Ehrfürchtig, fast demütig zeigte sich am Freitagabend ein bestens aufgelegter Bastian Bielendorfer einem noch besser aufgelegten Publikum in der EMS-Halle. Eigentlich hätte diese Veranstaltung schon vor zwei Jahren in der Stadthalle Rheine stattfinden sollen. Das böse C-Wort hat jedoch alles gegeben und der Termin musste immer wieder geschoben werden. Bis es im Dezember diesen Jahres endlich soweit sein sollte. Doch dann die Meldung, dass ein alter Putzlappen in der Stadthalle sich selbst entzündet hat und größeren Schaden verursachte. Nochmal wollte man nicht schieben, verlegte den Standort nach Emsdetten. „Putzlappen – selbst entzündet – wie wollen die das ihrer Versicherung erklären?“ Es verging einige Zeit lockeren Plauderns bevor er tatsächlich übergangslos in seinem Programm landete. Der vorletzte Termin dieser Tour, am Sonntag wird noch einmal in Gelsenkirchen gespielt, Ende Januar startet er bereits in Frankfurt sein neues Programm.
Dass Bielendorfer lispelt, darüber hört man hinweg, er warnt freundlicherweise „ich rotz Euch weg, die fünfte Reihe schaffe ich locker, das ist wie in SeaWorld wenn Orka ins Wasser springt.“ Und dann geht’s los, „Biele“ erzählt aus seinem Leben, seiner Kindheit in der Obhut zweier Lehrereltern und als wenn das nicht gestraft genug wäre, ist sein Onkel auch noch Schuldirektor.
Eigentlich müsste Basti, der die 1.200 Herzen in der EMS-Halle im Sturm erobert hat, darunter viele eingefleischte Fans, die regelmäßig seinen Podcasts folgen, eigentlich müsste er abgrundtiefen Hass auf seinen Vater verspüren. Dieser scheint sich am Tag der Geburt fest vorgenommen zu haben: „Den verarsch ich sein Leben lang.“ Der 1. April ist von nun an ein Hochfest im Leben des Oberstudienrats, der über 30 Jahre jede Ausgabe des „Spiegel“ korrigiert und den Verlag regelmäßig darauf hinweist. In Unterhosen hat er seinen Sohn in die Schule geschickt um am ‚Tag der Solidarität mit afrikanischen Schulen‘ eben diese zu zeigen.
Und dennoch beschreibt er seinen Vater als liebevollsten, lustigsten Menschen dem er je begegnet ist. Ebenso spricht er von seinem Mops – oder war es doch eine mettgefüllte Socke?
Bielendorfer begeistert und lädt alle im November nach Rheine, wo ja eigentlich auch der heutige Abend stattfinden sollte, zu seinem neuen Programm ein.
Stadthalle Rheine und Stroetmanns Fabrik stehen im Wettbewerb zueinander, umso löblicher, dass der eine dem anderen in solchen Situationen sein Equipment zur Verfügung stellt. Die Besucher haben es genossen, die Emsdettener, die eigentlich nach Rheine hätten fahren müssen, weil sie nun den kürzeren Weg hatten und die vielen Rheinenser Fans haben den längeren Weg gerne in Kauf genommen.








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