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Freitag, November 6, 2026
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„Die Vergangenheit in mir“ – Rezension

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Recherchen in einer Welt des Verdrängten – Was passiert mit einem, wenn man plötzlich feststellt, dass Vorfahren aus der eigenen Familie schwere Schuld auf sich geladen haben? Als der Onkel von Andreas Bönte verstirbt, werden auf dem Dachboden des Hauses in einer Kiste Symbole, Dokumente, Fotos gefunden. Reliquien aus der NS-Zeit. Es stellt sich heraus, dass der Großvater von Andreas Bönte, Peter Wiborg, in Rheine in führender Position in der SA aktiv gewesen ist. Wiborg war hauptverantwortlich für die Greueltaten in der Nacht vom 09. auf den 10. November 1938, der Reichspogromnacht. Wiborg hat dafür gesorgt, dass in Rheine die Synagoge abgebrannt ist, hat die Plünderung der jüdischen Geschäfte organisiert, hat das Eingreifen der Feuerwehr verhindert…

Peter Wiborg hat im Dezember 1944 Selbstmord begangen, hat sich damit der Verantwortung entzogen. In der Familie wurde nie über den Großvater gesprochen. Andreas Bönte ist selber Journalist, beginnt nach dem Fund der Kiste mit den Dokumenten… eine umfangreiche Recherche.

In dem Buch wird zunächst vom friedlichen Nebeneinander berichtet. Juden, die seit Jahrzehnten in Rheine lebten. Juden, die im 1. Weltkrieg für Deutschland gekämpft haben. Aus diesem Krieg verletzt, verstümmelt oder zumindest traumatisiert zurückgekehrt sind, wenn sie denn überlebt haben. Dann wird fast minutiös geschildert, wie der Nationalsozialismus die Oberhand gewinnt. Wahlversprechen, Machtübernahme, die langen Planungen im Hintergrund, von denen niemad wusste, gewusst haben will, die aber stattgefunden haben und deren verachtenswerte Ziele dann umgesetzt wurden. Plötzlich wurden Nachbarn verraten, vernichtet.

Bei den Untersuchungen kommt Andreas Bönte selber an seine Grenzen. Psychisch wie körperlich muss er immer wieder feststellen, wie ihn belastet, was er doch selber nicht zu verantworten hatte aber jetzt wie ein dunkler Schatten auf seiner Familie liegt.

Es ist weder eine Schilderung aus Sicht des Täters, der sich in der Zeit als Held versteht, noch die Sichtweise eines Opfers. Es ist einfach nur die Aneinanderreihung von Fakten, Dokumente aus der Zeit. Protokolle aus denen hervorgeht, wie besessen die Anhängerschaft des „Führers“ von ihrem Tun war. Wie dieser Wahn eine Lawine ins Rollen bringt, die am Ende nicht mehr zu stoppen ist, außer Kontrolle gerät.

Geheime Konferenzen mit völkischem Gedankengut waren damals der Anfang, – Parallelen sind auch heute erkennbar – vor dem Hintergrund ist das Buch unbedingt lesenswert.

Bönte schildert davon, wie er die Orte des damaligen Geschehens aufgesucht hat, wie er in den verschiedenen Archiven lokal aber auch überregional oft stundenlang gesucht und gefunden hat, viele kleine Mosaiksteinchen zusammengefügt hat. Er zeichnet den Lebensweg seines Großvaters nach, zunächst die kaufmännische Ausbildung und anschließende Karriere, seine rethorische Gewandtheit. – Nicht immer leichte Kost, die auch mal unter die Haut geht, weit mehr als nur Unverständnis für die Zeit des Nationalsozialismus hervorruft. Wut! – Und das Bewußtsein, dass so etwas nie wieder passieren darf!

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