Dreharbeiten für Kinofilm mit wahrem Hintergrund „Der Münsterlandmörder – Akte 916“

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Es ist Mittwochabend, 18 Uhr, dunkel, nass, leicht diesig, mehrere Fahrzeuge aus den 60-er, 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts finden sich hinterm Bahnhof von Mesum ein, darunter auch ein Opel Kadett B (Baujahr 1966) der Familie Heinze aus Emsdetten. Benzingeruch liegt in der Luft, das Knattern der Motoren weithin hörbar. Regisseur Detlef Muckel versammelt die „Blechstatisten“ um sich, die Darsteller stehen separat. Kurze Einweisung über die Abläufe, Aufbau, Lichtsetzung, Maske, immer wieder werden die Arbeiten von zufällig auftauchenden Passanten oder dem normalen Verkehr unterbrochen.

Mittlerweile ist es fast ein halbes Jahrhundert her, zwischen 1971 und 1975 wurden hier im Münsterland vier junge Frauen getötet. Hinweise auf den Täter, Lösungsansätze oder gar die Ergreifung des Täters – bis heute Fehlanzeige. Auch der Aufruf Eduard Zimmermanns in seiner Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ war ergebnislos.

Edeltraud van Boxel war am Abend des 21. November 1971, also heute fast auf den Tag genau vor 49 Jahren, das erste Opfer des „Münsterlandmörders“. Die 23-Jährige war als Prostituierte im Rotlichtmillieu an der Industriestraße in Münster tätig. An besagtem Sonntag steigt die Frau, die im siebten Monat schwanger ist, gegen 20:30 Uhr in einen hellen VW-Käfer, das Auto ihres späteren Mörders. Um 23:40 Uhr wird sie erwürgt aufgefunden.

Immer wieder wird die Szene jetzt durchgespielt: drei „Bordsteinschwalben“ stehen bereits am Straßenrand, auf der Straße selber herrscht reger Verkehr, Fahrzeuge, bei denen die Herzen von Oldtimer-Liebhabern höher schlagen. Edeltraud van Boxel kommt dazu, nimmt ihren Platz ein. Eine Kollegin ist gerade in einen Mercedes zu ihrem Freier eingestiegen. Eine junge Mutter mit Kinderwagen quert die Straße. Der helle VW-Käfer fährt ins Bild, bleibt vor Edeltraud stehen, – kurzes Gespräch durch die heruntergedrehte Scheibe, sie steigt ein und beide fahren davon.

In den Folgejahren bis 1975 gibt es drei weitere Fälle, die dem selben Täter zugeschrieben werden. Parallelen sind deutlich erkennbar. Zwischen 1975 und 1977 dann vier Morde an jungen Frauen im Raum Heidelberg. Auch diese Serie soll auf das Konto des sogenannten Münsterlandmörders gehen.

„Es handelt sich hierbei um einen Mix aus Dokumentar- und Spielfilm,“ so der Regisseur Detlef Muckel im Gespräch mit AllesDetten. „Nachgestellte Szenen aus der damaligen Zeit, teilweise an original Schauplätzen.“ Begebenheiten, Emotionen, Tagebucheinträge die aus dem Off erzählt werden. Lange hat Muckel sich auf dieses Projekt vorbereitet, sich mit den Fällen beschäftigt, sich mit Zeitzeugen unterhalten, die jedoch im Film nicht zu Wort kommen, dessen Informationen Muckel für sich herangezogen hat um zu Verstehen und dieses Wissen jetzt weitergeben möchte. Der damalige Mörder ist möglicherweise aktuell noch irgendwo unter uns. Das Geschehene sollte nicht in Vergessenheit geraten, den Opfern ein kleines Denkmal gesetzt werden.

Es ist fast Mitternacht, als in Mesum die letzten Fahrzeuge vom Dreh wieder abziehen. Am nächsten Morgen ist von dem, was am Abend zuvor hier noch für Aufsehen sorgte, nichts mehr zu sehen. Neben der zuvor erwähnten Szene schafften es noch weitere Einstellungen in den „Kasten“. Muckel scheint zufrieden, – wieder eine Menge Material, welches jetzt zusammengeschnitten werden muss.

Ursprünglich geplant war, dass der Film in 2021 in die Kinos kommt. Das kann sich jetzt möglicherweise wegen der vielen coronabedingten Aufschübe verzögern. AllesDetten wird das Projekt am Rande weiter begleiten.

 

 

 

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