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Dienstag, Oktober 27, 2026
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Unternehmerfrühstück von WESt mbH und IHK Nord Westfalen

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(Foto: WESt GmbH)

Wie geht es der Wirtschaft im Kreis Steinfurt? Welche Herausforderungen beschäftigen die Unternehmen derzeit – und wie können sie mit dem Wandel umgehen? Diese Fragen standen beim 42. kreisweiten Unternehmerfrühstück von WESt mbH und IHK Nord Westfalen bei der Conditorei Coppenrath & Wiese KG in Mettingen im Mittelpunkt. Rund 60 Unternehmerinnen und Unternehmer waren zu Gast und nutzten die Gelegenheit zum Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Politik.

Landrat Dr. Martin Sommer warb trotz der derzeit schwierigen wirtschaftlichen und politischen Lage für einen differenzierten Blick. „Vieles von dem, was wir hier im Land haben, ist im weltweiten Vergleich nicht selbstverständlich – wird aber oft als selbstverständlich wahrgenommen“, sagte Sommer. Bei allen bestehenden Herausforderungen dürfe nicht aus dem Blick geraten, was am Standort Deutschland und in der Region gut funktioniere.

Wirtschaft sei immer in Bewegung: Märkte veränderten sich, Technologien entwickelten sich weiter und Unternehmen müssten immer wieder neue Antworten finden. Entscheidend sei deshalb auch, wie es gelinge, mit diesen Veränderungen vor Ort umzugehen.

Mit Blick auf den Gastgeber hob Sommer hervor, dass Coppenrath & Wiese trotz der schwierigen Rahmenbedingungen weiter in den Standort investiert – in die Modernisierung und Automatisierung der Produktion, nachhaltige Energielösungen und Digitalisierung. Dass ein Unternehmen diesen Weg konsequent weitergehe, sei ein wichtiges Signal.

Auch Matthias Martin, stellvertretender Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses für den Kreis Steinfurt, ordnete die aktuelle wirtschaftliche Situation ein. Mit einem Augenzwinkern nahm er dabei Bezug auf den Gastgeber und bezeichnete die Konjunktur als „Tiefkühlprodukt“: Sie sei zwar aus der Truhe genommen, aber noch nicht aufgetaut. Hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten, Investitionsschwäche und strukturelle Herausforderungen belasteten die Unternehmen weiterhin.

Gleichzeitig sieht Martin in der starken mittelständischen Struktur des Münsterlands eine wichtige Grundlage für die Zukunft. Eine zentrale Herausforderung sei dabei der demografische Wandel und der damit verbundene Fachkräftemangel. „Jeder heute nicht abgeschlossene Ausbildungsvertrag fehlt in drei bis vier Jahren als Fachkraft“, betonte Martin und appellierte an die Unternehmen, auch jetzt noch zu prüfen, ob Ausbildungsplätze angeboten und besetzt werden können.

Die Zahlen aus dem Kreis Steinfurt zeigen dabei im Vergleich ein positives Bild: Bis Ende September wurden 1.296 neue Ausbildungsverträge eingetragen. Damit liegt der Kreis nur rund 1,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau und deutlich besser als der NRW-Landesdurchschnitt mit einem Rückgang von 9,8 Prozent.

Wie sich diese Entwicklungen ganz konkret auf Unternehmen auswirken, zeigte anschließend Gastgeber Andreas Wallmeier. Der Geschäftsführer der Conditorei Coppenrath & Wiese blickte auf die Entwicklung des Unternehmens zurück, das im vergangenen Jahr sein 50-jähriges Bestehen gefeiert hat. Heute beschäftigt das Unternehmen mehr als 3.000 Menschen, davon rund 2.700 am Standort Mettingen und rund 330 am Standort Osnabrück.

Aus den Anfängen mit der Wiener Platte ist ein Unternehmen entstanden, das, alle länder- und kundenspezifischen Spezifikationen berücksichtigt, weltweit rund 700 Produkte vertreibt. Coppenrath & Wiese gehört heute zu den führenden Herstellern von Tiefkühlbackwaren und ist insbesondere für tiefgekühlte Torten, Kuchen und Brötchen bekannt.

Doch auch ein Unternehmen dieser Größenordnung müsse sich immer wieder neu aufstellen, machte Wallmeier deutlich. „Wir sind mitten im Wandel, wir können ihm nicht entkommen.“ Wandel dürfe dabei nicht nur als Bedrohung verstanden werden, sondern müsse auch als Chance gesehen werden.

Das zeigt sich bei Coppenrath & Wiese unter anderem in der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung. Im Bereich der Verpackung setzt das Unternehmen auf einen hohen Automatisierungsgrad und Robotik. Hintergrund ist auch, dass bestimmte Stellen zunehmend schwer zu besetzen sind. Automatisierung wird damit zu einem Weg, Produktionsprozesse langfristig abzusichern und auf den zunehmenden Fachkräftemangel zu reagieren.

Auch Künstliche Intelligenz spielt bei Coppenrath & Wiese zunehmend eine Rolle – etwa im Marketing. Im Zuge der Weiterentwicklung des Markenauftritts kommen nach Angaben Wallmeiers auch KI-generierte Inhalte zum Einsatz. So entsteht unter anderem eine neue Version der bekannten Werbemelodie mit Unterstützung von KI. Damit zeigt das Unternehmen, dass technologischer Wandel längst nicht mehr nur die Produktion betrifft.

„Wir müssen uns auf den Weg machen und Veränderungen einleiten“, so Wallmeiers Appell. Dabei gehe es nicht nur um neue Technologien, sondern auch darum, sich auf veränderte Erwartungen und Lebenswelten jüngerer Generationen einzustellen. Unternehmen müssten sich deshalb mit den Veränderungen auseinandersetzen und ihre eigenen Antworten darauf finden.

Für den Kreis Steinfurt und die kreisweite Wirtschaftsförderung WESt mbH sind genau diese Themen ebenfalls wichtige Handlungsfelder. Unternehmen erhalten Unterstützung unter anderem bei Fragen rund um Digitalisierung, Innovation, Fachkräfte, Nachhaltigkeit und Unternehmensentwicklung. Auch die IHK Nord Westfalen bietet zahlreiche Beratungs- und Unterstützungsangebote für Betriebe in der Region.

Das Unternehmerfrühstück bot neben den Impulsen von Landrat Dr. Martin Sommer, Matthias Martin und Andreas Wallmeier vor allem Gelegenheit zum persönlichen Austausch und zur Vernetzung. „Gerade in Zeiten des Wandels ist der Austausch zwischen Unternehmen, Politik und Verwaltung wichtig. Unternehmerfrühstücke wie dieses bieten dafür den richtigen Rahmen“, so das Fazit der Veranstalter.

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