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Freitag, November 6, 2026
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Palliativmedizinische Fortbildung im Bürgersaal

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(Foto: privat)

Und plötzlich ist da ein Tornado im Kopf. Ein Mensch gerät aus der Spur. Delir. Lateinisch tatsächlich zusammengesetzt aus „de – aus“, „lira – Spur“ und „ire – gehen“. „Es ist ein unangenehmes Krankheitsbild, für alle Beteiligten“, betonte Stefanie Oberfeld, Chefärztin der Abteilung für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie am St. Rochus-Hospital in Telgte, bei ihrem Vortrag: „Aber man muss es mitdenken.“

Oberfeld, auch Demenzbeauftragte der Ärztekammer Westfalen-Lippe, referierte bei der Palliativmedizinischen Fortbildung des Hospiz Haus Hannah zum Thema: „Delir und herausforderndes Verhalten im palliativmedizinischen Setting“.

Die Diagnostik, so Oberfeld, sei sehr aufwendig. Daher empfehle sie ganz klar „screenen“. „Screening heißt, von vornherein hinzugucken“, die Risikofaktoren der Patienten zu kennen.

Dazu gehört, so Dr. med. Joachim Kamp bei seiner Einführung in das Thema, „kurz innezuhalten“, im Alltag der Arbeit. Eindrücken wie „irgendwas stimmt nicht“, „Gespräche sind verändert“, „der Patient macht plötzlich nicht mehr mit, ist ungewohnt abwehrend“ Raum zu geben. „Es ist wichtig, sich zu fragen: Was ist hier los, handelt es sich um ein Delir?“, erklärte Kamp.

„Die effektivste Therapie ist tatsächlich Prophylaxe“, konstatierte Oberfeld: „Es gibt keine Medikamente gegen ein Delir.“ Ein großer Teil der Behandlung sei daher nicht medikamentöse Therapie. Oberfeld zählte auf: „für Sicherheit sorgen“, „gegebenenfalls Sitznachtwache, keine Fixierung, die verstärkt meist Unruhe“, „Förderung von Mobilität“, „Teilhabe“, „ruhige Umgebung“, „Konstanz“, „angepasste Kommunikation“ und mehr.

Die Referentin betonte dabei auch die Brisanz, da immerhin ein Drittel der Betroffenen an den Folgen eines Delirs versterbe. Ein Erkennen akuter Zustandsveränderungen ist folglich wegweisend. Dies können plötzlich auftretende Wahrnehmungsstörungen, Orientierungsstörungen, Gedächtnisprobleme, Tag-Nach-Umkehr, Aggression, Angst sowie Veränderungen der Psychomotorik sein.

Aufmerksam zu sein, an ein Delir zu denken, es in Erwägung zu ziehen und dadurch zu erkennen, sei essentiell, erläuterte Oberfeld. Damit komme auch große Entlastung, so Kamp: „Der Patient meint es nicht böse, er kann nichts dafür, es ist nicht persönlich.“ Wird das Delir erkannt, trägt dies enorm zur Beruhigung der Lage bei. Ein professioneller Umgang mit der Situation setzt ein.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurden Fragen zur Abgrenzung zu Demenz laut, zum Einfluss angstlösender und sedierender Medikamente, es wurden besonders belastende Situationen im Alltag mit Patienten besprochen und konkrete Erfahrungen ausgetauscht.

„Austausch ist wesentlicher Bestanteil guter Palliativversorgung“, sagte Julia Kemper, stellvertretende Leitung des Hospizes Haus Hannah. Und so endete der Austausch nicht mit den Erörterungen im Plenum. Viele Teilnehmende nutzen die Gelegenheit und blieben nach dem offiziellen Teil der Palliativmedizinischen Fortbildung noch zum weiteren Austausch in Kleingruppen im Foyer von Stroetmanns Fabrik.

„Irgendwie ist es immer was Besonderes, wenn wir hier zusammenkommen“, meinte Joachim Kamp. Ein Eindruck, den er ganz offensichtlich mit zahlreichen Besuchern teilte.

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