierende Hygiene unumgänglich.
Auch der Bau eines neuen Schulungsraumes ist dringend gegeben.
Mehr Aufgaben, viele Arbeitskreise etc. brauchen mehr Platz.
Der jetzige Schulungsraum, geplant Anfang der1980er Jahre für 100 Personen, ist bei weitem nicht mehr ausreichend.
Bernd Wermers: Die Entwicklung ist enorm. Früher war vieles einfacher, manchmal auch improvisierter. Heute ist alles deutlich professioneller – Technik, Ausbildung, Abläufe.
Aber auch anspruchsvoller. Die Einsätze sind vielfältiger geworden, die Verantwortung größer. Man muss ständig dazulernen. Stillstand gibt es da nicht.
Frage: Hat es für Euch schon Momente gegeben, wo Ihr Eure Grenzen gespürt habt, Zweifel an Euerm Tun hattet?
Willi Kemper: Ja, solche Momente hat es schon gegeben. Besonders bei Einsätzen mit schwerverletzten und gestorbenen Personen, insbesondere mit Kindern.
Ich habe das aber immer angenommen und da geholfen, wo es notwendig war.
Da ist die Familie und der Zusammenhalt innerhalb der Feuerwehr sehr wichtig und hilfreich.
Bernd Wermers: Ja, definitiv. Es gibt Einsätze, die gehen dir nahe. Situationen, die dich körperlich und vor allem mental fordern. Da sitzt du später da und denkst: „Warum mache ich das eigentlich?“
Aber genau in diesen Momenten zeigt sich, was Kameradschaft bedeutet. Man redet miteinander, man fängt sich gegenseitig auf.
Wichtig dabei ist es auch heile nach Hause zu kommen und von der eigenen Familie aufgefangen zu werden.
Und dann weißt du auch wieder, warum du es machst.
Frage: Emsdetten ist in NRW schon ein herausragender Stützpunkt, – was zeichnet uns aus?
Willi Kemper: Die Feuerwehr ist in Emsdetten ist sehr gut aufgestellt. Vor allem eine hervorragend motivierte und gut ausgebildete Mannschaft.
Nicht von ungefähr kommt es, dass wir z. B. im ABC-Einsatz ein Standort des Kreises Steinfurt sind.
Zu erwähnen ist auch die Einbindung im Katastrophenschutz des Landes NRW, z. B. durch den in Emsdetten stationierten Wasserförderzug.
Ich selber bin Mitglied des „Stabes der Einsatzleitung“ des Kreises Steinfurt und Mitglied der „mobilen Führungsunterstützung, MOFÜST“ des Landes NRW.
Bernd Wermers: Der Zusammenhalt. Ganz klar. Hier kann man sich aufeinander verlassen – im Einsatz und darüber hinaus. Dazu kommen ein hoher Ausbildungsstand und eine gute Ausstattung, die uns die Stadt zur Verfügung stellt.
Aber das Wichtigste sind die Menschen.
Das Engagement, das jeder Einzelne in der Feuerwehr mitbringt – das macht den Unterschied.
Frage: Die Feuerwehrleute werden immer mehr vor größere Herausforderungen gestellt,
a) man weiß nicht, was einem beim Einsatz erwartet und
b) werden Fahrzeuge und technisches Gerät auch immer anspruchsvoller in der Bedienung(?).
Wo seht Ihr die künftige Entwicklung? im Moment scheint die Emsdettener Wehr gut aufgestellt aber auch künftig müssen Nachwuchskräfte gesichert sein.
Willi Kemper: Viele, viele Ausbildungen sind unumgänglich. Das wird immer spezieller und mehr.
Ja, und Nachwuchs ist immens wichtig, da brauchen wir uns in Emsdetten aber im Moment keine Sorgen machen. Woher es kommt, weiß ich nicht. Aber wir haben grundsätzlich seit Jahrzehnten so viele Bewerbungen, dass wir das manchmal schon gar nicht mehr bewältigen können.
Es spricht sich rum, dass es eine gute Kameradschaft gibt, …..und interessant sind die Aufgaben auch.
Hilfreich ist auch das immer sehr gute Verständnis zwischen Bürgermeister/Stadtdirektor und Wehrführer. Dieses immer gute Verhältnis, welches in Emsdetten schon Jahrzehnte lang gelebt wird, ist nicht selbstverständlich und überträgt sich auch auf die Mannschaft.
Bernd Wermers: Die Herausforderungen werden nicht kleiner – eher im Gegenteil. Einsätze sind unberechenbarer, Technik wird komplexer, und die Anforderungen steigen ständig.
Was mir wichtig ist: Dass wir weiterhin Nachwuchs gewinnen.
Ohne junge Leute funktioniert es nicht und dass wir die Balance hinbekommen zwischen Feuerwehr, Beruf und Familie.
Aber ich bin optimistisch.
Wenn ich sehe, wie motiviert die jungen Kameradinnen und Kameraden sind, dann weiß ich: Die Feuerwehr hat Zukunft.
Frage: Willi, was wirst Du Bernd mit auf den Weg geben?
Willi Kemper: Ach, ich kenne Bernd jetzt schon so lange. Ich arbeite mit Ihm schon jahrelang vertrauensvoll zusammen. Ich glaube, er braucht keine guten Ratschläge von mir. Er hat eine gute und fundierte Ausbildung und wird das schon machen.
Ich bleibe ja noch für eine Zeit Mitglied der aktiven Wehr und, wenn gewünscht, stehe ich ihm natürlich immer mit Rat und Tat zur Seite.
Ich übergebe eine top motivierte Mannschaft, mit hervorragender Ausstattung.
Er wird den eingeschlagenen Weg weitergehen, vielleicht mit vielen neuen Ideen.
Wehrführer zu sein ist nicht nur ein Amt, welches ausgefüllt werden muss.
Es ist auch eine große Belastung, die Verantwortung für über 300 Mitglieder zu haben und ständig, 24 Stunden jeden Tag, einsatzbereit zu sein.
…und ich bin froh, vor allem auch meine Ehefrau, mein Handy auch mal nachts ausschalten zu können.
Großer Zapfenstreich
Der Große Zapfenstreich ist ein militärisches Ritual welches nach einem streng vorgegebenen Protokoll inszeniert wird. Innerhalb dieses vorgegebenen Ablaufs kann sich die zu ehrende Person drei Musikstücke frei auswählen. Willi Kemper hat sich für folgende Werke entschieden:
- „Lena“ PUR
- „Mit 66 Jahren“ Udo Jürgens
- „Axel F.“ Harold Faltermeyer
Zu allen drei Stücken hat Willi Kemper einen persönlichen Bezug aufgrund dessen er sich dafür entschieden hat.




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