Blackout, Extremwetter oder andere Krisenlagen bis hin zu kriegerischer Auseinandersetzung: Was lange als unwahrscheinlich galt, gehört heute zur realistischen Vorsorgeplanung. Beim Informations- und Diskussionsabend der CDU Emsdetten wurde deutlich, wie wichtig es ist, Bevölkerung und Einsatzkräfte gleichermaßen auf solche Szenarien vorzubereiten.
Der Abend vermittelte zugleich eine klare Botschaft: Der Kreis Steinfurt ist gut aufgestellt – entscheidend bleibt jedoch vor allem auch die Eigenverantwortung jedes Einzelnen.
Im Mittelpunkt stand der Vortrag von Dr. Karlheinz Fuchs, Dezernent für Gesundheit und Bevölkerungsschutz sowie Leiter des Krisenstabs des Kreises Steinfurt. Anschaulich und eindringlich erläuterte er, wie Behörden, Hilfsorganisationen und Kommunen im Ernstfall zusammenarbeiten und welche Strukturen im Hintergrund greifen.
„Krisen lassen sich nicht isoliert bewältigen – entscheidend ist das funktionierende Zusammenspiel aller Beteiligten“, betonte Fuchs.
Gleichzeitig machte er deutlich, dass der Kreis Steinfurt bereits gut vorbereitet sei. Ein besonderes Beispiel: Selbst bei einem flächendeckenden Stromausfall kann weiterhin über Radio RST gesendet werden, um die Bevölkerung zuverlässig zu informieren.
Mit Nachdruck appellierte Fuchs an die Eigenvorsorge:
„Ich hoffe, dass jeder, der heute Abend nach Hause geht, auch tätig wird und für mindestens zehn Tage Lebensmittel, Batterien und notwendige Medikamente vorhält.“
Einen praxisnahen Einstieg in den Abend gab Christian Kleinberns, Rotkreuzleiter in Emsdetten. Er stellte die Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes vor und gab konkrete Hinweise zur persönlichen Vorbereitung auf Krisensituationen – unter anderem mit Verweis auf Informationsangebote des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Ergänzt wurde der Abend durch die Perspektive aus der Praxis: Wilhelm Kemper, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Emsdetten, erläuterte, wie die Stadt im Ernstfall aufgestellt ist. Vorgestellt wurden unter anderem sogenannte „Katastrophenschutz-Leuchttürme“ – zentrale, notstromversorgte Anlaufstellen, die im Krisenfall Orientierung bieten und als Orte für Information oder erste medizinische Basisversorgung dienen können. Zudem wurde deutlich, welche Rolle Notstromversorgung grundsätzlich spielt und vor welchen Herausforderungen etwa Arztpraxen oder Apotheken stehen können.
Auch Vertreterinnen und Vertreter der örtlichen Hilfsorganisationen – darunter DLRG, Malteser, Deutsches Rotes Kreuz sowie das Technische Hilfswerk aus Greven – nahmen an der Veranstaltung teil und brachten ihre praktischen Erfahrungen ein. Die starke Beteiligung unterstrich die enge Vernetzung im Katastrophenschutz.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der aktuellen Entwicklung im Rettungsdienst. Fuchs machte deutlich, dass die Kosten für Rettungswageneinsätze in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind. Gründe seien neben steigenden Kosten für Personal und Ausrüstung vor allem auch ein verändertes Anspruchsverhalten in der Bevölkerung mit der Folge massiv steigender Einsatzzahlen sowie eine teilweise missbräuchliche Nutzung.
Die Krankenkassen hätten ihre Verhaltensweise der vergangenen Jahrzehnte ganz akut verändert und seien nicht mehr bereit, für ihre Versicherten die rettungsdienstlichen Kosten vollständig zu tragen.
„Der Rettungsdienst muss für alle Menschen, die ihn wirklich brauchen, jederzeit erreichbar und niedrigschwellig zugänglich bleiben. Gleichzeitig stehen wir alle vor der Herausforderung, die Finanzierung nachhaltig zu sichern“, so Fuchs.
Dafür sei kurzfristig eine einvernehmliche Lösung zwischen Land NRW, Kommunen und Krankenkassen notwendig, die allerdings nicht sicher sei. Zugleich betonte er, dass niemand aus Angst vor möglichen Kosten zögern dürfe, im echten Notfall den Notruf zu wählen.
Am Ende des Abends wurde deutlich: Ein leistungsfähiger Katastrophenschutz und Rettungsdienst sind zentrale Bestandteile der öffentlichen Daseinsvorsorge – und damit auch eine wichtige Grundlage für Vertrauen in die Handlungsfähigkeit staatlicher Strukturen und unserer Demokratie.




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