Es sind oft die kleinen Momente: Das Kind im Klassenzimmer, das eine falsche Antwort gibt und plötzlich rot wird. Der Jugendliche, der lieber schweigt, als etwas „Falsches“ zu sagen. Oder Erwachsene, die sich schwertun, Hilfe anzunehmen – aus Sorge, als schwach zu gelten. Scham ist ein Gefühl, das vielen vertraut ist, über das aber selten gesprochen wird. Dabei spielt Scham im Alltag eine größere Rolle, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Gerade in Schule, Beratung oder im Umgang miteinander wirkt sie oft im Hintergrund – etwa in Konflikten, in denen hinter Vorwürfen nicht selten auch Verletzlichkeit steckt.
Vortrag und Seminar

Mit genau diesem Thema beschäftigt sich die Diplom-Pädagogin und systemische Lehrtherapeutin Almut Fuest-Bellendorf in einem Vortrag sowie einem darauf aufbauenden Seminar in Emsdetten. Sie bringt langjährige Erfahrung aus der Arbeit mit Fachkräften im psychosozialen Bereich mit und ist unter anderem in der Aus- und Weiterbildung tätig. Unter dem Titel „Die harte Schule der Scham – Perspektiven auf eine tabuisierte Emotion“ zeigt sie im Vortrag, wie vielfältig sich Scham äußern kann. Denn sie zeigt sich nicht nur in Rückzug oder Unsicherheit – manchmal verbirgt sie sich auch hinter scheinbar gegensätzlichen Reaktionen wie Trotz, Ärger oder Ablehnung. Ein „Ist mir egal“ kann so mitunter mehr über ein Gefühl aussagen, als es zunächst scheint. Ziel des Vortrags ist es, für diese oft verborgenen Dynamiken zu sensibilisieren und neue Perspektiven im Umgang mit Scham zu eröffnen.
Der Vortrag findet am 9. Juli 2026 von 18:00 bis 19:30 Uhr in der Stroetmanns Fabrik in Emsdetten statt. Der Eintritt beträgt 10 Euro, die Teilnehmendenzahl ist auf 100 Personen begrenzt. Am folgenden Tag wird das Thema im Seminar „Würde und Scham in der pädagogischen Arbeit“ vertieft. Hier geht es darum, wie Fachkräfte – etwa in Schule, Beratung oder sozialer Arbeit – sensibel mit Scham umgehen können. Denn gerade Kinder und Jugendliche erleben im Alltag immer wieder Situationen, in denen sie sich bewertet oder unsicher fühlen. Dabei wird auch eine weniger bekannte Seite der Scham beleuchtet: Trotz ihrer unangenehmen Wirkung kann sie eine wichtige Funktion haben. Der Psychoanalytiker Leon Wurmser bezeichnet sie als „Wächterin der menschlichen Würde“. Das Seminar findet am 10. Juli 2026 von 9:00 bis 16:00 Uhr in den Räumen des Kreisel e.V., Rudolf-Diesel-Straße 5 in Emsdetten, statt. Die Teilnahme kostet 20 Euro, die Plätze sind auf 30 Personen begrenzt.
Der Kreisel e.V. beschäftigt sich in seinen Arbeitsfeldern – insbesondere in Schule, Familienberatung und sozialpädagogischer Begleitung – intensiv mit dem Thema. Ein bewusster Umgang mit Scham kann helfen, Konflikte besser zu verstehen und Menschen in schwierigen Situationen zu unterstützen. Anmeldungen sind telefonisch unter 02572-88260 oder per E-Mail an info@kreisel-emsdetten.de möglich – solange Plätze verfügbar sind. Weitere Informationen zum Kreisel e.V. gibt es unter www.kreisel-emsdetten.de.




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